Trainer-Trio: Lars Masell (Mitte) hat John Patrick (re.) abgelöst – und arbeitet jetzt nur noch mit Kenji Sato (li.) zusammen. Foto: www.imago-images.de/IMAGO/Eibner-Pressefoto/Sascha Walther

Lars Masell hat mitten in der laufenden Basketball-Runde John Patrick als Trainer abgelöst – die Frage ist nun: auch über die Saison hinaus?

An diesem Freitag feiert Alexander Reil sein 25-Jahr-Jubiläum als Chef der Ludwigsburger Basketballer, ein Meilenstein. Davon ist Lars Masell weit entfernt, was nicht nur an dessen jüngerem Alter liegt. Der 44-Jährige ist zwar nicht minder lange im Geschäft, bringt es aber noch nicht einmal auf 25 Einsätze als Chefcoach – die Rolle, die er am Sonntag (18 Uhr) gegen Alba Berlin zum siebten Mal bei den MHP Riesen ausüben wird. Und auch wenn es vergangene Woche in Rostock die erste Bundesliga-Niederlage unter seiner Regie setzte, kann sich die Bilanz sehen lassen. Weshalb aktuell offen ist, ob der Interimstrainer wieder Co-Trainer wird oder Chefcoach bleibt.

 

„Da sind wir völlig offen“, sagt Reil, wohl wissend, dass die Entscheidung keinen endlosen Aufschub duldet. Aber zwei, drei Wochen schon noch. So lange jedenfalls wird Masell versuchen, weiter Punkte zu sammeln, nicht nur auf dem Feld. Er betont: „Unser Fokus gilt voll dem Training und den Spielen.“ Mit dem Plural schließt er seinen Assistenten Kenji Sato ein, den Japaner, der schon unter dem Ende März ausgeschiedenen Chefcoach John Patrick zum Trainerstab zählte, was Masell zur Aussage verleitet: „Ich hatte noch nie so ein gutes Umfeld, die Harmonie stimmte.“ Nur die Ergebnisse nicht mehr. Was Masell so nicht gelten lassen will: „Wir hatten die beste Defensive der Liga und eine der besten in ganz Europa.“

Auch jetzt würde nie ein böses Wort über Masells Lippen kommen. Dafür ist der gebürtige Jenaer zu loyal, zumal er sich nach seinem ersten Gastspiel bei den Riesen (2021/22) ja bewusst erneut für einen Assistentenposten bei Patrick entschieden hatte, „von dem man nur lernen kann“. Masells Grundausrichtung gilt ebenfalls der Defensive, dieser speziellen Ludwigsburger DNA. Warum? Basketball sei ein sehr strategisches, fast schon mathematisches Spiel. Mehr Football als Fußball. „Das hat zwar auch mit Strategie zu tun, aber auch mit Glück, weil eine Situation ein Spiel entscheiden kann.“ Über 40 Minuten unter dem Korb ist das unmöglich.

Die Moral im Team stimmt

Beim Beobachten einer Trainingseinheit fällt auf, dass der Mann mit dem markanten Rauschebart seine Spieler immer wieder aktiv in die Kommunikation einbindet. Der Respekt beruht auf Gegenseitigkeit. Zumindest die Moral stimmte in den vergangenen beiden Partien. In Vechta hat das Team einen 21-Punkte-Rückstand gedreht, in Rostock zwischenzeitlich zumindest 14 Punkte wettgemacht. Masell: „Man muss ja immer die Situation berücksichtigen.“

Und die sieht so aus, dass die Riesen aufgrund von Ausfällen diese Saison fast nie komplett waren. „Das soll keine Entschuldigung sein“, sagt Masell, der als Spieler („da war ich zu schlecht“) nicht über die dritte Liga hinauskam und als Trainer jahrelang ein prädestinierter Schattenmann war, bis er die Chance hatte, in Bayreuth Chef zu werden. Seine Premiere war 2023 nach der Hinrunde beendet – als Tabellenletzter: „Diese Erfahrung hilft trotzdem. Die Situation dort war ähnlich schwierig.“ Aber aus wirtschaftlichen Gründen, nicht aus personellen wie bei den Riesen. Seine Ziele? „Ich will dem Club hier mit meiner Arbeit helfen.“

Auch über die Saison hinaus? Mit seiner Lebensgefährtin und ihrem zweijährigen Mädchen – dazu gibt es noch eine 14 Jahre ältere Tochter aus einer früheren Beziehung – würde er gerne bleiben. Sein Vertrag als Co-Trainer läuft noch ein Jahr, aktuell ist er lediglich zum Interimscoach befördert, „sonst hat sich nichts geändert – außer dem Medieninteresse“.

Noch stehen sieben Ligaspiele an. Zum Abschluss geht es zum Meister nach München. Dort spielt ein gewisser Johannes Voigtmann, den Masell einst als Mentor gefördert hat. Jahrelang gab es gemeinsame Trainingseinheiten mit dem Weltmeister in der spielfreien Zeit. Die müssen aktuell ruhen: „Er spielt ja bei der Konkurrenz.“ Inwieweit es Mitte Mai dann noch um einen Play-off-Platz für die Riesen geht, ist fraglich. Dafür dürfte die Trainerfrage bis dahin zumindest so weit geklärt sein, ob es eine interne oder externe Lösung gibt. „Wir hoffen bis Ende Mai auf eine Entscheidung“, sagt Reil.