Der britische Street-Art-Star lässt in London lauter Tiere frei – und alle Welt fragt: Was meint er wohl damit?
Das muss man schaffen, als Künstler in den Nachrichten in einer Reihe mit Ukraine und Gaza-Krieg genannt zu werden. Banksy wird sich längst daran gewöhnt haben, dass jeder Fingerstreich von ihm als Weltereignis verhandelt wird. So war es auch vergangene Woche, als er fast täglich Schlagzeilen provozierte: „Neuestes Banksy-Werk am London Zoo: Wird die ganze Stadt zu einem Tierpark?“ „Hype um neue Banksy-Bilder: Was soll dieses Affentheater?“
Inzwischen hat Banksy seine Tierserie mit Elefanten, Affen & Co. abgeschlossen. Dem Künstler, dessen Identität bis heute unbekannt ist, ist ein neuer Coup gelungen. Erstmals wurde er mehrfach hintereinander aktiv. Als Beweis der Echtheit postet er die Motive stets auf seinem Instagram-Account, wo er sie diesmal schon vorab ankündigte. Das war riskant, denn so verfolgten die Londoner seine Einsätze mit Argusaugen.
Der Weltstar ist öfter im Gespräch als die meisten Künstler
Während Graffiti sonst eher als Ärgernis gilt, ist der Street-Art-Künstler zum Weltstar geworden – weniger wegen der Motive, die er mit Schablonen anbringt. Er ist Kult, weil er subversiv im öffentlichen Raum arbeitet. Als sein Gemälde „Girl with Balloon“ bei einer Auktion 2018 geschreddert aus dem Rahmen kam, war das auch ein grandioser Kommentar auf den Kunstmarkt. Vor allem lebt der Mythos Banksy davon, dass er seit zwanzig Jahren anonym bleibt – und trotzdem häufiger im Gespräch ist als die meisten Künstler.
So kursiert bis heute nur das Gerücht, dass er im Jahr 1974 in Bristol geboren sein könnte und mit der Musikgruppe Massive Attack verbunden ist. Selbst zufällige Aufnahmen konnten nur zeigen, dass Banksy im Schutze der Nacht mit wenigen Helfern in Aktion tritt – verkleidet mit Helm, Corona-Maske und Leuchtweste. Banksy wird die Orte sehr sorgfältig auswählen und auch für seinen Tierpark lange sondiert haben, wo Kameras hängen und Polizei oder Security im Einsatz sind. Sein Team scheint so straff organisiert zu sein, dass die wenigsten Mitarbeiter den Künstler persönlich kennen.
Sorge um Gerichtsprozess wächst
Eben dieses Team hat nun der Zeitung „The Observer“ erklärt, was der Künstler mit dem Affentheater wollte – nämlich die Menschen in diesen schweren Zeiten aufmuntern. Diese harmlose Interpretation gefällt nicht jedem, schließlich sieht man Banksy gern als politischen Künstler. Seit Jahren finanziert er ein Rettungsschiff im Mittelmeer und hat erst kürzlich beim Glastonbury-Musikfestival Ärger provoziert mit einer Aktion, bei der er ein Flüchtlingsboot mit Puppen in Schwimmwesten in die Menge hieven ließ.
Und da sollen die Tiere nur ein Sommerspaß seien? Ähneln die Fische auf einem ehemaligen Polizeihäuschen nicht Piranhas und spielen auf Polizeiskandale an? Ist der Gorilla nicht ein Hinweis auf die Zerstörung von Natur und Umwelt? Und klingen Gorilla und Guerilla nicht verdächtig ähnlich?
Auch wenn der Kunstbetrieb dem Phänomen Banksy eher skeptisch gegenübersteht und ihn bestenfalls benutzt, um breitere Besuchergruppen anzuziehen, so beteiligen sich auch Kunstexperten an den munteren Spekulationen über Banksy. Der wird die Öffentlichkeit sicher weiterhin auf Trab halten mit seinen wohl kalkulierten Aktionen. Dabei rollt die nächste Medienwelle schon an: Zwei Sammler haben Banksy verklagt. Sie haben seinen Siebdruck „Monkey Queen“ gekauft, den Banksy aber nicht innerhalb von drei Jahren signiert habe, wie es vertraglich vereinbart war.
Ein Prozess, unken schon jetzt die englischen Medien, könnte das Ende des Systems Banksy bedeuten. Denn dort müsse er seine Personalien bekannt geben.