Nicola Wais verkauft an ihrem Stand auf dem Ludwigsburger Barock-Weihnachtsmarkt Christbaumschmuck – und ist damit gut beschäftigt. Foto: Julian Meier

Seitdem es den Weihnachtsmarkt in Ludwigsburg gibt, gibt es auch den Stand von Christbaumschmuck Wais aus Schwieberdingen. Vieles hat sich seitdem verändert – nur eines nicht.

Langweilig wird es Nicola Wais an ihrem Stand auf dem Ludwigsburger Barock-Weihnachtsmarkt nicht. An einem Freitagnachmittag in der Adventszeit versammeln sich konstant Interessierte und begutachten den bunten Christbaumschmuck, der sich vor Wais ausbreitet. Ziemlich konstant kaufen die Leute auch etwas, jung wie alt.

 

Seit 1974, als der Barock-Weihnachtsmarkt erstmals stattfand, gibt es den Stand bereits. 2004 übernahm die Familie Wais von ihrem Vorgänger, dem Vater eines Freundes. Geändert hat sich aber nur der Name der Inhaber – Christbaumkugeln wurden dort schon immer verkauft. Und eines hat sich im Laufe der Jahrzehnte auch nicht verändert: Abnehmer für den handgefertigten Glasschmuck finden sich immer.

Weihnachtsgurken sollen Glück bringen

Inzwischen ist das Sortiment breit gefächert: Waren es einst nur Christbaumkugeln in traditionellen Farben wie Rot und Gold, gibt es mittlerweile auch Schneemänner, Autos, Vögel – und Weihnachtsgurken. Dass dahinter ein amerikanischer Brauch steckt, der ursprünglich aus Deutschland stammt, wissen viele nicht. „Eine Gurke hänge ich nicht an meinen Weihnachtsbaum“, sagt eine ältere Frau, die am Stand vorbeiläuft.

Wais erklärt daraufhin, was dahintersteckt. Früher wurde als letzter Schmuck eine Gurke an den Weihnachtsbaum gehängt. Weil die genauso grün ist wie die Nadeln des Baumes, war sie kaum zu sehen. Derjenige, der sie als Erstes entdeckte, sollte ein Jahr lang mit Glück gesegnet sein und ein zusätzliches Geschenk bekommen – so jedenfalls der Brauch.

Hype um Stitch erreicht auch Christbaumschmuck

Die Geschmäcker der Kunden haben sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt. Die Farben der Christbaumkugeln sind bunter geworden. Und dass die Menschen Figuren an den Baum hängen, hat sich auch erst mit der Zeit entwickelt. Heute findet sich von Darth Vader über Schneewittchen und die sieben Zwerge bis hin zu Stitch so ziemlich alles, was populär ist.

Tradition seit 1974“: Bei Christbaumschmuck Wais gibt es seit jeher Christbaumkugeln. Das Sortiment ist aber immer vielfältiger geworden. Foto: Julian Meier

Von Hypes wie dem um Stitch profitieren auch die Christbaumschmuck-Verkäufer. „Wenn etwas aus Filmen berühmt wird, dann merkt man das schon“, sagt Wais. Der Absatz des kleinen, außerirdischen Monsters ging in den vergangenen Jahren nach oben. Aber auch Klassiker wie „Star Wars“ und generell Disney-Figuren funktionieren immer noch.

Menschen schätzen Handwerksqualität

Heutzutage würde an ihrem Stand mehr und mehr Schmuck gekauft, der dann verschenkt werde, erzählt Wais. Die großen Bestellungen erfolgten eher online. Seit rund drei Jahren hat die Familie Wais ihren eigenen Online-Shop. Das Geschäft laufe „natürlich nicht so wie hier“, räumt sie ein. Trotzdem gibt es hin und wieder auch Bestellungen von fernab ihrer Heimatstadt Schwieberdingen, etwa aus Österreich.

Auf dem Weihnachtsmarkt läuft das Geschäft derweil gut wie eh und je. Von Kaufzurückhaltung keine Spur. „Es ist ein Unterschied, ob man handwerklich gefertigten Christbaumschmuck oder Fabrikware kauft“, sagt Wais. Die Menschen würden nach wie vor Wert auf Qualität legen, und zwar in allen Altersgruppen.

Und wie blickt Wais allgemein auf die Entwicklung des Ludwigsburger Barock-Weihnachtsmarktes? „Das Sortiment ist sehr facettenreich. Es gibt sehr viel Kulinarisches, aber es ist trotzdem eine gute Mischung.“ Der Kern der Stände sei über die Jahre hinweg erhalten geblieben, nur bei denjenigen, die etwas außerhalb lägen, etwa in der Fußgängerzone, gäbe es mehr Wechsel.

Wahrscheinlich ist es auch genau das, wovon der Barock-Weihnachtsmarkt in Ludwigsburg lebt – und was ihn so erfolgreich macht: Die Menschen wissen, was sie bekommen. Und das seit über 50 Jahren.