Keaton Grant (li./hier gegen Ulms Matt Howard) streckt sich für die Play-offs: Der Ludwigsburger ­Punktekönig glänzt beim Derby-Sieg mit starken 26 Zählern Foto: Baumann

Träumen erlaubt! Sieben Jahre ist es her, dass die Ludwigsburger Profi-Basketballer letztmals nach der regulären Saison noch auf Korbjagd gegangen sind. Bald könnte es wieder so weit sein.

Ludwigsburg - „Derby-Sieger, Derby-Sieger“, schallte es von den Rängen, und die Ludwigsburger Bundesliga-Basketballer tanzten noch Minuten nach dem Spielende ausgelassen auf dem Feld. Besser hätte die Stimmung nach dem 86:82(47:37)-Heimsieg vor 4430 Zuschauern gegen den direkten Konkurrenten ratiopharm Ulm bei den Barockstädtern jedenfalls nicht sein können. Denn vier Spieltage vor dem regulären Saisonende steht fest: Das Team von Trainer John Patrick kann den großen Wurf schaffen und in die Play-offs (ab 10. Mai) einziehen.

Was spricht für die Riesen?

Punktekönig Keaton Grant: Gegen Ulm bewies der US-Amerikaner, weshalb er für das Team unverzichtbar ist. 26 Punkte gingen auf sein Konto – Saisonbestleistung. „Was Keaton in der gesamten Runde zeigt, ist fantastisch“, meinte Teamkollege Coby Karl. Und tatsächlich: In Keaton Grant (27) haben die Riesen mal wieder einen Punktekönig. In der Bundesliga ist er mit einem Schnitt von 16,4 Zählern pro Spiel fünftbester Werfer. Aber Grant sagt: „Ich alleine kann uns nicht in die Play-offs führen, dazu brauchen wir eine starke Mannschaftsleistung.“

Spielmacher Michael Stockton: Als der Sohn von NBA-Legende John Stockton vor der Saison vom Zweitligisten BG Karlsruhe in die Barockstadt kam, rieben sich viele Riesen-Fans verwundert die Augen. „Was wollen die denn mit dem?“, war der Tenor unter den Anhängern. Dann machte ihn Trainer John Patrick sogar noch zum Kapitän. Doch inzwischen ist klar, warum. Der quirlige Stockton ist der ideale Spielmacher und der verlängerte Arm des Trainers auf dem Feld. „Wir sprechen dieselbe Sprache“, sagt Patrick und meint damit nicht die englische Muttersprache. Bester Beweis: der Derby-Sieg gegen Ulm. Nach kurzen Unterredungen mit dem Coach dirigierte Michael Stockton (24) geschickt sein Team. Seine Bilanz im Derby: 15 Punkte und vier Assists.

Der Kampfgeist: John Patricks Credo ist klar, nur wer kämpft bis zum Umfallen, darf bei ihm spielen. Und genauso tritt das Team auf. „Von der Intensität hatte dieses Spiel Play-off-Charakter“, meinte Ulms Coach Thorsten Leibenath nach der Partie. Was vor allem an den Riesen lag, die von Beginn an die Gäste auf dem ganzen Spielfeld bearbeiteten. Sogar der Ausfall von Adam Waleskowski in der fünften Spielminute, der sich sein linkes Sprunggelenk verletzte, warf die Hausherren nicht aus der Bahn. „Wir wollen auf dem achten Rang landen, und dafür zerreißen wir uns“, meint Keaton Grant.

Was spricht gegen die Riesen?

Die Leichtsinnsfehler: Zwar konnten die MHP Riesen gegen Ulm die Ballverluste, sogenannte Turnovers, im Vergleich zu den vorherigen Spielen verringern. Dennoch sind Konzentrationsfehler im Spielaufbau das große Manko der Ludwigsburger. „Das müssen wir weiter in den Griff bekommen. Wir müssen auch in hitzigen Situationen Ruhe bewahren“, fordert Coby Karl.

Das schwere Restprogramm: Ein Heimsieg an diesem Ostermontag (17 Uhr/MHP-Arena) gegen die abstiegsbedrohten Baskets aus Würzburg (Liga-16.) ist Pflicht. Denn danach warten drei schwere Brocken auf die Riesen: Am 24. April geht’s zu Spitzenreiter Bayern München, dann kommt am 27. April (17 Uhr) Play-off-Kandidat Phoenix Hagen zum Heimspiel, ehe es am letzten Spieltag (1. Mai) zum aktuellen Tabellenvierten nach Oldenburg geht. „Wir haben noch nichts erreicht“, mahnt deshalb Trainer John Patrick – doch zumindest von den Play-offs träumen, ist seit dem gewonnenen Derby erlaubt.

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