Baseball ist eine sehr dynamische, aber auch komplexe Sportart Foto: Baumann

Der TV Cannstatt ist mit dem Grünen Band für vorbildliche Talentförderung ausgezeichnet worden. Die Baseballer im Verein überzeugen durch ihr schlüssiges Konzept.

Stuttgart - Ein freies Wochenende kennt Markus Weil so gut wie nicht. Und auch an diesem Samstag steht der 46-Jährige in der Halle des TV Cannstatt auf dem Schnarrenberg und übt mit einer Gruppe von 30 Kindern werfen und fangen. Die Kinder zwischen acht und zwölf Jahren tragen graue, lange Hosen und die typischen roten Schirmmützen. Schnell wird klar – es geht nicht um Handball. Die Gruppe um Markus Weil ist dem Baseball verfallen. Doch während fast jeder Nordamerikaner den faustgroßen Ball schon mal geworfen, mit dem dicken Lederhandschuh gefangen oder mit dem Schläger weit weg gedroschen hat, ist Baseball in Deutschland in einer Nische beheimatet. Doch darin haben es sich die Reds, die zum TV Cannstatt gehören, mittlerweile nicht nur gemütlich gemacht, sondern auch sehr erfolgreich eingerichtet.

2009 startete die erste Mannschaft zusammen mit dem Nachwuchs einen Durchmarsch: Das Team stieg von der Regionalliga bis in die Bundesliga auf. Mittlerweile fördert der Club 136 Kinder und Jugendliche intensiv, die sich in den Bereichen Schüler, Jugend und Junioren mit dem Titel deutscher Meister schmücken dürfen. Für dieses erfolgreiche Engagement wurde der Verein vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und der Commerzbank nicht nur mit dem Grünen Band für vorbildliche Talentförderung im Verein ausgezeichnet, sondern zudem vom Landesverband Baden-Württemberg wegen der akribischen Arbeit auch noch offiziell zum BMBSV-Stützpunkt Nachwuchs – Leistungssport Baseball und Softball ernannt. „Das ehrt uns vor allem deshalb, weil wir dem DOSB nicht angehören und derzeit auch keine olympische Sportart sind“, sagt Markus Weil.

Seit 2009 ist der Jugendwart für die Nachwuchsarbeit zuständig, kümmert sich um Fortbildungen und Reisen, steht beinahe täglich ab 17 Uhr auf dem Platz oder wie jetzt im Herbst in der Halle. Seinen Job als Beamter beim Ministerium für Wirtschaft und Finanzen hat er auf 75 Prozent reduziert. Mit neun Kindern hat er begonnen – inzwischen sind es fast 140, die die Liebe für den Ball mit den Nähten entdeckt haben.

Das erfolgreiche Konzept der Reds fußt auf drei Säulen. Zum einen setzt man auf die sogenannte übergreifende Jugendarbeit. Das bedeutet, dass ein Spieler der U 12 schon bei der U 15 mittrainieren kann, wenn er das entsprechende Niveau besitzt. Zum Zweiten bestreiten die Reds regelmäßig Turniere wie zuletzt in der Stuttgarter Partnerstadt Brünn. Dafür soll auch das Preisgeld eingesetzt werden. Und zuletzt profitieren auch die Talente von der Bundesligamannschaft der Reds, deren Spieler sich regelmäßig am Trainingsbetrieb beteiligen. Heute wird Markus Weil von Monja Kessler unterstützt. Als besonderes Kompliment empfindet es die 46-Jährige, dass inzwischen auch die US-Amerikaner der Robinson Barracks ihre Kinder schicken. „Unser Training ist mittlerweile anspruchsvoller als das in der Militärbasis“, sagt Monja Kessler.

Alle Neulinge werden behutsam an das Spiel herangeführt, das für Nicht-Amerikaner an Komplexität kaum zu überbieten ist. „Wir werfen die Kinder sozusagen ins kalte Wasser und erklären ihnen dabei scheibchenweise, was sie zu tun haben“, sagt Markus Weil. Ähnlich geht er auch bei der Vermittlung der Technik vor. „Die Kinder lernen nicht alles auf einmal, sondern nach und nach bauen wir auf bereits Erlerntes auf“, sagt Weil.

Baseball ist aber vor allem Familiensport, Eltern und Kinder gehen gelassen zum Spiel, weil auch die Fans des Gegners das Ganze nicht so verbissen sehen. Das hat auch Ralph Klein aus Neugereut überzeugt, dessen Sohn Leon (8) seit einem Jahr Baseball spielt. „Die Kinder erfahren untereinander eine hohe Wertschätzung und es herrscht ein großer Zusammenhalt“, sagt Klein. Und dafür opfern die Familien gerne ihre Wochenenden.

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