Der ambitionierte Männer-Bundesligist geht den nächsten Entwicklungsschritt und schafft eine Vollzeitstelle in der Organisation: Aus Stuttgart kommt eine Volleyball-Legende.
An der Rückwand der Scharrena hängt ein orangefarbenes Banner mit ihrem Namen und der Nummer „1“. Es dokumentiert den Legendenstatus, den Roosa Koskelo (34) bei Allianz MTV Stuttgart genießt. Sieben Jahre lang trug die Libera das Trikot des Bundesligisten, mit dem sie acht Titel (4x Meister, 2x Pokal, 2x Supercup) gewann und dessen Kapitänin sie war, ehe sie 2025 ihre Karriere beenden musste, weil das Knie nicht mehr mitspielte. Nun kehrt die Finnin zurück in den Volleyballsport – allerdings nicht bei Allianz MTV Stuttgart, sondern ein paar Kilometer weiter nördlich.
Roosa Koskelo wird die erste Team- und Sportmanagerin des Männer-Erstligisten Barock Volleys MTV Ludwigsburg, und darüber freut sie sich sehr. „Volleyball ist mein Leben“, sagt sie, „und Ludwigsburg ein superinteressantes Projekt.“
Roosa Koskelo: „Kein fairer Wettbewerb“
Für Roosa Koskelo war klar, dass sie nach ihrer Laufbahn in der Region Stuttgart bleiben will. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass sich bei ihrem (Ex-)Club keine berufliche Perspektive ergeben hat: „Ich wurde nie gefragt, also musste ich mir auch keine Antwort überlegen.“ Stattdessen nahm sie eine Stelle als Projektmanagerin bei einer Vaihinger Sport- und Medien-Agentur an. „Ich war dort sehr glücklich“, sagt Roosa Koskelo, doch als sich die Möglichkeit bot, im Volleyball tätig zu werden, sei dies „kein fairer Wettbewerb“ gewesen.
Die Chance ergab sich, weil die Barock Volleys MTV Ludwigsburg zwar ein herausragendes erstes Bundesliga-Jahr absolviert haben, sich mit Rang sechs und dem Erreichen der Play-offs aber nicht zufriedengeben wollen. „Wir sehen uns noch lange nicht am Ende unserer Entwicklung“, sagt Geschäftsführer Michael Bonin. Also wurde eine Vollzeitstelle ausgeschrieben, um künftig ein professionelles Bindeglied zwischen Team, Geschäftsstelle und Verein zu haben: „Das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe und zugleich der wichtigste Baustein für unsere Weiterentwicklung in der nächsten Saison, dem weitere Bausteine folgen werden.“
Rund 70 Bewerbungen gingen ein, auch von Interessenten aus anderen Sportarten. Nach vielen Gesprächen und einem intensiven Auswahlprozess entschieden sich die Verantwortlichen einstimmig für Roosa Koskelo als erste Team- und Sportmanagerin. „Sie verfügt als ehemalige Weltklassespielerin nicht nur über eine große internationale Erfahrung, über einen unvergleichlichen Volleyball-IQ und ein perfektes Verständnis für die Belange der Athleten“, sagt Michael Bonin, „sie hat uns auch mit ihrer organisatorischen Stärke und ihrer Lust, Strukturen zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen, überzeugt.“
Roosa Koskelo hat einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben, Michael Bonin betont jedoch, dass durchaus eine langfristige Perspektive bestehe. Genau diese Denkweise gefällt der Finnin. „In Ludwigsburg wird nicht von Saison zu Saison geplant, sondern darüber hinaus“, sagt Roosa Koskelo, die genau weiß, was auf sie zukommt: „Ich kenne die Bedürfnisse in einem Verein und einer Mannschaft.“ In Ludwigsburg gebe es auf organisatorischer und struktureller Ebene viele Möglichkeiten, Dinge anzupacken. „Ich bin bereit für diese Herausforderung“, sagt die Ex-Libera, „und ich werde für die Spieler rund um die Uhr da sein, ihnen den Lebensalltag so einfach wie möglich machen. Ich will alles geben, um ihr Vertrauen zu gewinnen.“
Weder für den Verein noch für Roosa Koskelo war im Bewerbungsprozess ein Thema, dass bald eine Frau für ein Männer-Team verantwortlich sein wird. „Uns kam es auf die individuellen Qualitäten an, nicht auf das Geschlecht“, sagt Michael Bonin, der auf das Beispiel Allianz MTV Stuttgart verweist. Dort habe Sportdirektorin Kim Renkema „exzellente Arbeit geleistet“. Auch Roosa Koskelo bezeichnet die heutige Geschäftsführerin der Bundesliga-Organisation VBL als „Vorbild“. Dass sie künftig Chefin von Volleyballern sein wird, die zwei Köpfe größer sind als sie selbst, bringt die Finnin jedenfalls nicht aus der Ruhe. „Ich kenne diese Rolle“, sagt sie lächelnd, „ich bin mit drei Brüdern aufgewachsen.“