Massive Sperrungen und Zugausfälle belasten die Fahrgäste der S-Bahn Stuttgart noch jahrelang . In der Region ist nach einer Bestandsaufnahme die Rede von einer „Liste der Zumutungen“.
Die Regionalräte, die sich um den Verkehr kümmern, haben schon eine gewisse Routine entwickelt, wenn es darum geht, Tiefschläge einzustecken, die sich aus dem Zustand bei der S-Bahn Stuttgart ergeben. Die Lage ist angespannt: Baustellen, Sperrungen und Zugausfälle prägen seit Jahren den Alltag der Fahrgäste – und Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: eine Bestandsaufnahme der Region macht deutlich, dass sich die Einschränkungen bis weit ins Jahr 2027 fortsetzen werden.
Besonders betroffen bleibt der Abschnitt zwischen Bad Cannstatt und Waiblingen, aber auch die Stammstrecke soll über Wochen dichtgemacht werden. Für Pendler bedeutet das weitere Jahre voller Geduldproben – und viele Fahrten in Ersatzbussen. Die Arbeiten an den Gleisen dienen Stuttgart21, der Digitalisierung der Sicherungstechnik oder schlicht der Instandsetzung der lange Zeit vernachlässigten Schieneninfrastuktur.
Waiblingen – Cannstatt wieder stark betroffen
Die Verbandsspitze zeichnete ein ernüchterndes Bild: Schon bis Jahresende drohen den S-Bahn-Fahrgästen weitere Ausfälle – etwa auf der S3 zwischen Backnang und Waiblingen oder durch die dreiwöchige Vollsperrung Bad Cannstatt–Waiblingen im Dezember. Auch 2026 und 2027 stehen massive Einschränkungen bevor: eine vierwöchige Sperrung zwischen Bad Cannstatt und Waiblingen von Ende Februar an, eine achtwöchige Sommerschließung der Stammstrecke sowie eine 13-wöchige Sperrung des zentralen Streckenabschnitts im Jahr 2027, während wichtige Umleitungsstrecken wie die Gäubahn nicht mehr zur Verfügung stehen.
Am Ratstisch war rhetorische Fantasie zu verzeichnen. Thomas Dittrich, Referent für Verkehrsplanung, sprach von einer „Liste der Zumutungen“. Regionalrat Elmar Steinbacher (CDU) wähnte die Fahrgäste „im Tal der Tränen“, was Philip Köngeter (Piraten) zur Replik veranlasste, im Tal der Tränen seien keine Tränen mehr übrig. Philipp Buchholz (Grüne) und Frank Buß (Freie Wähler) monierten, dass es kaum noch Tage gebe, an denen die S-Bahn überhaupt einigermaßen nach Plan fahre. Auch wenn die Region der Auftraggeber der S-Bahn sei, so seien die Regionalräte doch „ziemlich ohmächtig“, sagte Buß. Man könne zwar den Finger in die Wunde legen, aber keinen signifikanten Beitrag zur Lösung beisteuern. Einen Beschluss sollten die Regionalräte nicht fassen, sondern lediglich Kenntnis nehmen von der Malaise auf Schienen.
Region will in Ersatzverkehr investieren
Jürgen Wurmthaler, bei der Region Leitender Direktor für Wirtschaft und Infrastruktur, schwor die Räten darauf ein, die Maßnahmen mitzutragen, die zur Abfederung der allergrößten Härten ergriffen werden. In Sachen Schienenersatzverkehr (SEV), wenn Busse die gestrandeten S-Bahnfahrgäste weitertransportieren, „werden wir uns mehr engagieren müssen. Das Geld, das wir nicht für die Bahn ausgeben, müssen wir in den SEV investieren“.