Gibt dem Protest nicht nur eine Stimme: LeBron James. Foto: imago/UPI Photo

Blase in Florida: Die NBA kehrt mitten in der Corona-Pandemie aufs Feld zurück – doch der Sport ist dabei erst einmal nebensächlich. Spannend ist vor allem die Frage, auf welche Art die Basketball-Superstars Haltung zeigen werden.

Orlando/Florida - In Disney World eröffnet am Donnerstagabend (Ortszeit) die nächste Attraktion. Es wird zwar ein Spektakel ohne Zuschauer, ohne Gekreische und ohne Warteschlange, dafür aber eines mit außergewöhnlichem Aufmerksamkeitsfaktor. Mit dem Duell der beiden Top-Teams aus Los Angeles, den Lakers und den Clippers, setzt die nordamerikanische Basketball-Liga NBA in dem riesigen Freizeitpark in Orlando/Florida ihre Saison fort. Noch allerdings spricht kaum jemand über den Sport – weil viel mehr auf dem Spiel steht. „Es ist 2020, nichts ist normal“, sagt LeBron James, der Superstar, „niemand weiß, ob es jemals wieder so sein wird, wie es war. Jeder muss einen Weg finden, darum geht es im Leben.“ Basketballer sind da keine Ausnahme.

Viele NBA-Profis waren wenig begeistert, als die Liga im Juni verkündete, dass es mitten in der Corona-Pandemie weitergehen wird. Euphorie ist immer noch nicht ausgebrochen, zumal Florida aktuell einer der landesweiten Corona-Hotspots ist. Doch die Spieler sehen mittlerweile auch die Chancen. Sportlich, klar. Aber vor allem politisch.

Bei der Hymne die Halle verlassen

Das erste Zeichen gegen Rassismus, soziale Ungerechtigkeit und Polizeigewalt setzten die Basketballerinnen beim Restart der WNBA. Sie verließen, als die Nationalhymne erklang, die Halle. „Ich will sie nicht hören, ich will mich der Hymne nicht nähern“, sagte Layshia Clarendon, US-Nationalspielerin und Kapitänin von New York Liberty, „es ist grotesk, dass Gerechtigkeit und Freiheit nicht für alle in selber Weise gelten.“ Die Botschaft kam an. Und doch hat es noch mal eine andere Reichweite, wenn jemand wie LeBron James Stellung bezieht. „Spricht er“, sagt Lakers-Teamkollege Anthony Davies, „dann hört die ganze Welt zu.“

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Also erhebt James die Stimme. Laut, deutlich, in aller Klarheit. „Wir werden weiterhin Druck machen“, antwortet der Mann, den viele für den besten Basketballer der Welt halten, selbst auf Fragen, die etwas ganz anderes zum Inhalt hatten. Um dann über Breonna Taylor zu reden. Die 26-jährige schwarze Notfallsanitäterin war im März in ihrem Haus bei einem Einsatz von Polizisten erschossen worden. Der Aufschrei hallt nach, wie bei George Floyd, und LeBron James gibt dabei den Ton an: „Ich will weiterhin Aufmerksamkeit darauf richten, dass Breonna Tylor und ihrer Familie Gerechtigkeit zuteil werden muss. Ich möchte, dass endlich die drei Polizisten verhaftet werden, die dieses Verbrechen begangen haben.“

Botschaften statt Namen auf den Trikots

Natürlich geht es auch beim Neustart der NBA um Geld. Viel Geld. Der aktuelle TV-Vertrag garantiert der besten Liga der Welt 2,36 Milliarden Euro pro Saison – sofern diese zu Ende gespielt wird. Zugleich nutzt die NBA die Möglichkeit, sich nicht allein über ihren Wert zu definieren. Sondern auch über Werte. Die ganze Sportwelt schaut in den nächsten zweieinhalb Monaten auf den Basketball in den USA und darauf, wie seine Protagonisten sich auf dem Feld positionieren. Aber natürlich auch, wie sie den Politikern einen Korb geben, die verlangen, sie sollten sich doch lieber auf Dreier, Dunkings und die Defense konzentrieren.

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Auf dem Parkett in den drei Spielhallen in Disney World prangt in Großbuchstaben der Slogan „Black lives matter“, den Profis wird von der Liga erlaubt, statt ihrer Namen Botschaften auf der Rückseite ihres Trikots zu platzieren. „I can’t breathe“, „Peace“, „Power to the people“ oder „Anti-Racist“ zum Beispiel. Auf den Schultern von Maximilian Kleber (Dallas Mavericks) steht über der Nummer 42 das Wort „Gerechtigkeit“. Auf Deutsch. Es wird erwartet, dass ab dem ersten Spiel alle NBA-Profis knien, wenn die Nationalhymne ertönt. Weitere Aktionen dürften vereinbart worden sein. Klar ist: Die Basketball-Stars werden genau die Haltung zeigen, ohne die alles noch schwerer zu ertragen wäre. Auch die Umstände in Orlando.

Speisen im Stripclub?

Dort leben 22 Teams in drei Quarantäne-Hotels. Als die Spieler Anfang Juli einzogen, wurden sie so lange in ihren Zimmern isoliert, bis zwei negative Corona-Tests vorlagen. Sie werden weiter ständig getestet, zusätzlich wird mit vernetzten Armbändern überwacht, dass sie den Sicherheitsabstand zu anderen Personen in den Hotels einhalten. Auch sonst ist der Käfig gar nicht so golden wie erhofft. Vor allem über das miese Essen gibt es viele Klagen. Kein Wunder, dass Lou Williams von den Clippers, der die Erlaubnis hatte, zur Beerdigung eines engen Familienfreundes nach Los Angeles zu reisen, als Begründung für Fotos, die ihn mit einem Rapper zeigten, angab, er habe mal wieder gut speisen wollen. Dumm nur, dass die Bilder aus einem Stripclub stammten. Williams durfte zwar zurück in die Basketball-Blase, wurde aber zu einer zehntägigen Quarantäne auf seinem Zimmer verdonnert.

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Ein Disziplinarfall, der zeigt: Neben den Fragen, wie die Basketballer ihre Bühne für Proteste nutzen und welche Teams es in die Play-offs schaffen, ist vor allem spannend, ob die Disney-„Bubble“ ausreicht, um die Saison zu Ende bringen zu können. In einem Jahr, in dem nichts ist, wie es vorher war.

Neben Superstar LeBron James spielen auch einige Deutsche in der NBA – wir haben eine Übersicht in der Bildergalerie für Sie zusammengestellt und gleich noch in die anderen US-Ligen geschaut, wo sich weitere deutsche Athleten tummeln.

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