An diesem Freitag geht es in der Baseball-Bundesliga erstmals wieder um Punkte. Foto: Archiv/Günter Bergmann

Die Stuttgart Reds feiern 40 Jahre und starten gegen den Meister in die neue Baseball-Saison. In seinem Kader hat der Spielertrainer Austin Bull zwei vielversprechende Neuzugänge.

Der weiße Ball hat einen Durchmesser von knapp über sieben Zentimetern, also ein bisschen größer als ein Tennisball. Und er wiegt gerade mal 145 Gramm. Doch werden mit diesem kleinen Ball jedes Jahr riesige Umsätze erzielt – mehr zehn Milliarden Dollar allein in den USA, in der stärksten Profi-Liga der Welt. Kurios, denn Baseball hat sich aus dem europäischen Schlagball entwickelt, das erst Auswanderer im 18. Jahrhundert über den großen Teich gebracht haben.

 

In Europa allerdings fristet Baseball eher ein Randsportart-Dasein. Nichtsdestotrotz setzen viele US-Amerikaner Akzente in der im vergangenen Jahr eingeführten Deutschen Baseball-Liga (DBL), die in einer Nord- und einer Südstaffel spielt. Zu den Pionieren der Sportart in Deutschland gehören die Stuttgart Reds, die dieses Jahr ihren 40. Geburtstag feiern. Das vergangene Spieljahr haben die Cannstatter auf dem vierten Platz ihrer Sechsergruppe abgeschlossen. Nun, an diesem Wochenende, beginnt für sie die neue Saison, und zwar gleich mit zwei Kracherspielen. Gegner ist jeweils der amtierende deutsche Meister Heidenheimer Heideköpfe. An diesem Freitag geht es auf die Ostalb, am Samstag (13 Uhr) ist der achtmalige Titelträger dann auf dem Schnarrenberg zu Gast.

Neu ist der Wettbewerbsmodus (siehe unten). Bei den Reds hat sich indes wenig verändert. Nach wie vor wird das Team von Austin Bull gecoacht, der vor zehn Monaten die Nachfolge von Ryan Ford angetreten hat. Der 29-Jährige fungiert als Spielertrainer. „Wir haben die vergangene Saison positiv beendet. Das gibt uns Schwung für die neue Saison“, sagt Bull, der sich aufgrund seiner Beförderung plötzlich mit einer völlig neuen Dynamik konfrontiert sah: Es galt, den Wandel vom Teamkollegen zur Autoritätsperson zu vollziehen. „Damit sind aber alle klar gekommen. Wenn wir beim Training oder beim Spiel zusammen sind, bin ich eben nicht mehr der Freund“, sagt Bull, der viel Erfahrung aus seiner Zeit als Spieler der Grand Canyon University in Phoenix, Arizona, mitbringt.

Bull will dabei die Waage halten zwischen der amerikanischen und der deutschen Baseball-Kultur, in der es naturgemäß ein bisschen weniger professionell zugeht. „Wir sind ein junges Team, athletisch und schnell. Und wir können gut schlagen. Unsere Stärke sind unsere selbst ausgebildeten deutschen Spieler“, sagt Bull voller Stolz. „Den größten Verbesserungsbedarf haben wir im Pitching und teilweise in der Defensive.“

Neuzugänge aus Amerika und Japan

Unterstützt wird der Coach durch den Teammanager Heiko Witt und den Nachwuchskoordinator Xavi Gonzalez. Zwei neue Gesichter verstärken das Team auf dem Feld: Der 22-jährige Arnad Mulamekic wird Starting Pitcher. Der 1,98 Meter große Linkshänder bringt solide Statistiken aus vier Jahren in US-Colleges (Siena und Wichita State) sowie aus der Western Australian State League mit. Derweil ergänzt Shogo Ichimura die Catcher. Der 26-jährige Japaner kennt die deutsche Baseballszene, hat er doch 2024 für die Neunkirchen Nightmares in der zweiten Bundesliga gespielt. In Stuttgart soll er zusätzlich auf verschiedenen Infield-Positionen zum Einsatz kommen. Bull, der mit Ichimura im vergangenen Jahr in Italien zusammengespielt hat, lobt die „harte Arbeit und großartige Energie“ des Japaners. Neben Ichimura baut er hinter der Platte auf Yannick Witt, Frido Fink und Robert Blesing. Aus der zweiten Mannschaft steht Laszlo Hellwig bereit. Hinzu kommen mehrere Reds-Eigengewächse: die U-23-Nationalspieler Jonathan Schäffer, Joel Petzold und Moritz van Bergen sowie Benedikt Schäffer.

Auch im Infield ist das Team gegenüber 2025 nahezu unverändert. Der Nationalspieler Moritz Köhler ist an der dritten Base die erste Wahl. Für die erste Base hat Bull die Qual der Wahl zwischen Danilo Weber, Moritz van Bergen, Lucas Traut und Ramon Uhl. Für das Outfield stehen Jonas van Bergen, dessen Bruder Moritz sowie Jannik Denz, Benedikt Schäffer, Lucas Traut und Fabian Beck bereit.

In der Süd-Gruppe der DBL könne man jedes Team schlagen, sagt der Headcoach Austin Bull zuversichtlich. „Mein Ziel ist es, dass es sehr ungemütlich wird, gegen die Stuttgart Reds zu spielen.“

Die Baseball-Saison 2026

Neuer Liga-Modus:
Die sechs Teams der Südgruppe spielen zunächst eine Doppelrunde mit je zwei Heim- und Auswärtsspielen gegen jeden Gegner. Darauf folgt eine neue zweigeteilte Zwischenphase: In jener messen sich die Top drei beider Staffeln in einer „Interleague-Runde“, während die übrigen Teams im „Wildcard Race“ um die letzten Play-off-Tickets kämpfen. Aus beiden Wertungen entsteht eine Setzliste für die Play-offs. Diese beginnen am 15. August mit den Viertelfinals und werden weiterhin im Best-of-Five-Format ausgetragen. Die weiteren Termine: Halbfinale ab dem 29. August, Finale ab dem 12. September.

Heimspiele der Reds:
11.4. Heidenheimer Heideköpfe, 13 Uhr; 17.4. Gauding Indians, 19 Uhr; 18.4. Gauding Indians, 13 Uhr; 24.4. München-Haar Disciples, 19 Uhr; 25.4. München-Haar Disciples, 13 Uhr; 08.5. Legionäre Regensburg, 19 Uhr; 09.5. Legionäre Regensburg, 13 Uhr; 15.5. Heidenheimer Heideköpfe, 19 Uhr; 12.6. Mainz Athletics, 19 Uhr; 13.6. Mainz Athletics, 13 Uhr