Bjarte Eike (links) und Steven Player Foto: Holger Schneider

Zum Motto „Freiheit“ des Musikfests Stuttgart passt das Ensemble Barokksolistene wie die Faust aufs Auge. Freier als bei diesen Musikern kann (alte) Musik nicht sein.

Stuttgart - Man nehme (zum Beispiel): George Clooney und David Garrett (mit Zopf), dazu einen Tänzer, der ein bisschen aussieht wie Carlos Saura, einen Sänger mit dem typischen, heiseren Timbre von Flamencosängern, einen Schlagzeuger, der jeder Musik einen eigenen Herzschlag verpasst, einen Jazz-erfahrenen Kontrabassisten, einen Mann am Cembalo und an einem akkordeonartig klingenden indischen Harmonium; man gebe Clooney, Garrett und vielleicht noch einem anderen eine Geige in die Hand, und dann: schaumermal, wohin die Reise geht.

Dem Programm nach entführt das norwegische Ensemble Barokksolistene die Besucher des Musikfests Stuttgart am Dienstagabend ins England um 1600, also der Shakespeare-Zeit und der Ära Oliver Cromwells, in der Theater geschlossen wurden und Musiker in Wirtshäuser abwanderten. Tatsächlich aber findet in dem in ein Alehouse, also in eine Biergaststätte verwandelten Club Im Wizemann ein Dialog zwischen Musikern und Publikum statt, der ebenso lebendig ist wie zeitlos. George Clooney, der eigentlich Bjarte Eike heißt, moderiert den Abend, lädt die Zuhörer zum Mitsingen ein – und produziert auf seiner Barockgeige ebenso wie Tom Guthrie, Per Buhre (so heißt David Garrett hier wirklich) und Milos Valent einen wunderbar leichten, beschwingten, wendigen Klang. Hinzu kommen die Gitarristen Fredrik Bock und Steven Player – Letzterer ist auch ein grandioser Tänzer, dessen schallende Schritte immer wieder dem Perkussionisten Helge Norbakken zuarbeiten –, außerdem der Cembalist Hans Knut Sveen und der Kontrabassist Johannes Lundberg.

Vergnügen auf höchstem Niveau

Die Reise führt von Henry Purcell bis zum Flamenco, von Shetland bis Spanien, vom Gypsy-Stehgeiger bis zu Songs von Carl Michael Bellman. Und sie reißt Grenzzäune ein: zwischen Kunst- und Volksmusik, Komposition und Improvisation, Bühne und Zuschauerraum, Altem und Neuem, Ernst und Unterhaltung, Konzert und Szene. Zu sehen und zu hören sind singende, tanzende Instrumentalisten, die ihre Körper auf der Bühne auch als Schlaginstrumente gebrauchen. Diese „Alehouse Session“ ist Vergnügen auf höchstem Niveau. Das Publikum verlässt sie – egal, ob mit oder ohne Bier – lächelnd oder gar mit breitem Grinsen.

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