Josefa Schmid ist auch schon bei einer TV-Castingshow aufgetreten. Foto: StZ

Die Bürgermeisterin und Bamf-Beamtin Josefa Schmid bringt den Bundesinnenminister Horst Seehofer in Erklärungsnot. Wusste er schon früher vom Skandal in der Bremer Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge?

Bremen/Berlin - Eigentlich müsste Horst Seehofer in seiner Eigenschaft als Heimatminister große Sympathie für Josefa Schmid empfinden: Die 44-jährige Beamtin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) ist gebürtige Bayerin, trägt gerne Dirndl und gibt auf Youtube Schlager zum Besten. Sie wiederum hat sich „unendlich darüber gefreut“, dass der CSU-Politiker im März vom Landesvater zum Bundesinnenminister aufgestiegen ist. Trotzdem dürfte Seehofer nicht gut auf Schmid zu sprechen sein. Denn sie hat ihn in die Bremer Bamf-Affäre hineingezogen.

Parallel zu seinem Wechsel von München nach Berlin hatte Schmid wiederholt versucht, ihn auf den „größten Flüchtlingsskandal der Republik“ hinzuweisen, nämlich auf die vermutlich manipulierten Asylbescheide der früheren Bremer Bamf-Außenstellenleiterin Ulrike B. und auf den angeblich mangelnden Aufklärungswillen der Bamf-Zentrale. Doch das Ministerium reagierte nicht so zügig und durchgreifend, wie von Schmid erhofft, und Seehofer geriet in Erklärungsnöte.

Bis 2012 war die Katholikin noch in Seehofers CSU

Die 44-Jährige ist ein höheres Tempo gewohnt. Seit Jahren stürzt sie sich in private und berufliche Aufgaben, als müsste sie mehrere Leben gleichzeitig leben. Sie nennt sich Diplom-Juristin, Politikwissenschaftlerin, Diplom-Verwaltungswirtin, Finanzwirtin, Fachjournalistin und Wirtschaftsmediatorin, ist nicht nur Beamtin beim Bamf, sondern auch ehrenamtliche Bürgermeisterin der 3000-Einwohner-Gemeinde Kollnburg im Bayerischen Wald, außerdem sitzt sie für die FDP im Kreistag von Regen und kandidiert für die Landtagswahl im Herbst.

Bis 2012 war die gläubige Katholikin noch in Seehofers CSU – und erwies sich dort als Rebellin: Weil sie zur Kollnburger Bürgermeisterwahl 2008 nicht von der eigenen Partei aufgestellt wurde, kandidierte sie mal eben auf einer freien Wählerliste und brachte den eigenen CSU-Parteifreund um den Wahlsieg. 2011 versuchte sie ein ähnliches Manöver bei der Landratswahl, wurde daraufhin aller Parteiämter enthoben und wechselte 2012 zur FDP.

Bundesamt versetzt aufmüpfige Beamtin zurück nach Bayern

Kürzlich sorgte sie in Kollnburg erneut für Aufregung: Erst durch die Medien erfuhren die Niederbayern, dass ihre ehrenamtliche Bürgermeisterin schon vor Monaten kommissarische Amtsleiterin im fernen Bremen geworden war. Das erklärte natürlich, warum sie sich so selten im Rathaus blicken ließ.

Hoch oben im Norden wühlte sie sich durch die Akten ihrer Vorgängerin Ulrike B. Am Ende glaubte sie, noch mehr manipulierte Asylbescheide entdeckt zu haben als die mittlerweile eingeschaltete Staatsanwaltschaft, nämlich über 3300 statt 1200 Fälle. In ihrem Bericht über die „ungeheuerlichen Vorgänge“ äußerte die Bürgermeisterin sogar den Verdacht, dass auch die Bamf-Spitze in die Affäre verstrickt sein könnte. Als die Medien die Vorwürfe publik machten, reagierte das Bundesamt prompt – mit einer Versetzung der aufmüpfigen Beamtin zurück an ihren früheren Dienstort Deggendorf, angeblich „aus Fürsorge“. Schmid wehrt sich juristisch dagegen.

Vielleicht hat Schmid nun mehr Zeit fürs Singen. 2016 versuchte sie es bereits bei der RTL-Show „Supertalent“. Als Jugendliche gewann sie mit ihren Geschwistern den Volksmusikpreis Zwieseler Fink – eine Auszeichnung ganz nach Seehofers Geschmack, wie man vermuten darf.

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