Die grauen Wolken über der Credit Suisse werden nach Einschätzung der Banken nicht in den Landkreis Esslingen weiterziehen. Foto: dpa/Michael Buholzer

In den USA straucheln Regionalbanken, ebenso die Credit Suisse. Droht eine neue Bankenkrise? Zumindest die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen und die Volksbank Mittlerer Neckar sehen sich gut gegen Turbulenzen gewappnet.

Anfang April sind die Nachrichtenwellen rund um die Bankenturbulenzen in den USA und in Europa abgeebbt. Die Aktienmärkte haben sich in den vergangenen Wochen von dem Schock offenbar erholt. Dennoch bleiben Finanzexperten Medienberichten zufolge uneins, ob schon alles überstanden ist. Und Kundinnen und Kunden sind verunsichert. Welche Auswirkungen auf die Banken im Kreis Esslingen hat das? Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen (KSK) und die Volksbank Mittlerer Neckar (VB) sehen sich solide aufgestellt.

 

„Die Kunden müssen sich keine Sorgen machen“, sagte etwa Burkhard Wittmacher kürzlich bei einer Pressekonferenz. Nach Angaben des Vorsitzenden des KSK-Vorstands ist die derzeitige Situation, in der vor allem US-Regionalbanken straucheln, nicht mit der Finanzkrise 2008 vergleichbar. Einst seien die richtigen Lehren gezogen worden, die Banken nun deutlich stabiler aufgestellt, indem die Eigenkapitalquote und die regulatorischen Anforderungen erhöht wurden. Seit 2008 ist das Eigenkapital der KSK um ein Vielfaches erhöht worden (128 Prozent), während die Bilanzsumme um 37 Prozent stieg. Ähnlich lautet die Antwort der VB: „Die Entwicklung der Eigenkapitalbestandteile der Volksbank Mittlerer Neckar hat sich durch Zuführungen zum Eigenkapital und Verschmelzungen im Zeitraum zwischen 2008 und 2022 mehr als vervierfacht und liegt bei rund 427 Millionen Euro.“

Kleine deutsche Banken sind meist in Sicherungsverbünden

Anders in den USA, wo Eigenkapitalquote und Liquidität von Banken teils nicht so hoch sind wie in Deutschland. Anfang März verlor die Silicon Valley Bank das Vertrauen von Anlegern und Kunden, die Geld abzogen, woraufhin sie kollabierte. Weitere kleine Geldhäuser in den USA gerieten ins Straucheln, Aktienkurse von Bankhäusern weltweit unter Druck. Die bereits angeschlagene Schweizer Großbank Credit Suisse wurde Mitte März per Notverkauf aufgefangen.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die aktuelle Vertrauenskrise bei einer kleinen US-Regionalbank auf die Banken in Europa überträgt, halten wir für minimal“, teilt die Volksbank Mittlerer Neckar mit. Auch weil ein großer Teil in Sicherungsverbünden organisiert sei. „Die dort geregelte gegenseitige Unterstützung macht diese Banken deutlich weniger anfällig für Vertrauensprobleme und eine daraus resultierende Einlagenflucht.“ Die VB weist darauf hin, dass es in Deutschland neben der gesetzlichen Einlagensicherung noch zusätzliche verbundinterne Sicherungssysteme gebe, auch in der Genossenschaftlichen Finanzgruppe. Diese sicherten den Erhalt der Institute und garantierten den Schutz der Einlagen.

Nur wenige Kunden stellen Fragen zu Bankenpleiten

Allerdings trafen die Turbulenzen im März auch Aktienkurse großer deutscher Banken, sodass Kanzler Olaf Scholz sich genötigt sah, zu beruhigen. Das deutsche Bankensystem sei gut aufgestellt, die Einlagen der Sparer sicher. Offenbar bleiben bei den Verbrauchern aber Zweifel – einer Forsa-Umfrage zufolge, die Ende März im Auftrag des „Stern“ gemacht wurde, bei 46 Prozent der Befragten. Bei den Banken im Landkreis macht sich das wohl kaum bemerkbar. Die Anfragen seien gering, teilt die VB mit und verweist auf die langjährige Erfahrung, mit der man Mitglieder und Kunden durch verschiedene Lebenssituationen begleite. Auch bei der KSK spricht man von „vereinzelten Nachfragen“, insbesondere wenn in Wertpapiere von Banken angelegt worden sei. Wirklich betroffen seien allerdings nur Eigner sogenannter AT1-Anleihen der Credit Suisse, die nach aktuellem Stand nicht entschädigt werden.