Grüne Oase: Auf einem Balkongarten im Fellbacher Rathaus-Carrée dürfen eine Felsenbirne wachsen und eine Kletterrose ranken. Dazu gibt es für Christa Kellner den Blick auf das schmucke Stadtmuseum inklusive.
Die Mauerbiene fliegt gezielt zu der lilablauen Blüte. Der Schopflavendel steht bei Bienen hoch im Kurs: Wegen seiner mediterranen Herkunft schätzt er einen warmen und geschützten Standort – und da hat er es auf dem kleinen Balkongarten im Fellbacher Rathaus-Carrée gut erwischt. Denn Christa Kellner hat bewusst Pflanzen ausgewählt, die nicht nur sie selbst, sondern auch Bienen und Co. erfreuen. Vor kurzem blühte dort in einer schattigeren Zone der Waldmeister mit seinen kleinen weißen Blüten. Auch er gedeiht gut. „Den muss ich allerdings manchmal etwas im Zaum halten, sonst breitet er sich sehr stark aus“, sagt Christa Kellner.
Vier mal vier Meter groß ist das kleine Paradies
Der Platz hier ist begrenzt. Vier mal vier Meter misst das kleine grüne Paradies, hinzu kommt die Fläche von Terrasse und Balkon. Doch die kleine Oase ist lebendig. „Wir sehen hier immer wieder Holzbienen, ich denke, dass sie hier in einem der Hölzer Unterschlupf finden“, sagt die Balkongärtnerin. Die bis 28 Millimeter großen, blauschwarzen, auffälligen Insekten mit ihrem kompakten Körper sind ein Hingucker. Die imposante Biene besticht durch die schillernd blaue Färbung ihrer Flügel. Christa Kellner zeigt auf den Rand ihres Balkons. Hier liegen kunstvoll gewundene Hölzer, teils sind es ausgemusterte Rebstöcke, die sie dekorativ arrangiert hat. Altes Holz soll nicht nur als Deko, sondern auch als potenzieller Lebensraum dienen.
Die Felsenbirne mit der Rose ist der Mittelpunkt des Balkongartens
Den größten Raum nimmt die Felsenbirne ein, an der eine Kletterrose hochrankt. „Als wir damals vorbeikamen, als die Gebäude und Anlagen errichtet wurden, habe ich die Gärtner gefragt, welcher Baum gepflanzt wird“, erzählt Christa Kellner, „ich hoffte auf etwas Blühendes.“ Als dann die Felsenbirne genannt wurde, sei sie sehr erfreut gewesen. Eine Felsenbirne ist vielseitig. Das Wildobst blüht reichlich im Frühling, die kleinen Beeren im Herbst fressen Amseln und Co. und sind auch für Menschen essbar. „Manche machen Marmelade aus den Früchten“, sagt die Hobbygärtnerin. Da beim Vor-Ort-Termin nur die ersten Blüten der Kletterrose offen sind, holt sie ein Bild vom vergangenen Jahr, als der Strauch über und über voller Rosenblüten bedeckt war. Man merkt: Sie hat große Freude an ihrem bunten Paradies.
Und das mitten in der Stadt. Wer auf dem Balkon steht, hat den direkten Blick durch blühende Rosen hinüber zum Fellbacher Stadtmuseum. Vor dem schmucken Fachwerkhaus blüht es ebenso – die Kastanienbäume sind in Rot getaucht. In dessen Schatten sitzen gemütlich Besucher. Das Stadtmuseum so nahe um die Ecke zu haben, das passt für Christa Kellner. Gemeinsam mit ihrem Mann hatte sie sich damals, als das Quartier Rathaus-Carrée neu gestaltet wurde, bewusst für das Wohnen in der Innenstadt entschieden. Sie nimmt gerne am kulturellen Leben teil, nimmt Veranstaltungen wahr und schätzt es, alle Dinge des täglichen Bedarfs sehr nahe zu haben. Für sie gehört es zur Lebensqualität, dass es in Fellbach einen Branchenmix beim stationären Handel gibt.
Freundliche Nachbarn übernehmen das Gießen im Urlaub
Allerdings bringt die zentrale Lage auch mit, dass die Bewohner Lärm ausgesetzt sind. An Tempo 20, das in der Straße vorgeschrieben ist, würden sich viele nicht halten, berichtet sie. Die Gartenfreundin macht auch deutlich, dass die grüne Oase nicht existieren könnte, wenn die hilfsbereiten Nachbarn nicht wären. „Unsere lieben Nachbarn übernehmen das Gießen, wenn wir im Urlaub sind, sonst würde das alles nicht klappen“, sagt sie, „da sind wir sehr dankbar.“ Beispielsweise im vergangenen Jahr bei dem trockenen heißen Sommer wäre ohne Wassergaben alles vertrocknet.
Da die Fellbacherin, die im Ruhestand ist, auch regelmäßig beim Blumenschmuckwettbewerb mitmacht, werden auch Balkonkästen bestückt. „Das machen wir gemeinsam mit einer örtlichen Gärtnerei“, sagt sie. Wandelröschen, Vanilleblume, aber auch eine kräftige rote Geranie wachsen darin. Was sie leider wahrnehme, sei, dass immer seltener Schmetterlinge fliegen. Doch Vögel würden wieder Einzug halten: Amseln, Meisen, Türkentauben bis zum Eichelhäher seien als Gäste in ihrem kleinen Stadtgarten zu beobachten.