Der neue Coach Josh King steht bei Ludwigsburgs Basketballern noch unter Beobachtung – doch jetzt schaffte er ein Novum.
Das hat nicht einmal Erfolgstrainer John Patrick geschafft – und das will etwas heißen. Die Rede ist vom Einzug in die zweite Runde des Basketballpokals, seit der 2018 in einem K.-o.-Modus ausgetragen wird, beginnend mit dem Achtelfinale. Und das haben die MHP Riesen Ludwigsburg am späten Samstagabend überstanden mit einem 92:86-Sieg bei den favorisierten Hamburg Towers, deren Etat in dieser Saison durch den Einstieg des neuen Namenssponsors Veolia nochmals deutlich gestiegen ist. Auf geschätzt fünf bis sechs Millionen Euro – und damit auch über dem der Riesen liegt.
Wobei die durch den Einzug ins Viertelfinale um die 50 000 Euro an Prämie bekommen, dazu soll sich noch ein Fahrtkostenzuschuss in niederer fünfstelliger Höhe gesellen. Der Kraftakt hat sich also doppelt gelohnt. Und nach der ärgerlichen Niederlage unter der Woche in der Liga gegen Aufsteiger Rostock sagte Trainer Josh King: „Beide Mannschaften haben sehr hart gespielt. Es war sicherlich ein unterhaltsames Spiel für die Fans.“ Wobei sich die Freude bei den meisten der 2287 Zuschauer in Grenzen hielt. Wie sagte Hamburgs Coach Raoul Korner: „Für uns wäre deutlich mehr drin gewesen.“
Doch die Riesen besannen sich am Ende auf ihre Stärke, die physische Präsenz. Die spielten sie vor allem im letzten Viertel (31:17) aus, und das wiederum vor allem dank Yorman Polas Bartolo, dem 37-jährigen Deutsch-Kubaner, der deshalb ein Sonderlob vom Trainer bekam: „Er hat das Spiel für uns übernommen und in Richtung Sieg geführt.“ Polas Bartolo („als Kapitän muss ich Verantwortung übernehmen“) schaffte ein Double-Double mit 12 Punkten und 14 Rebounds. Übertroffen wurde er von Isaiah Whitehead, an dem sich noch etwas die Geister scheiden. Der ehemalige NBA-Profi ist so etwas wie der Königstransfer unter King, wirkt manchmal aber noch nicht in Ludwigsburg angekommen. Allerdings steigerte er sich im Laufe der Partie und traf auch hervorragend. In dieser Verfassung ist er eine Verstärkung.
Das könnte wichtig sein, denn auf der Spielmacherposition gibt es noch Anlaufprobleme. Der in den ersten Spielen so starke Prentiss Hubb (7) war früh mit zwei Fouls belastet und musste später mit fünf vorzeitig vom Feld. Zudem hat er als Bundesliga-Rookie noch Anpassungsprobleme mit dem europäischen Basketball, das gilt umso mehr für seinen Ersatz Ben Shungu, der in Hamburg nur kurz zum Einsatz kam. Beide BBL-Neulinge deuteten aber zumindest an, dass sie Potenzial besitzen. Genau wie Distanzspezialist Jhonatan Dunn (15 Punkte), der allerdings sein Pulver in der ersten Hälfte verschossen hatte und es mit den Drei-Punkte-Würfen manchmal noch übertreibt.
Es ist noch früh in der Saison, doch vier Siege in fünf Pflichtspielen sind durchaus respektabel für die neu formierte Mannschaft mitsamt Chetrainer-Neuling King, wenngleich die hochkarätigen Gegner erst noch folgen werden. Dazu geht der Tanz auf drei Hochzeiten weiter, was für zusätzliche Belastungen sorgt. Die nächste Runde im Pokal am 3./4. Dezember wird an diesem Montag ausgelost – dann befindet sich die Mannschaft schon auf dem Weg nach Jerusalem, zu einem weiteren Auftritt in der Champions Legaue am Mittwoch.