Der Kirchturm der Aegidiuskirche ist seit 372 Jahren sanierungsbedürftig. Foto: Horst Rudel

Am Kirchturm der Aegidiuskirche in Baltmannsweiler werden Spätschäden aus dem Dreißigjährigen Krieg beseitigt.

Baltmannsweiler - Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges, sie treten noch heute zutage. Am 19. April 1648 haben die Truppen eines französischen Feldherrn mit dem Namen Turenne die Kirche in Baltmannsweiler angezündet. So stehe es in einer alten Ortschronik, berichtet der Pfarrer Jonathan Dörrfuß. Nun, 372 Jahre später, sollen die damals verursachten Schäden ausgebessert werden. Kürzlich wurde der Turm der Kirche mit einem Gerüst versehen. Bis November sollen Steinmetze die Schäden im Gemäuer beheben.

Es muss lichterloh gebrannt haben, in der 1486 fertiggestellten, spätgotischen Kirche, deren Turm erst 1507 gebaut wurde. Vermutlich hätten die Flammen durch den etwa 20 Meter hohen Kirchturm wie durch einen Schornstein geschlagen, vermutet der Pfarrer angesichts der Risse und Absplitterungen in den Mauern. Die niedergebrannte Kirche wurde zwar 1681 wiederaufgebaut und seitdem mehrfach renoviert. Die Schäden im Gemäuer des Turmes wurden dabei aber offenbar nicht gänzlich beseitigt.

Auf Dauer nicht tragfähig

„Auf Dauer ist das statisch nicht tragfähig“, erklärt der Theologe zum Zustand des Glockenturms, auch wenn zu keiner Zeit Einsturzgefahr bestanden habe. Während der Bauarbeiten, so der ursprüngliche Plan, hätte die Kirche weiter genutzt werden. Jetzt hat das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nur auf das Läuten der Glocken müssen die Gläubigen nicht verzichtet werden.

Bemerkt wurden die Schäden, als die Kirchengemeinde im Jahr 2017 den Taubenschlag im Turm erneuern wollte. Die Tauben werden sich ebenso wie die im Turm nistenden Falken für die Zeit der Sanierung eine neue Unterkunft suchen. Für Angebote, etwa mit Nistkästen für die Falken auf dem Friedhof, an einem Privathaus und am Pfarrhaus, sei gesorgt worden, verspricht der Pfarrer.

Holzbalken sind morsch

Notwendig sind die Arbeiten am Turm auch deshalb, weil das Gemäuer durch das Schwingen der Glocken in Bewegung gerät und sich die Schäden dadurch verschlimmern könnten. Bevor die Steinmetze ihre Arbeit aufnehmen, soll zunächst der Dachstuhl von krebserregenden Schadstoffen befreit werden, die in der Vergangenheit als Holzschutzmittel aufgebracht wurden. Dann werden die Risse im Turm fachmännisch gefüllt. Beim Turm allein wird es aber voraussichtlich nicht bleiben. Der Dachstuhl bereitet den Verantwortlichen ebenfalls Kopfzerbrechen. „Wenn man sich bei so einem alten Gebäude einmal etwas genauer ansieht, kommt das eine zum anderen“, sagt Dörrfuß. Die Holzbalken der Konstruktion sind teilweise morsch. Die Erneuerung des Dachs soll aber erst in einem zweiten Schritt und zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Betreut werden die Bauarbeiten vom Architekten Bernd Treide aus Schorndorf. Er betont, dass die Holzkonstruktion des Dachstuhls ebenfalls nicht einsturzgefährdet sei. Werde ein Balken schwächer, würden bei einer solchen Holzkonstruktion die Lasten auf andere Balken übertragen. Probleme bei den nun anstehenden Bauarbeiten erwartet der Architekt vor allem aufgrund der beengten Platzverhältnisse im Innern des Turms. Zwischen der Aufhängung der Kirchenglocken und der Mauer ist teilweise nur wenige Dezimeter Platz. Da braucht es schlanke Spezialisten. „Es darf keiner zu viele Kilos draufhaben“, sagt der Architekt. Die Sanierung erfolge in Abstimmung mit dem Denkmalamt.

Finanzieller Kraftakt

Finanziell stellt die Kirchturmsanierung die Gemeinde vor eine große Herausforderung. 340 000 Euro soll sie im ersten Schritt kosten. Rund 145 000 Euro gibt die weltliche Gemeinde hinzu. Die Landeskirche und der Kirchenbezirk unterstützen die Maßnahme mit 76 000 Euro. Die Kirchengemeinde selbst hat mit vielen Aktionen stolze 65 000 Euro gesammelt, den Rest (54 000 Euro) muss sie mit Rücklagen decken. Für die Sanierung des Dachstuhls rechnet die Kirchengemeinde derzeit mit weiteren Kosten in Höhe von 420 000 Euro. Wann dieser Bauabschnitt folgen soll, ist vor allem wegen der offenen Frage der Finanzierung derzeit noch unklar. „Wir müssen erst einmal die Mittel dafür zusammenbekommen“, erklärt der Pfarrer Dörrfuß.

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