Anita Düster hatte nie vor, eine Tanzschule zu leiten – 2026 führt sie die Leonberger Ballettschule Evi Ritter im 40. Jahr. Foto: Simon Granville

Anita Düster übernahm die Leonberger Ballettschule Evi Ritter 1986 mit nur 23 Jahren. Ihr Wagemut inklusive einer Hypothek zahlte sich aus – 2026 feiert die Schule ihr 50-Jahr-Jubiläum.

Eigentlich wollte sie Leonberg hinter sich lassen und ganz groß rauskommen – als Ballerina auf der Bühne. Doch das Leben hatte andere Pläne. Seit fast 40 Jahren leitet Anita Düster nun die Ballettschule Evi Ritter.

 

Gegründet wurde sie 1976 von ihrer älteren Schwester und Namensgeberin. Als Evi Ritter in die USA auswanderte und die Ballettschule vor dem Verkauf stand, war für Düster recht schnell klar: „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand Fremdes ‚unsere‘ Schule führt“, erinnert sie sich. „Ich bin sozusagen dort aufgewachsen.“

Ballettschule Evi Ritter in Leonberg: Der Kauf der war ein Risiko für Anita Düster

Mit gerade einmal 23 Jahren übernahm Düster also die Leitung, parallel zu ihrem Tanz- und Tanzpädagogikstudium. Ein großer Schritt, der nicht ohne Risiko war: Um die Schule ihrer Schwester zu übernehmen, musste sie einen Kredit und eine Hypothek auf ihr Elternhaus aufnehmen. Doch der Wagemut zahlte sich aus: In diesem Jahr feiert die Ballettschule Evi Ritter ihr 50-jähriges Bestehen.

Seit 1986 ist Anita Düster Leiterin der Leonberger Ballettschule. Foto: Simon Granville

Rund 600 Schülerinnen und Schüler besuchen die Kurse von Anita Düster und ihrem neunköpfigen Team. Die Altersspanne ist groß: Mit dabei sind Kinder ab vier Jahren ebenso wie 80-Jährige. Jungen und Männer sind nach wie vor deutlich in der Minderheit – mit nur einer Handvoll Schüler. Die Tanzlehrerin bedauert das, schließlich sei Tanzen etwas Menschliches und kein geschlechtsspezifisches Bedürfnis. Dieses Vorurteil halte sich jedoch leider hartnäckig.

Umso mehr freut sich Düster über den wachsenden Zuspruch zum Erwachsenenballett. Und auch die Vielfalt der Schülerschaft sei toll: „Wir sind eine Multikulti-Schule, es kommen Schüler verschiedener Nationalitäten und aus allen Gesellschaftsschichten. Das funktioniert wunderbar“, sagt Düster.

Neben klassischem Ballett werden an der Schule auch die Stile Contemporary, Jazz und Hip-Hop unterrichtet, ergänzt durch Fitness-, Yoga-, Pilates- und Zumbaangebote.

Ballett ist weiterhin im Trend – auch in Leonberg boomt es

Trotzdem bleibt das Ballett der Schwerpunkt der Schule – und erfreut sich ungebrochener Nachfrage. „Ballett ist nach wie vor unheimlich im Trend“, sagt Düster. Einerseits wundert sie das, weil die Tanzart sehr reglementiert ist und viel Disziplin erfordert. Genau darin liegt ihrer Meinung nach jedoch der Reiz: „Jedes Detail zählt, man muss extrem konzentriert sein – und die ständigen Wiederholungen sind wie ein Ritual.“ Der fast meditative, erdende Effekt von Ballett ziehe viele Menschen in der heutigen schnelllebigen Zeit an, meint Düster. Ebenso wichtig sei der Gemeinschaftsaspekt, das gemeinsame Bewegen zur Musik.

Doch mit der Schule lief es nicht immer so glatt. In den 1990er Jahren befand sie sich in der Römerstraße – mit großen Räumen, aber hoher Miete und einem auf zehn Jahre festgeschriebenen Vertrag. „Manchmal wusste ich nicht, wie ich am Monatsende meine Mitarbeiter bezahlen soll“, sagt Düster. „Da habe ich mich verkalkuliert.“ Die Lösung war ein Umzug in kleinere Räume in der Brennerstraße, wo die Tanzschule seit 2001 ihren Standort hat.

Die Ballettschule Evi Ritter überstand auch harte Krisen

„Diese Situation war aber bei Weitem nicht so schlimm wie Corona“, meint Düster. Monatelang fand der Unterricht in 2020 und 2021 online statt. Die Leiterin musste kreativ werden, um ihre Schülerinnen und Schüler bei der Stange zu halten. So wurde der Unterricht angepasst, damit Möbel und Haushaltsgegenstände als Trainingshilfen dienen konnten. Außerdem bot die Schule einen deutlich reduzierten Coronabeitrag anstelle der normalen Kursgebühr an. „Das sorgte zwar für ein finanzielles Loch, aber viel belastender war die Frage: Wird es jemals wieder anders?“, erinnert sich Düster.

Heute blickt die 62-Jährige erleichtert nach vorn. „Ich bin dankbar, gesund zu sein und die Schule weiterführen zu können.“ Für ihre Tanzschule wünscht sie sich, dass eines Tages jemand aus dem Kreis der Schülerinnen und Schüler die Leitung übernimmt.

Ballettschule Evi Ritter: Jubiläumsaufführungen in der Stadthalle Leonberg

Aber so weit in die Zukunft denkt Düster gerade weniger. Denn bald steht die Feier zum 50-jährigen Bestehen der Ballettschule an. Die Vorbereitungen für die Aufführungen Anfang März laufen bereits auf Hochtouren – inklusive zusätzlichem Samstagsunterricht und Organisation einer großen Videoleinwand als Kulisse. Im Programm wird neben einer Tanzfassung von Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ auch die Geschichte der Schule tänzerisch erzählt.

Das 19. Tanzfest der Ballettschule Evi Ritter findet am Samstag, 7. März, und am Sonntag, 8. März, in der Stadthalle Leonberg statt. Die Aufführung beginnt am 7. März um 16 Uhr sowie am 8. März um 10.30 Uhr und um 16 Uhr. Karten sind unter eventfrog.de/tanzfest erhältlich.

Besonderheit an der Ballettschule

RAD-Prüfungen
Besonders stolz ist Anita Düster auf die Ballettprüfungen der Royal Academy of Dance (RAD), die regelmäßig an der Schule abgelegt werden können. Unabhängige Prüfer bewerten dabei den Ausbildungsstand der Tänzerinnen und Tänzer nach internationalen Standards. Im Umkreis ist die Ballettschule Evi Ritter die einzige, die diese Prüfungen anbietet. Auch die Lehrkräfte verpflichten sich zu regelmäßigen Fortbildungen durch die RAD.