Danyal Bayaz auf Stippvisite bei den Restaurierungsarbeiten im Schloss Ludwigsburg. In den Prachtbau will der Grünen-Politiker gerne mal wieder kommen – mit seinem kleinen Sohn.
Ludwigsburg - Dieser Mann macht bei der Stippvisite im Barockschloss Ludwigsburg fast alles mit. Während seines Rundgangs durch die derzeit vermutlich aufwendigste Baustelle in ganz Ludwigsburg posiert der neue Landesfinanzminister Danyal Bayaz von den Grünen auch mal mit einer Barockdame, verbeugt sich unterwürfig. Doch Madame ist nicht wirklich zufrieden, sagt feixend, sie wünsche sich Seidenstrümpfe an den Ministerbeinen. „Früher hätte ich wohl einen Korb bekommen von ihr“, frotzelt der Politiker augenzwinkernd und erklärt dann: „Das war ein stressiger Job am Hof.“
Fünf Millionen Euro sind bereits verbaut worden
An diesem Tag in Ludwigsburg hat der Herr Minister aber ganz offenkundig Freude an seinem Job. Zusammen mit dem Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Michael Hörrmann, und einer ganzen Delegation von Begleitern schaut sich Bayaz an, wo und wie genau bis dato rund fünf Millionen Euro im Ludwigsburger Schloss verbaut worden sind. Im sogenannten Neuen Corps de Logis werden die Wohnungen des ersten württembergischen Königspaars restauriert. Die Arbeiten werden laut Hörrmann wohl noch weitere Gelder verschlingen. Das einstige Apartment des Königs werde voraussichtlich 2025 wieder für Besucher geöffnet, das der Königin frühestens 2029. Etwas überspitzt formuliert könnte man sagen: Die weniger fachkundigen Umbauarbeiten der Vergangenheit sollen korrigiert werden. Mit der Wiedereröffnung dieses Teils des imposanten Barockschlosses sollen die Menschen dann beim Rundgang sehen, wie die Räume einst wirklich eingerichtet waren.
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Nach Einschätzungen von Experten handelt es sich um das zurzeit europaweit größte Restaurierungsprojekt von herrschaftlichen Wohnräumen. Insgesamt werden im Schloss 34 Zimmer, rund 2000 Kunstobjekte, darunter allein etwa 400 Möbelstücke, auf Vordermann gebracht. Die größte Herausforderung ist laut Hörrmann die Konservierung des Schlafzimmers des Königs. Es handele sich um ein sogenanntes Zeltzimmer aus den Jahren 1810/11, das komplett mit Vorhängen aus kostbarer Seide verziert ist. Allein für dieses Zeltzimmer seien rund 670 000 Euro veranschlagt.
Das Württemberger Lied muss der Minister erst noch auswendig lernen
Das Schloss Ludwigsburg, so Hörrmann, sei weltweit nahezu einmalig, denn auch fast alle Räume der Dienerschaft seien erhalten. In diesen engen, dunkleren Räumen bleibt der prominente Besucher bei dem Rundgang kurzzeitig ein bisschen zurück. Und Hörrmann, der in jedem Eck des Schlosses immer etwas erzählen will, ruft aufgeregt: „Herr Minister!“ Danyal Bayaz bekommt mit, dass er gesucht wird, und antwortet: „Ich bin nicht verloren.“ In einem besonders prächtigen Raum heißt es, hier habe der frühere Ministerpräsident Günter Oettinger (CDU) gerne das Württemberger Lied angestimmt – was der Herr Minister keck kommentiert: „Ich bin noch nicht textsicher.“
Das Ländle hinkt Bayern noch bissle hinterher
Auf die Nachfrage des Ministers, wie die Schlösser im Ländle denn im Vergleich zu den bayerischen Schlössern dastünden, erklärt Hörrmann, das Nachbarland mache „vieles schlechter“, habe aber trotzdem großen Erfolg. In Bayern gebe es schlicht viel mehr solcher Prunkbauten. Und Bayern sei nun mal das „ältere und größere Tourismusland“. Aber Baden-Württemberg sei „die Nummer zwei“ mit (vor Corona) rund vier Millionen Schlossbesuchern pro Jahr. In Bayern würden etwa 6,5 Millionen gezählt. Mit einem weiteren neuen Besucher darf Hörrmann ganz sicher rechnen. Der Finanzminister sagt, er werde mit seinem vier Monate alten Sohn ganz bestimmt mal vorbeikommen – wenn dieser etwas älter sei, bei einer der Verkleidungsaktionen für Kinder im Schloss Ludwigsburg.