Historische Fotos im Fundus des Heimat- und Geschichtsvereins Baltmannsweiler-Hohengehren zeigen Vergnügungen in Eis und Schnee und schärfen den Blick für die Gegenwart vor dem Hintergrund des Klimawandels.
Das Klima in Mitteleuropa ändert sich dramatisch. Auch auf den Höhen des Schurwalds werden sich die Menschen an ein Bild des Winters ohne Schnee und Eis gewöhnen müssen. Der Blick in das Archiv des Heimat- und Geschichtsvereins Baltmannsweiler-Hohengehren und dessen Vorsitzenden Karl-Heinz Neef zeigt Impressionen vom Winter auf dem Schurwald, zu denen ältere Einheimische zwar noch kleine Geschichten und Anekdoten erzählen können, die Jüngere allerdings wohl nicht mehr zu Gesicht bekommen werden.
So zeigen Aufnahmen aus den Jahren 1900 und 1920 die oft wochenlang tief verschneiten Straßen in der Ortsmitte von Baltmannsweiler, nur mit Schlitten oder Pferdekutsche befahrbar. Auf einem anderen Bild ist der frühere Feuersee in Hohengehren festgehalten, der in den Wintermonaten stets zugefroren war und von den Kindern zum Eislaufen genutzt wurde.
Wasser bedeutete im Winter allerdings nicht nur Spaß für Kinder. Um den Wasserturm von Baltmannsweiler zuverlässig zu versorgen, wurde bei den Grundwasserquellen im Katzenbachtal eine Pumpstation, das Wasserhäusle gebaut. Von dort aus wurde das Wasser zunächst mit einem Diesel-, ab den 1920er Jahren mit einem Elektromotor nach oben gepumpt. Dies war im Winter oft mit Problemen verbunden, da der Motor auch aufgrund der Kälte nicht ständig lief und in der Folge die Leitungen einfroren. Einer Anekdote zufolge, die Karl-Heinz Neef im Fundus des Heimatvereins gefunden hat, floss zuweilen aber auch kein Wasser, da sich „Männer aus dem Nachbardorf bei Nacht den Keilriemen ausgeliehen haben“.
Der einst starke Wasserfall gleicht einem Rinnsal
Schnee und Eis waren stets auch Anlässe für Vergnügungen. So kamen in den 1930er Jahren zuweilen betuchte Ausflügler nach Hohengehren, um sich dort mit Pferdeschlitten durch den Winterwald kutschieren zu lassen. Wanderer, aber auch Familien aus den Dörfern stapften durch den Schnee zum Holderstein, um den gefrorenen Wasserfall zu bestaunen. Karl-Heinz Neefs Vater Eugen hat etwa um 1945 auf Fotos festgehalten, wie mächtig der Eisklotz des Wasserfalls war. „Es gab regelrechte Wettbewerbe darum, wie viele Kinder nötig waren, um den gefrorenen Wasserfall zu umfassen“, erzählt Neef.
Doch der Klimawandel wird sichtbar. Die Wassermenge des kleinen Bachs nimmt ab, der einst starke Wasserfall erinnert eher an ein Rinnsal, und nur mit etwas Glück bilden sich im Winter noch ein paar Eiszapfen am Holderstein. Die historischen Fotos bieten daher winterliche Aspekte, die so mutmaßlich nicht mehr zu sehen sein werden.