Pitcher David Rider betritt Neuland: Der US-amerikanische Neuzugang der Stuttgart Reds spielt erstmals in Deutschland Foto: Baumann

Die Deutschen fremdeln immer noch mit dem uramerikanischen Sport, doch in Stuttgart ist Baseball angekommen. Es wächst etwas heran bei den Reds.

Stuttgart - Es riecht schon ein bisschen nach Frühling im DB-Ballpark auf dem Schnarrenberg. Die Baseballer der Stuttgart Reds vom TV Cannstatt holen sich gerade noch den letzten Schliff für die neue Bundesligasaison. An diesem Samstag beim Duell gegen die Buchbinder Legionäre aus Regensburg wird es hier nach Hotdogs und Burger duften, denn beim Baseball geht es neben dem Sport auch darum, mit der Familie einen netten Nachmittag zu verbringen bei intimer Atmosphäre und zu erschwinglichen Eintrittspreisen. „Wir leben gerne mit dem exotischen Touch und sind dennoch als Sport in Stuttgart angekommen“, sagt Christoph Manske, Abteilungsleiter bei den Stuttgart Reds. Der Zuschauerschnitt lag in der vergangenen Saison bei 450 Zuschauern. Beim Derby gegen die Heidenheim Heideköpfe waren auch mal 850 Fans dabei, und inzwischen bestreitet die Mannschaft von Trainer Gavin Ng auch die Auswärtsspiele mit entsprechender Unterstützung.

Drei Tage Trainingslager in Mailand bei bestem Wetter liegen hinter dem Team, das mit dem guten Gefühl nach Stuttgart zurückgereist ist, gegen den italienischen Erstligisten Novara das letzte Duell mit 5:2 gewonnen zu haben. „Wir haben uns in die Spiele hineingearbeitet, den Groove gefunden, und die erfahrenen Spieler haben sich in den Tagen sehr gut um die Integration der Nachwuchsspieler gekümmert“, erzählt Gavin Ng. In der vergangenen Spielzeit musste er sehr kurzfristig als Trainer einspringen – diesmal hatte er mehr Zeit für die Vorbereitung und auch mehr Einfluss auf die Zusammenstellung des Kaders. Es ist ein interessanter Mix geworden.

Club verstärkt sich mit Owens, Rider und Tiernan

Jonas van Bergen (16) kommt gerade aus der Dominikanischen Republik zurück, wo ihm von der deutschen Baseball-Akademie ein dreimonatiges Trainingscamp ermöglicht wurde. Bei den Reds wird er auf der dritten Base eingesetzt. Auch erst 16 Jahre alt ist Matthias Schmitt, der behutsam in die Rolle des Pitchers eingeführt werden soll. Mit Thomas de Wolf (Evansville Otters/USA) und Eric Massingham (Mainz Athletics) haben die Reds zwei Werfer verloren, und auch Simon Liedtke (Heidenheim Heideköpfe) und Robin Schmich (Mannheim Tornados) haben den Verein verlassen. Verstärkt hat sich der Club mit Gary Michael Owens (Bad Homburg Hornets), David Rider aus den USA, der erstmals in der Bundesliga spielen wird, und in Quinn Tiernan (Denver) verpflichtete Manske am Dienstag noch einen neuen Catcher. „Wir hoffen noch auf die Spielerfreigabe bis Samstag. Zudem wird Quinn als Trainer bei unseren U-18-Teams eingesetzt“, sagt Manske. Sein Coach spielt nach wie vor im rechten Außenfeld und versucht von dort aus sein Team zu führen.

In den USA kommt nahezu jedes Kind schon früh mit Ball und Schläger in Berührung. Im fußballsozialisierten Deutschland fremdelt der uramerikanische Sport noch ein bisschen. Gavin Ng hat seine ganz eigene Philosophie, um den Seinen die Strahlkraft des Sports zu vermitteln. Spaß haben, nichts denken und den Ball einfach fliegen lassen, lautet seine Botschaft an die Schlagmänner. „Und natürlich möchte ich jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen“, sagt der 33-jährige Coach, der nebenbei noch auf dem US-Militärstützpunkt in Vaihingen als Child and Youth Program Assistant mit Kindern arbeitet.

Von professionellen Strukturen wie bei den Ligakonkurrenten Regensburg, wo ein Jugendinternat entsteht, oder in Heidenheim sind die Stuttgarter weit entfernt. „Dort werden die Clubs von der regionalen Wirtschaft ganz anders unterstützt“, sagt Manske. Er lobt jedoch die Zusammenarbeit mit dem Sportamt. „Man erkennt an, dass etwas heranwächst“, sagt der Abteilungsleiter. Auf ein Saisonziel wollen sich die Reds nicht festlegen lassen. „Mir ist wichtig, dass sich das Team entwickelt“, sagt Gavin Ng.

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