Erneut ein starker Auftritt: Johnson (Mi.) glänzt gegen Alba Berlin. Foto: Baumann

Bei den MHP Riesen Ludwigsburg gibt es derzeit viel zu jubeln: Mit dem 90:80 gegen Alba Berlin bestätigte das Team erneut seine Topform – doch nicht alle Basketballprofis von Trainer John Patrick können sich momentan uneingeschränkt freuen.

Ludwigsburg - Mustafa Shakur gab sich ­alle Mühe, den Eindruck eines guten Teamkameraden zu vermitteln. Bereits beim ­Aufwärmen klatschte er die Kollegen ab, während des Spiels jubelte er bei erfolgreichen Aktionen – glücklich sah er den ganzen Abend über dennoch nicht aus. Mit hängenden Schultern verließ der Aufbauspieler der Riesen Ludwigsburg die MHP-Arena – trotz des 90:80(44:32)-Sieges seines Clubs über Alba Berlin in der Basketball-Bundesliga.

Der Grund für die Tristesse beim besten Punktesammler (13,9 Zähler pro Partie) der Barockstädter: Auf dem Spielfeld darf er nichts mehr beitragen. Ihm bleibt jedenfalls zurzeit bloß die Rolle des Ersten Cheerleaders. Bereits im Spiel gegen die Crailsheim Merlins (100:65) saß der US-Spielmacher nur in Zivil auf der Bank – Shakur steht auf dem Abstellgleis. Die Begründung: eine Verletzung am Knie. „Mustafa hat für uns über 30 Minuten im Schnitt gespielt“, sagt Riesen-Coach John Patrick, „die Belastung war zu hoch. Auch deshalb haben wir nachverpflichtet.“

Johnson ist neuer Denker und Lenker im Ludwigsburger Spiel

Der neue Denker und Lenker im Ludwigsburger Spiel ist dabei ein alter Bekannter. Vor dem Derby kurz vor dem Jahreswechsel gegen die Crailsheim Merlins wurde Kerron Johnson in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vom französischen Erstligisten Rouen Basket zurückgeholt. Er überzeugte prompt – und auch gegen Alba (20 Punkte). „Mit Kerron ist die Euphorie zurückgekehrt, ich bin froh, dass er da ist“, hatte Patrick nach dem Spiel gegen Crailsheim gesagt. Nach einem Bekenntnis zu Shakur hörte sich das nicht an. Kein Wunder: Die Leistungskurve beim 31-Jährigen zeigte zuletzt stark nach unten.

Shakur beteuert zwar, dass er keine Probleme mit seinem Trainer habe, dennoch drängt sich ein Vergleich zur Vorsaison auf. Denn sein Fall ähnelt stark dem von Coby Karl. Auch der hatte Spiele teilweise im ­Alleingang entschieden, genügte den Anforderungen Patricks – mit dem starken Fokus auf der Verteidigung – aber irgendwann nicht mehr und wurde aussortiert.

Das Problem, das die Korbjäger aus der Barockstadt nun haben: Mit Shakur und Johnson, der einen Vertrag über zwei Monate mit der Option, bis zum Saisonende zu verlängern, erhält, stehen acht US-Amerikaner im Kader, in der Bundesliga dürfen pro Spiel aber maximal sechs eingesetzt werden. Deshalb hält es auch Alexander Reil, Vorsitzender der Riesen, für unwahrscheinlich, dass es keine Veränderungen mehr bis zum Ablauf der Wechselfrist Ende Februar gibt. „Wir werden nicht bis zum Saisonende mit acht Amerikanern gehen“, sagt Reil und hat ­dabei auch die zusätzlichen Gehaltskosten im Hinterkopf.

Im Eurocup hingegen, wo die Riesen in der Runde der besten 32 Teams stehen, könnten sowohl Shakur als auch Johnson gemeinsam auflaufen. Hier kommt die Ausländerregelung nicht so zum Tragen wie in der BBL. „Wir wollen noch eine Runde weiterkommen, und dann brauchen wir wegen der ­zusätzlichen Belastung mehr als sieben Amerikaner“, betont Riesen-Coach Patrick. Und Shakur meint: „Warum sollte ich nicht wieder für die Riesen spielen?“ Die Antwort auf diese Frage kann nur der Trainer geben.