Barrierefreiheit in Heslach Gehbehinderte sind ausgeschlossen

Von Nina Ayerle 

Das Alte Feuerwehrhaus ist derzeit nicht barrierefrei. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko/ Nina Ayerle
Das Alte Feuerwehrhaus ist derzeit nicht barrierefrei. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko/ Nina Ayerle

Der Aufzug im Alten Feuerwehrhaus ist seit einem halben Jahr kaputt. Viele Senioren können nun die dortige Begegnungstätte der Arbeiterwohlfahrt nicht mehr erreichen.

S-Süd - Seit seiner Hüft-OP ist Wolfgang Jaworek häufig auf einen Rollstuhl angewiesen. Der Grünen-Bezirksbeirat wollte trotzdem neulich an einer Veranstaltung im Alten Feuerwehrhaus teilnehmen. Vor Ort stellte er jedoch fest, dass dies nicht möglich war. Der Aufzug war kaputt. „Ich habe mich extra hinkarren lassen“, erzählt er. Auch habe er auf der Website im Vorfeld darauf keinen Hinweis finden können, sonst hätte er sich den Weg nach Heslach auch gespart.

Das Alte Feuerwehrhaus in der Möhringer Straße 56 beherbergt hauptsächlich die Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt (Awo), der Veranstaltungsraum im Erdgeschoss wird von Vereinen, Verbänden und Initiativen aus dem Stadtbezirk häufig genutzt. Das Programm der Awo wiederum wird hauptsächlich von Senioren genutzt. Gerade die sind aber häufig nicht mehr gut zu Fuß, auf Gehhilfen angewiesen oder sitzen eben im Rollstuhl. Nun ist der Aufzug dort auch nicht erst seit zwei Wochen defekt. Laut Daniel Breisch, Leiter der Awo im Alten Feuerwehrhaus, funktioniert er bereits seit Mai nicht mehr.

Inzwischen häufen sich die Beschwerden bei Breisch von Besuchern und auch vom Sozialverband VdK. Auch dessen Klientel ist häufig auf barrierefreie Zugänge angewiesen. Viele Veranstaltungen aus dem ersten Stock habe man deshalb nun schon ins Erdgeschoss verlegt. Eine Dauerlösung ist dies aber nicht.

Zweimal wurde der Aufzug repariert, bevor er wieder ausfiel

Das Gebäude gehört der Stadt Stuttgart, verantwortlich für den Aufzug ist deshalb das Liegenschaftsamt. Dieses hat im Mai auch einen Firma mit der Reparatur beauftragt. „Zwei Tage später war der Aufzug aber wieder kaputt“, sagt Breisch. Noch einmal sei repariert worden. Nachdem der Fahrstuhl dann aber ein drittes Mal defekt war, habe es geheißen, die Platine sei hinüber. Ein Fachplaner wurde beauftragt, der Fall ans städtische Hochbauamt übergeben. Seitdem steht der Aufzug still. „Uns wurde aber zunächst gesagt, das Liegenschaftsamt hätte für dieses Jahr kein Budget mehr“, sagt Breisch. Mit einer Reparatur oder einem neuen Aufzug könne erst im nächsten Jahr gerechnet werden.

Bei der Stadtverwaltung kümmert man sich um den Fall und Budget für die Reparatur gibt es durchaus, sagt Pressesprecherin Jana Braun. Derzeit kläre eine Fachfirma, ob der Aufzug für eine Übergangszeit noch dieses Jahr wieder in Gang gebracht werden kann. Sollte sich jedoch herausstellen, dass eine Reparatur nicht möglich ist, weil es die Ersatzteile nicht gibt oder der Aufwand unverhältnismäßig ist, plant die Stadt einen neuen Aufzug zu installieren. Allerdings, wie Braun mitteilt, gestaltet sich die Suche nach den Ersatzteilen schwierig. Das Gerät ist aus dem Jahr 1982. Groß saniert wurde er seitdem nicht.

Vielen Gehbehinderten wird das Leben unnötig schwer gemacht

Bezirksvorsteher Raiko Grieb hofft, dass es noch in diesem Jahr gelingt, den Aufzug wieder in Betrieb zu nehmen. Dass im Oktober dafür plötzlich kein Geld da sein soll, kann er sich eigentlich nicht vorstellen. „Da würde ja jeder schwäbischen Hausfrau der Mund offen stehen bleiben, wenn jetzt nicht mal mehr Geld für einen Aufzug da ist“, sagt Grieb.

Nach Informationen unserer Zeitung ging man im September davon aus, eine Reparatur koste um die 140 000 Euro. Ein neuer Aufzug für das Alte Feuerwehrhaus wurde auf circa 200 000 Euro geschätzt.

Wolfgang Jaworek ärgert an der Sache vor allem, dass eben auch auf der Website von Stadt und AWO nirgends ein Hinweis war, dass das Gebäude derzeit nicht barrierefrei ist. „Es sind so kleine Dinge, die nichts kosten, die gehbehinderten Menschen das Leben erleichtern.“ Der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte der Stadt Stuttgart, Walter Tattermusch, kann den Ärger um den Aufzug gut verstehen: „Dass ist eine Begegnungsstätte von historischer Bedeutung, die auch nach wie vor ausgiebig genutzt wird.“ Diese befindet sich nun eben im ersten Stock, weshalb viele Menschen von einem Besuch nun ausgeschlossen seien. „Nicht gut, nicht gut“, sagt er dazu.

Aufzüge sind ein Schwachpunkt in Stuttgart

Es ist auch nicht der einzige Aufzug, der im Kopfzerbrechen bereitet. „Die Geräte scheinen ein Schwachpunkt dieser Stadt zu sein“, sagt Tattermusch. Lediglich ein genaueres Hinschauen vor Veranstaltungen helfe da aber häufig schon, damit Gehbehinderte nicht unangenehm überrascht werden vor Ort. Beim Thema Barrierefreiheit habe Stuttgart noch einen langen Weg vor sich: „Man bemüht sich, aber es ist noch viel zu tun.“

Redaktion Stuttgart-Süd

Ansprechpartner
Nina Ayerle und Alexandra Kratz (Kaltental)
s-sued@stz.zgs.de

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