In Köln werden Montag für Montag Bolzplatz-Erinnerungen geweckt. Die Kleinfeld-Liga Baller League, gegründet von Lukas Podolski und Mats Hummels, streamen Zuschauer im sechsstelligen Bereich. Auch Fußballer aus Stuttgart und von den Fildern sind dabei.
Schnelle Dribblings, viele Abschlüsse und teils verrückte Regeln: Das ist die von den Fußball-Profis Mats Hummels und Lukas Podolski gegründete Baller League. Eintracht Spandau legte dabei am zweiten Spieltag den wohl imposantesten Einlauf hin. Angeführt vom Teammanager und ehemaligen Bundesliga-Profi Hans Sarpei, stiegen die Spieler aus dem Mannschaftsbus und betraten unter lautstarken Anfeuerungen die Motorworld in Köln. Die Spandauer Fans sind schon jetzt als die verrücktesten bekannt, den Fußballern gefällt es. Darunter ist auch Sangar Aziz, eigentlich Spieler beim Verbandsligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen. „Mit diesem Publikum ist es etwas ganz anderes als in der Verbandsliga“, sagt der 25-Jährige.
Nach fünf Spieltagen zeichnet sich der Erfolg der neugegründeten Kleinfeld-Liga ab. Montagabends streamen Zuschauer im sechsstelligen Bereich die Baller League. Im Sechs-gegen-Sechs kommen Kindheitserinnerungen an den Bolzplatz zurück und werden live in die Wohnzimmer vor allem junger Menschen transportiert. Neben Internet-Größen wie Knossi oder Montana Black, Comedian Felix Lobrecht oder Sänger Kontra K gehören zu den Teammanagern auch Ex-Fußball-Profis wie Max Kruse und Kevin-Prince Boateng oder der noch aktive Gladbacher Christoph Kramer. Auch beim kickenden Personal sind ehemalige Größen dabei, beispielsweise Moritz Leitner (einst VfB Stuttgart und Borussia Dortmund) und der frühere Gladbacher und Hertha-Brasilianer Raffael. „Was will man mehr? Früher habe ich solchen Spielern im Fernsehen zugejubelt, jetzt stehe ich mit ihnen zusammen auf dem Feld“, sagt Aziz.
Diese Fußballer und Internet-Bekanntheiten sind als "Manager" in der Baller League aktiv:
- Lukas Podolski (Fußballprofi, FC-Köln-Legende und Rio-Weltmeister)
- Jule Brand (deutsche Fußball-Nationalspielerin vom VfL Wolfsburg)
- Felix Lobrecht (Comedian und Podcaster)
- Kontra K (Sänger)
- Jens „Knossi“ Knossalla (Entertainer und YouTube-Star)
- Montana Black (Streamer)
Calcios Aziz und Weilimdorfs Küley haben eine Fahrgemeinschaft
Vom Hype bekommt auch er etwas ab. „Mich haben schon öfter Leute auf der Straße angesprochen, und ich erhalte Nachrichten auf Social Media, weil Kids mein Trikot haben wollen“, erzählt Aziz. „Vielleicht öffnen sich andere Türen, viele Scouts und Trainer schauen zu.“ Derzeit fokussiere er sich aber auf seinen Verein Calcio, zu dem er unlängst zurückgekehrt ist. Der Filderclub erlaubt die Zusatzbelastung, andernfalls wäre Aziz wohl auch nicht gewechselt.
Als finanzielle Entschädigung gibt es für jeden Kicker 250 Euro pro Spieltag. Der Tenor: Das lohnt sich. Unterkunft und Anreise mit dem Auto oder dem Zug übernehmen teils die Baller-League-Clubs, teils organisieren es die Fußballer selbst. So kommt es, dass Aziz ab und zu mit Weilimdorfs Landesliga-Kicker Enis Küley, der für das Team von Streamer Trymacs (Hardstuck Royale) aufläuft, eine Fahrgemeinschaft nach Köln und zurück bildet.
Während Aziz nach seinem abgeschlossenen Studium viel freie Zeit hat, muss Küley sein neues Hobby mit der Ausbildung zum Industriekaufmann vereinbaren. An diesem Montag setzte er sich direkt nach dem Berufsschulunterricht in den ICE. Was aber, wenn er arbeiten muss? „Mein Betrieb unterstützt mich, sie schauen die Spiele, und mein Chef schreibt mir immer danach“, erzählt Küley. Entweder nimmt er einen Urlaubstag oder bekommt sonderfrei.
Fischer sieht Chance für Modernisierung des Fußballs
Für ihn ist es ein Format mit Potenzial. „Das ist nicht nur Rumgebolze“, sagt der 26-Jährige. „Es holt die Straße zurück, aber Taktik spielt eine große Rolle.“ Kurios: Mittlerweile hat Küley mehr Einsätze in der Baller League als in der Landesliga für den TSV Weilimdorf. Dort setzte ihn in der Hinrunde ein Muskelbündel- und Sehnenriss außer Gefecht. Vom Verein aus Nord-Stuttgart gab es dennoch grünes Licht, wohl auch, weil sein Trainer ebenfalls in der Baller League aktiv ist. „Den Jungs sollte man Freiheit lassen“, sagt Manuel Fischer, der zuletzt auch seinen Schützling Samir Genc per Wildcard mitnahm.
In der Baller League trägt Fischer das Trikot von Streets United, dem Team von Lukas Podolski und der Schweizer Nationalspielerin Alisha Lehmann. Treffsicher zeigte sich der 34 Jahre alte ehemalige Futsal-Nationalspieler bisher allemal. „Ich habe einfach Bock, zu kicken“, sagt Fischer. Ein schöner Nebeneffekt: Der frühere Bundesliga-Profi trifft einige Ex-Kollegen wie Mats Hummels. Beide spielten einst gemeinsam in der deutschen U-19-Auswahl.
Küley und Fischer haben sich anders als Aziz nicht beworben. Lasse Lehmann, einer der Organisatoren und Sohn von Jens Lehmann, fragte bei den beiden an. Fischer sagte unter anderem zu, weil er eine Chance sieht, den Fußball über eine moderne Form jungen Menschen wieder näherzubringen. „Wenn ich auf den Bolzplatz in Stuttgart gehe, bin ich mit meinem Sohn allein“, sagt er. „Die Baller League kann zukunftsträchtig sein.“
Die Baller League
Gründer und Modus
Gegründet wurde die Baller League von den Fußball-Profis Lukas Podolski und Mats Hummels. Jeden Montagabend treffen sich zwölf Teams in der Motorworld Köln. An elf Spieltagen bis zum 1. April spielen alle Mannschaften je einmal gegeneinander. Am Ende qualifizieren sich die besten vier Mannschaften für ein Final-Four-Turnier, das in einem großen Stadion ausgetragen werden soll. Der Termin sowie die Lokalität stehen noch nicht fest.
Regeln
Auf einem Kleinfeld (50 x 29 Meter) stehen pro Team fünf Feldspieler sowie ein Torhüter auf dem Platz. Ecken werden nicht getreten. Stattdessen gilt die die alte Bolzplatzregel „Drei Ecken, ein Elfer“. Strafstöße gibt es indes nicht, dafür Penaltys. Gespielt wird zweimal 15 Minuten. In den letzten drei Minuten jeder Halbzeit gelten spezielle Regeln. Beim „1-on-1“ steht beispielsweise pro Mannschaft nur noch ein Spieler auf dem Feld. Ebenso möglich ist, dass jedes Foul sofort mit einem Platzverweis geahndet wird. Beim „Onside“ entfällt die Abseitsregelung, auch ein Spiel Drei-gegen-Drei ist möglich. Die Regeln ändern sich meist von Woche zu Woche. Live gestreamt wird jeder Spieltag auf Twitch und Joyn. Zudem überträgt ProSieben Maxx jeweils das Topspiel.