Banksy protestiert mit einem Wandbild gegen die Inhaftierung der Künstlerin Zehra Dogan.  Foto: dpa

Der mysteriöse Graffiti-Künstler Banksy ist in New York. An drei Stellen hat der Brite in diesen Tagen seine Werke hinterlassen und protestiert damit gegen die Missstände in der Gesellschaft.

New York - Helle Aufregung in der Kunstszene von New York. Banksy ist in der Stadt. An drei Stellen hat der mysteriöse britische Streetart-Künstler in diesen Tagen seine Werke hinterlassen.

An der Fassade eines zum Abriss bestimmten Gebäudes im Süden Manhattans tauchte eines von Banksys bekannten Bildern einer Ratte auf, die im Ziffernblatt einer Uhr an der Hauswand zu rennen scheint. Nur kurz darauf wurde ein rund 20 Meter großes Wandbild entdeckt, mit dem der Künstler gegen die Inhaftierung der türkisch-kurdischen Künstlerin Zehra Dogan protestiert. Und schließlich sprühte er ein Graffiti an die Mauer in der Nähe eines verlassenen Grundstücks in der Coney Island Avenue. Zu sehen ist ein Mann im Anzug, der eine Gruppe von Menschen mit einer Peitsche vertreibt, die einer Dow-Jones-Kurve gleicht. Inzwischen wird auch diskutiert, ob ein Seelöwe an einem Gebäude in Coney Island ebenfalls von dem britischen Künstler stammt. Es wäre das vierte Kunstwerk.

Bansky selbst hat alle Arbeiten auf einem Instagram-Account gepostet, der als seine offizielle Seite gilt. Die Graffitis scheinen also alles Originale zu sein – und davon wollen natürlich manche profitieren. Das Bild der rennenden Ratte in der Uhr ist offensichtlich bereits von den Besitzern des Hauses entfernt worden. Es heißt, das Banksy-Werk solle verkauft werden.

Banksy ist eine Mysterium

Letztendlich sicher ist das allerdings nicht, denn die Identität des Künstlers ist noch immer ein Mysterium. Seit Jahren wird gerätselt, wer hinter dem Namen stecken könnte – was auch die Preise der Kunstwerke zum Teil in astronomische Höhe treibt. Für einzelne Werke werden bisweilen mehrere Hunderttausend Euro bezahlt.

Immer wieder hieß es, Banksy sei enttarnt. Einige machten sich sogar mit wissenschaftlichen Methoden an die Suche. Anfang März 2016 wollten Wissenschaftler der Londoner Queen Mary Universität die Identität des Künstlers gelüftet haben. Mithilfe von „geographic profiling“, einer mathematischen Methode, die in der Kriminologie etwa zur Aufspürung von Verbrechern angewandt wird, wurde herausgefunden, dass es sich bei Banksy um den Künstler Robin Gunningham aus Bristol handeln könnte. Die Boulevardzeitung „Mail on Sunday“ berichtete bereits 2008 von Gunningham, einem aus einer Middleclass-Familie stammenden Künstler und Absolventen einer Privatschule, der offenbar viele Parallelen zu dem britischen Street-Art-Künstler aufweise. Wirklich erhärten ließ sich diese Theorie allerdings nicht.

Auf der Jagd nach dem Phantom

Nur einige Monate später machte eine andere Vermutung die Runde. Der der schottische Journalist Craig Williams wollte die Band „Massive Attack“, insbesondere Bandmitglied Robert Del Naja, als Leader des Street-Art-Kollektivs Banksy erkannt haben. Del Naja bedauerte allerdings daraufhin während eines Konzertes vor 27 000 Fans, dass an dem Gerücht leider nichts dran sei.

Ein Kommentar von Banksy persönlich

Ganz im Gegensatz zu den meisten seiner anderen Werke, sah sich Banksy in New York bemüßigt, einen Kommentar zu seinem Schaffen abzugeben. „Ich fühle wirklich mit ihr. Ich habe Dinge gemalt, die eine Haftstrafe viel mehr verdient haben“, teilte er gegenüber der „New York Times“ mit und bezog sich auf das Wandbild mit Zehra Dogan. Die Malerin und Journalistin war Berichten zufolge im März 2017 zu fast drei Jahren Haft verurteilt worden. Banksys rund 20 Meter breite Arbeit zeigt stellvertretend für die Tage ihrer Haftstrafe eine Strichliste, die an einer Stelle zugleich ein Gefängnisgitter darstellen. Dahinter blickt Dogans Kopf hervor. „Free Zehra Dogan“ steht in einer Ecke geschrieben. „Zu fast drei Jahren verurteilt, weil sie ein einziges Bild gemalt hat“, schrieb Banksy zu einem Foto der Arbeit auf dem Internet-Dienst Instagram. Er verlinkte den Post mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und rief zum Nachahmen auf.

Gefängnis für ein Wasserfarben-Gemälde

Grund für Dogans Inhaftierung ist ihr Wasserfarben-Gemälde der kurdischen Stadt Nusaybin in der türkischen Provinz Mardin, das auf einem Zeitungsfoto beruht. Die Stadt wurde bei Kämpfen zwischen kurdischen Milizen und dem türkischen Militär 2015 teils zerstört.

Es ist nicht das erste Mal, dass Banksy die Metropole am Hudson-River sozusagen als Leinwand für seine Kunstwerke nutzt. Im Herbst 2013 war er einen Monat lang in der Stadt und an verschiedenen Orten der Stadt Dutzende Werke geschaffen. Nun hoffen einige auf eine ganze Serie von Banksys. Es gibt allerdings auch Neider. Das Wandbild, mit dem Banksy gegen die Inhaftierung Zehra Dogans protestiert, weist inzwischen rote Tags auf, mit denen sich ein anderer Graffiti-Maler auf der Wand verewigt hat. Aber das gehört zur Natur von Graffiti – die allermeisten Werke werden früher oder später übermalt oder entfernt.

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