Trotz grauer Wolken am internationalen Finanzhimmel, sieht sich die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen solide aufgestellt. Foto: Roberto Bulgrin

Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen will mit neuer Technik Kriminelle abschrecken. Angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten sieht sie sich stabil aufgestellt.

Ein lauter Knall mitten in der Nacht riss am 25. November 2022 die Anwohner der Marktstraße in Neuhausen aus dem Schlaf. Wie sich herausstellte, hatten Kriminelle in Haus Nummer 9 den Geldautomaten in der Filiale der Kreissparkasse (KSK) Esslingen-Nürtingen gesprengt. Ein Problem, mit dem seit einigen Jahren immer mehr Banken konfrontiert sind. In Deutschland registrierte das Bundeskriminalamt 2021 eigenen Angaben zufolge 287 Fälle, in denen die Täter erfolgreich waren. 2020 waren es noch 268. Für 2022 wird eine weitere Zunahme erwartet.

 

Die Täter in Neuhausen konnten zunächst fliehen. Im Februar dieses Jahres verkündeten die Polizeibehörden schließlich einen Ermittlungserfolg. In den Niederlanden wurde eine Bande ausgehoben, die unter anderem für die Sprengung in Neuhausen verantwortlich sein soll. Offenbar hatte sich in der Filiale ein entscheidender Hinweis ergeben, wie Burkhard Wittmacher, Vorsitzender des KSK-Vorstands, durchblicken lässt – einer der Täter hatte Spuren hinterlassen. Für die Bank wohl ein geringer Trost. Wie viel Geld in Neuhausen entwendet wurde, dazu teilt die KSK nichts mit. „Der Schaden am Gebäude betrug 200 000 Euro“, sagt Wittmacher. Die Filiale konnte rasch wieder in Betrieb genommen werden, wenn auch noch nicht alle Schäden behoben seien.

KSK will Filialen erhalten

Wie genau und wann man sich künftig gegen diese Kriminellen schützen will, dazu hält sich der KSK-Vorstand bedeckt, um die Banden nicht zu motivieren. „Unser Ziel ist, dass wir Maßnahmen ergreifen, die die Täter zum Aufhören bringen“, so Wittmacher. Früher habe man Automaten stärker in der Wand befestigt. Die Strategie sei jedoch nicht erfolgreich gewesen, weil die Täter als Reaktion noch mehr Sprengstoff einsetzten und die Schäden größer gewesen seien. „Nun ist die Frage, ob man die Scheine besser einfärbt oder verklebt“, erklärt Wittmacher. Im Falle einer Sprengung machen so automatische Vorrichtungen die Beute unbrauchbar.

„Wir wollen deswegen aber nicht weniger Geldautomaten betreiben“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Überhaupt betont die Bank, weiter in der Fläche bleiben zu wollen. Für 2022 gibt sie 93 Filialen an, davon 30 reine Selbstbedienungsstandorte. 2021 waren es noch 31 Automatenstellen – das liege daran, dass die KSK mittlerweile mit den Volksbanken in der Umgebung an zwölf Standorten kooperiere, mit der BW Bank werden sieben Selbstbedienungsfilialen gemeinsam genutzt. „Wir teilen uns die Kosten, sodass Kunden beider Banken das Angebot kostenlos nutzen können“, erklärt Frank Dierolf, Mitglied des Vorstandes und zuständig fürs Privatkundengeschäft. Weitere Anpassungen seien in naher Zukunft nicht geplant. Bei den Kontoführungsgebühren sind vorerst keine Erhöhungen zu erwarten. Vergangenes Jahr waren sie zuletzt verändert worden mit einer Laufzeit von drei Jahren, derzeit beträgt die Grundgebühr für ein Girokonto 4,50 Euro im Monat, für eine Pauschale von weiteren 5 Euro gibt es ein Rundumpaket.

Vorstand begegnet Sorgen vor neuer Bankenkrise

Bezogen auf die jüngsten Bankenprobleme in den USA und der Schweiz betont die KSK, sie sei solide aufgestellt. Um Ängsten vor einer neuen Finanzkrise wie 2008 zu begegnen, erklärt Wittmacher, sei die Eigenkapitalquote viel höher als damals. Mit Blick auf 2022 sieht sich der Vorstand in seinem Kurs bestätigt. Die KSK verzeichnet ein Wachstum des Kundengeschäftsvolumens (19,4 Milliarden Euro, plus 3,7 Prozent), der Bilanzsumme (11,7 Milliarden, plus 0,5) und des Jahresüberschusses (12,9 Milliarden, plus 2,8). Sie zahlte 19,6 Millionen Euro Steuern an öffentliche Haushalte und beschäftigt 1352 Personen.