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US-Präsident Obama besucht Krabbenfischer am Golf von Mexiko und verbreitet Optimismus.

Pensacola - Seit acht Wochen fließen Millionen Liter Öl ins Meer. Die US-Regierung und der Ölkonzern BP sehen scheinbar machtlos zu. Damit soll jetzt Schluss sein. Präsident Barack Obama verspricht, zu handeln statt zu reden. Was genau er tun will, bleibt offen.

"Es schmeckt hervorragend", sagt Barack Obama und lässt sich die Krabben-Buletten im Strand-Restaurant von Gulfport an der Mississippi-Küste schmecken. Amerika soll sehen: Man kann das noch essen, was den Fischern im Golf von Mexiko in die Netze geht. "Eine ganze Menge Leute denken inzwischen, dass der Golf eine gigantische Badewanne voller Öl ist. Doch die meisten Küstenabschnitte sind sauber", meint Meeresspezialist Larry Crowder.

Zu verharmlosen ist freilich nichts. Ein Drittel der riesigen Wasserfläche zwischen Louisianas Mississippi-Delta und Floridas Pfannenstiel ist inzwischen für den Fischfang gesperrt. Wie ein Feind, der aus dem Hinterhalt auftaucht und sich nicht fassen lässt, schwappt das Öl an immer neuen Stellen an die Küste. "Es ist nicht nur eine Katastrophe, sondern ein permanenter Angriff mit Bewegungen, die sich ständig ändern", sagt Obama in militärischer Diktion.

Aufmunternd klopft er Arbeitern auf die Schulter, die mit Schaufeln mühselig die Strände säubern und wegen der schwülen Hitze hier im Süden alle 30 Minuten eine 20-minütige Verschnaufpause einlegen müssen. Aufmerksam hört er zu, wenn die lokalen Hoteliers, die Fischer und Restaurantbetreiber ihm ihre Existenzsorgen schildern. "Für viele wird es hart und schmerzhaft", sagt der Präsident, der freilich auch verspricht, dass sich die Küste am Ende der Katastrophe, wenn alles wieder sauber ist, in einem besseren Zustand präsentiert als vorher. Das ist aus heutiger Sicht ein kühnes Versprechen in einer Region, die selbst fünf Jahre später noch immer unter den Folgen von Hurrikan Katrina leidet. 

Auf den Spuren des Öls

Zwei Tage tourt Obama, die Ärmel aufgekrempelt, auf der Spur des Öls von Mississippi über Alabama bis zu den Traumstränden von Pensacola im äußerten südwestlichen Zipfel Floridas. Dass sich der Präsident bei seinem vierten Trip an die Küste erstmals so viel Zeit nimmt, soll Amerika zeigen, dass er die Tragödie im Süden des Landes endlich zur Chefsache gemacht hat.

Obama setzt sich an die Spitze, will beweisen, dass er und nicht BP bestimmt, wo es langgeht. Zum ersten Mal in seiner inzwischen anderthalbjährigen Amtszeit wollte sich Obama in der Nacht zum Mittwoch, nach der Rückkehr nach Washington, auch noch direkt aus dem Oval Office an seine Landsleute wenden.

Eine Rede an die Nation aus diesem Büro ist tatsächlich dramatischen Momenten, Kriegserklärungen oder Naturkatastrophen, vorbehalten. Auch das unterstreicht das Gewicht, das Obama dieser Tragödie nach inzwischen acht quälend langen Wochen zumisst. Dass er das Desaster im Golf dabei auch nutzen will, um Amerikas Abhängigkeit auf längere Sicht vom billigen Öl zu lösen, ließ er in einer Rundmail an seine Anhänger bereits durchblicken. "Grüne Jobs, Kampf gegen den Klimawandel und ein Ende unserer Abhängigkeit von ausländischem Öl" will Obama gesetzlich endlich durchsetzen. 

Nicht reden, sondern handeln

Der Präsident löst endlich ein, was die meisten Kommentatoren, Parteifreunde, aber auch Bürger von ihm seit Wochen verlangen: Nicht reden, sondern handeln. Vor allem die BP-Spitze soll das neue, entschlossene Gesicht Obamas kennenlernen. Für heute hat Obama die BP-Spitze ins Weiße Haus einbestellt.

Klipp und klar will der Präsident den beiden Herren, die BP führen, sagen, was die USA von dem Ölkonzern erwarten. Ausflüchte will sich Obama weder von Aufsichtsratchef Carl-Henric Svanberg noch von Konzernchef Tony Hayward bieten lassen. BP soll bluten, und das nicht zu knapp. Milliarden aus den Kassen des Konzerns sollen in einen Fonds fließen, den Treuhänder verwalten.

Vor allem die Leidtragenden der Ölpest sollen dadurch schneller an ihr Geld kommen. 20 Milliarden Dollar (16 Milliarden Euro) sollen es nach den Vorstellungen Harry Reids, der die Demokraten im Senat anführt, sein. Dass der Konzern angesichts solcher Forderungen in die Knie gehen und über kurz oder lang Bankrott anmelden muss, schloss Obamas Sprecher gestern aus. "Sehen Sie sich nur die Gewinne aus den letzten Quartalen an", meinte Robert Gibbs trocken.

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