Marco Goecke kann sein „Kafka“-Ballett vorerst nicht zu Ende bringen. Foto: dpa

Der Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts ist erkrankt.

Stuttgart - Seit Tagen hat der Stuttgarter Ballettintendant Reid Anderson nach einer Lösung gesucht, es sei jedoch keine zu finden gewesen: Die für den 30. Juni geplante Uraufführung von Marco Goeckes abendfüllendem Ballett „Kafka“ muss abgesagt werden. Grund ist die Erkrankung des Hauschoreografen. „Ich bedauere diese Absage zutiefst, aber die Gesundheit von Marco Goecke geht vor“, teilte Anderson in einem Statement vom Mittwoch mit.

Auf telefonische Nachfrage sagte der Ballettchef: „Ich wurde von der Nachricht, dass Marco Goecke seine Arbeit nicht fortsetzen kann, selbst überrascht. Mir liegt eine Krankschreibung über fünf Wochen vor. Die habe ich zu respektieren, ebenso die ärztliche Schweigepflicht.“ Anderson sagt, er habe keinerlei Anzeichen für einen schlechten Gesundheitszustand seines international gefragten Choreografen erkannt. Allerdings lasse er Goecke während des künstlerischen Prozesses auch stets freie Hand. „Ich habe auch dieses Mal nicht bei den Proben zugesehen und Marco länger nicht getroffen“, erklärte Anderson. „Es gab auch niemanden, der mir einen Hinweis gegeben hätte, dass es Marco nicht gut geht“, sagt Anderson. „Nun mache ich mir große Sorgen.“

Ersatzweise wird „Don Quijote“ gegeben

Ob und inwiefern das von Goecke als Kündigungsvorzeichen auf­gefasste Gespräch mit Andersons designiertem Nachfolger Tamas Detrich vor einigen Wochen (die StZ berichtete) seinen Anteil an der schlechten Verfassung Goeckes hat, vermag Anderson nicht zu sagen. „Auch wenn ich mit Marco per SMS in Kontakt bin, habe ich keine weiteren Informationen.“

Dreißig Minuten Rohmaterial des Stückes, das Goecke für die gesamte Kompanie und zur Auftragskomposition von Johannes Maria Staud schaffen wollte, seien bisher fertig. Zu wenig, um wenigstens ein Fragment von „Kafka“ auf die Bühne zu bringen oder – wie im Fall des Balletts „Dancer in the Dark“ in der Spielzeit 2012/13 – das Stück von einem anderen Choreografen zu Ende bringen zu lassen. Damals war Goecke kurz vor der Uraufführung durch eine Bauchspeichelentzündung schachmatt gesetzt worden. Als Ersatz für „Kafka“ stehen am 30. Juni sowie am 4. und 9. Juli „Don Quijote“ von Maximiliano Guerra auf dem Programm. Am 15., 16., 18., 23. und 25. Juli tanzt die Kompanie stattdessen Crankos Handlungsballett „Romeo und Julia“. Die Karten für die jeweiligen Vorstellungstermine bleiben gültig, können auf Wunsch aber auch zurückgegeben werden.

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