Das Spiel ist verloren, die TSV-Basketballer sind konsterniert: Dursun Can, Hans Baumann, Ben Diehl und Florian Meilands (vorn v. li n. re.) Foto: Flemming Nave

Die Malmsheimer Basketballer verlieren auch das Relegations-Rückspiel zur Oberliga gegen die Reutlingen Eagles 2 – das versetzt das gesamte Team in Schmerz.

Als auswärtiger Reporter kann man in Reutlingen gefragt werden, wo Malmsheim eigentlich liegt. Nach dem Rückspiel der Oberliga-Relegation ließe sich die Frage wie folgt beantworten: am Boden.

 

Als die letzten Sekunden auf der Anzeigetafel unbarmherzig herunterlaufen, wird immer klarer: Der große Traum der Basketballer vom TSV Malmsheim ist geplatzt. Nach der zweiten Niederlage gegen die Reutlingen Ravens II stehen diese als Aufsteiger fest, der TSV muss schweren Herzens in der Landesliga bleiben. Beim Stand von 75:63 wird in den verbleibenden Sekunden gar nicht mehr gespielt, die Gastgeber verfallen bereits in leichte Feierlichkeiten, während die Gäste sichtlich in sich zusammensacken.

Tränen bei den Spieler nach Spielende

Einen Moment lang, beim Händeschütteln mit Gegnern und Schiedsrichtern, zwingen sich die Malmsheimer Spieler und Betreuer noch ein Lächeln auf die Lippen, sobald das Team unter sich ist, entschwindet es. Während Kapitän Hans Baumann im Mannschaftskreis eine leidenschaftliche Ansprache hält, hocken vor ihm Teamkollege Christoph Lange und Trainer Manuel Martinez – beide sprachlos, das Gesicht in den Händen vergraben. Es sind Bilder, welche die Schattenseite des Sports offenlegen. Wo es jubelnde Sieger gibt, muss es immer leidende Verlierer geben. Auf der Bank sitzen Florian Meilands und Ben Diehl. Während der eine mit ausdruckslosem Blick in die Leere der Halle starrt, vergräbt der andere das tränenüberströmte Gesicht im Handtuch. Kollege Nils Krawietz versucht zu trösten, wobei er eigentlich auch Trost benötigt.

Frust und Sprachlosigkeit nach der Schlusssirene bei den Malmsheimer Spielern Florian Meilands (li.) und Hans Baumann. Foto: Flemming Nave

Lange hat die Mannschaft auf diese beiden Entscheidungsspiele hingearbeitet, die zum größten Erfolg in der Historie der Malmsheimer Basketballer hätte werden sollen. Oberliga, noch nie haben die Männer des TSV dort Bälle werfen dürfen. Nach einer starken Spielzeit, in der sich der Club nur Meister TV Nellingen geschlagen geben musste, wollte das Team, das in den letzten Jahren unter Trainer Manuel Martinez fast nur Erfolge kannte, den bislang größten klarmachen. Nach der 62:67-Niederlage im Hinspiel waren sich alle einig: Da ist noch alles drin, wir können das noch schaffen.

Obwohl es im Rückspiel früh 0:7 stand, brach die Euphorie der zahlreich angereisten und lautstark anfeuernden TSV-Anhänger, unter denen sich auch Teile der Abteilungsleitung und der ersten Damenmannschaft befanden, nicht ein. Kurz vor Ende des ersten Viertels stellte Dursun Can mit 15:15 den ersten Gleichstand her, Luis Müller gelang im zweiten schnell die erste Führung für die Gäste. Mit 39:35 gingen die Malmsheimer in die Kabine, der Triumph schien zum Greifen nah. Besonders Müller ließ die Herzen höher schlagen, als er mit vier schnellen Punkten das 52:52 erzielte, mit dem die Teams schließlich ins letzte Viertel gingen.

Dann jedoch zerplatzte die schimmernde Seifenblase mit dem Traum der Oberliga mitten im Gesicht des TSV und sorgte für schmerzhaftes Augentränen. Wie im Hinspiel kamen die Reutlinger zu deutlich mehr freien Würfen, die sie zuverlässig von der Dreipunktelinie verwandelten. Symptomatisch für den Kollaps des TSV: Sie vergaben mehrere Freiwürfe hintereinander, ein Distanzversuch Dursun Cans blieb auf dem Ring stecken. Alles Aufbäumen half nichts mehr, die Mannschaft musste am Schluss die Niederlage einstecken.

Auch Trainer Manuel Martinez war noch Minuten nach dem Ende konsterniert. Foto: Flemming Nave

„Da kann man dem Gegner nur gratulieren“, meinte Dursun Can. „Sie wollten es mehr, das haben sie gezeigt“, befand der Malmsheimer, nachdem er die Gedanken etwas gesammelt hatte. Trauer, Frust und Wut waren für ihn die vorherrschenden Gefühle. Der letzte Wille hatte seinem Team gefehlt, analysierte Can, der Gegner sei die entscheidenden Zentimeter mehr gegangen.

Trainer Manuel Martinez ist lange wortlos

Florian Meilands, der extra für das Duell aus Köln angereist war, musste in seinem letzten Auftritt im TSV-Trikot eine herbe Niederlage verdauen. „Die Mannschaft hätte es verdient aufzusteigen, es tut mir einfach leid für die Jungs“, fand der Spieler, der in der Rückrunde für das Team auflief. Mit der eigenen Leistung war Meilands unzufrieden, dennoch wollte er die Niederlage nicht primär auf sich selbst beziehen. Die Enttäuschung war dennoch groß, auch bei Trainer Manuel Martinez, in dem die Leere vorherrschte. Der sonst wortgewandte Coach brachte kaum ein Wort heraus, so sehr nahm ihn dieser so bittere Rückschlag mit.