Die Barbarossa-Therme in Göppingen. Foto: stz

Mit mutmaßlichen Nazisymbolen auf der Haut soll ein Mann die Barbarossa-Thermen besucht haben – offenbar nicht zum ersten Mal.

Ein SS-Totenkopf auf der Brust, eine so genannte Odalrune an der linken Wade – derart tätowiert ist ein 46-jähriger Badegast am Sonntagabend in der Barbarossa-Therme in der Sauna aufgetaucht. Beide Symbole sind in Deutschland verboten, weil sie die NS-Zeit verherrlichen. Dennoch ließ die von einem anderen Badegast herbeigerufene Polizeistreife den Mann offenbar gewähren. Er habe nach kurzer Zeit in die Sauna zurückkehren dürfen, schilderte der Zeuge den Vorfall gegenüber unserer Redaktion.

 

Eine Sprecherin der Stadtwerke Göppingen und Geislingen, die das Bad betreibt, bestätigte, dass die Polizei am Sonntag vor Ort gewesen sei. „Der Sachverhalt wurde von den zuständigen Stellen aufgenommen und wird derzeit weiterbearbeitet“, teilte eine Sprecherin der Stadtwerke Göppingen und Geislingen mit, die das Bad betreibt. Ansonsten wolle man sich mit „Rücksicht auf das laufende Verfahren“ nicht äußern. „Die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Gäste besitzen selbstverständlich höchste Priorität.“

Polizei will erst einmal prüfen

Das zuständige Polizeipräsidium in Ulm teilte auf Nachfrage mit, die Polizeistreife habe die Tattoos dokumentiert. „Ob es sich bei den Tätowierungen um verfassungsfeindliche Kennzeichen handelt oder nicht, ließ sich vor Ort nicht feststellen. Derzeit laufen die Prüfungen, um was es sich bei den Tätowierungen handelt“, erklärte ein Sprecher. Je nach Ausgang der Prüfung werde ein Strafverfahren eingeleitet – oder eben nicht.

Der 46-Jährige habe seinen Saunabesuch anschließend fortsetzen dürfen. „Über eine mögliche Ausübung des Hausrechts entscheidet grundsätzlich der Betreiber und nicht der Polizeivollzugsdienst“, sagte der Polizeisprecher.

Zahlreiche weitere fragwürdige Tattoos

Der Mann, der die Polizei gerufen hatte, sprach von einem „Armutszeugnis“. „Ich verstehe nicht, warum die Beamten das nicht gleich erkennen können.“ Er selbst habe bei der Polizei studiert und habe die Zeichen sofort identifiziert. Der 46-Jährige habe sogar noch zugegeben, schon einmal wegen der Tattoos verurteilt worden zu sein. Es handele sich um Jugendsünden, habe er gesagt. Tatsächlich habe er noch einige weitere einschlägige Tattoos getragen wie etwa eine Triskele – ein Hakenkreuz mit nur drei Armen – und andere Zeichen aus dem „Blood-and-Honour“-Spektrum, deren Zeigen allerdings nur im entsprechenden Zusammenhang strafbar sei.

Die Frage, ob es sich bei dem 46-Jährigen um einen Stammgast handelte, wie etwa ein Schwimmmeister erklärt haben soll, ließ die Sprecherin der Barbarossa-Therme unbeantwortet. Der Zeuge gab derweil an, nach dieser Erfahrung keine Lust auf weitere Saunagänge in Göppingen zu haben. „Das offensichtliche Desinteresse war erschreckend. Meine Wertkarte habe ich mir auszahlen lassen.“