Die Zahl der Filialen bei Banken und Sparkassen geht weiter zurück. Viele Senioren tun sich mit Online-Banking aber schwer. Welche Lösungen sich anbieten.
Frankfurt - Die Zahl der Sparkassen-Filialen bundesweit ist 2020 um 470 auf 12 187 gesunken. Allein in Baden-Württemberg wurden 126 mit Mitarbeitern besetzte Zweigstellen geschlossen, wobei gut 100 davon durch Selbstbedienungsfilialen ersetzt wurden. Bei den Genossenschaftsbanken im Land sank die Zahl der Zweigstellen von 2340 auf 2215, rund ein Drittel davon sind SB-Filialen. Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis begründete die Entwicklung auf seiner Bilanzpressekonferenz am Mittwoch mit der wachsenden Beliebtheit des Online-Bankings: „Der Kunde sucht Bequemlichkeit, er geht nicht mehr für jedes Geschäft zu seiner Sparkasse.“
Eine Umfrage des Bankenverbands vom vergangenen Sommer zeigt allerdings, dass eine Mehrheit der Senioren weiter in die Filialen geht: Nicht einmal jeder zweite Deutsche über 60 erledigt seine Bankgeschäfte online.
Viele Zweigstellen rechnen sich nicht mehr
„Das Aussterben von Bankfilialen in ländlichen Regionen besorgt uns sehr“, sagt dazu Nicola Röhricht, Referentin für Digitalisierung und Bildung bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO). Doch angesichts der insgesamt sinkenden Kundenfrequenz in den Zweigstellen lohnt sich deren Betrieb vielerorts einfach nicht mehr.
Für die Sparkassen schreibt das Landessparkassengesetz zwar vor, eine „angemessene und ausreichende Versorgung aller Bevölkerungskreise (. . .) mit geld- und kreditwirtschaftlichen Leistungen auch in der Fläche sicherzustellen“. Das Landesinnenministerium sieht derzeit jedoch keinen Anlass, gegen Filialschließungen einzuschreiten: Angesichts der niedrigen Zinsen und des Wettbewerbs mit reinen Online-Banken sei es für viele Sparkassen „unvermeidlich, Anpassungen im Filialnetz vorzunehmen, wollen sie im Wettbewerb langfristig bestehen“, teilte das Ministerium auf Anfrage mit.
Einige Banken schicken als Ersatz für aufgegebene Niederlassungen immerhin regelmäßig einen Filialbus vorbei: die Volksbank Stuttgart zum Beispiel oder die Vereinigte Volksbank in Sindelfingen.
Der Besuch eines Bankschalters kostet häufig extra
Die Erreichbarkeit ist aber nicht das einzige Problem. Wer für alltägliche Geschäfte einen Bankschalter aufsucht, der zahlt häufig drauf: Die Ausführung beleghafter Überweisungen etwa ist in der Monatsgebühr für viele Konten nicht inbegriffen. Nur am Überweisungsterminal oder am heimischen Computer sind sie in der Regel kostenfrei.
Die Kreditinstitute müssten ihren älteren Kunden den Zugang zum Online-Banking erleichtern, fordert deshalb Agnieszka Walorska, Expertin für Digitalisierung bei der Beraterfirma Capco: „Die Komplexität vieler Banking-Apps überfordert die Leute schnell. Mehr Übersichtlichkeit käme nicht nur Senioren zugute.“ Schon bei Tests während der Produktentwicklung müssten verstärkt ältere Menschen als Probanden eingesetzt werden.
Die Finanzbranche sollte Senioren als Zielgruppe nicht vernachlässigen
„Die Investitionen vieler Banken sind – wie bei vielen Unternehmen – vor allem darauf ausgerichtet, junge Kunden hinzuzugewinnen. Man muss sich aber bewusst sein: Es gibt viele Senioren, die über ein gewisses Kapital verfügen“, mahnt Walorska.
Anzeichen für ein Umdenken gebe es zwar, aber noch wenig konkrete Fortschritte. Als positives Beispiel nennt die Expertin die Möglichkeit, dass Bankmitarbeiter sich bei telefonischen Anfragen von Kunden auf deren Computer aufschalten, um Probleme beim Online-Banking zu lösen. „Co-Browsing“ wird dieses gemeinsame Navigieren durch eine Website genannt.
An diesen Punkt kommt allerdings gar nicht erst, wer Online-Banking nicht auszuprobieren wagt – beispielsweise weil Computer in seinem Berufsleben noch keine Rolle spielten. Die BAGSO bemüht sich daher, Ältere ohne Vorerfahrung fit für das Internet zu machen – das schließlich nicht nur für Bankgeschäfte stetig an Bedeutung gewinnt. Auf der Website www.digital-kompass.de hat sie Broschüren und Links zum Thema versammelt. Hinzu kommen bundesweit über 70 Anlaufstellen, die Kurse und Sprechstunden rund um Computer und Smartphone anbieten.
Einer dieser sogenannten Digital-Standorte ist der Treffpunkt 50 plus in Stuttgart. Hier wurden in den vergangenen Jahren 250 Senioren in die Nutzung geliehener Tablets eingeführt. Einmal pro Woche trafen sie sich eine Stunde lang mit ehrenamtlichen Helfern, die auch beim Thema Online-Banking Unterstützung leisteten. „Allerdings sind die Ängste vor allem der Menschen ab 80, dass sie dabei Fehler machen und abgezockt werden, sehr groß“, berichtet Ursula Werner vom Treffpunkt 50 plus.