Der Umbau des Bahnnetzes in Stuttgart ist eine große Belastung für die Reisenden. Die Region gibt einen Ausblick auf 2026. Eine ohnehin schon gebeutelte Strecke trifft es besonders.
Die gegenwärtige Lage für Bahnreisende in Stuttgart und der Region ist desolat – und der Ausblick auf die nahe Zukunft bietet wenig Grund zur Hoffnung auf Verbesserung. Der Regionalverband – für die S-Bahn zuständig und damit einer der Hauptleidtragenden des überbordenden Baustellengeschehens – fasst das in einem aktuellen Papier für die Regionalräte nüchtern zusammen: „Der Eisenbahnbetrieb ist weiterhin geprägt von einem eingeschränkten Angebot aufgrund von bau- oder störungsbedingten Zugausfällen“. Als Beleg für diese Analyse verweist der Verband darauf, dass „etwa der Viertelstundentakt auf den Linien S1, S2 und S3 seit dem Frühjahr kaum noch gefahren werden“ könne.
Kaum Planungssicherheit gegeben
Anlass für die Bestandsaufnahme ist die Anfang Oktober ins Haus stehende Fahrplankonferenz. Bei dieser Zusammenkunft diskutieren die Auftraggeber im Nahverkehr – also etwa die Region oder das Land – mit Bahnunternehmen und einem Fachpublikum die Lage im Mobilitätssektor. Dabei geht es neben dem Status quo auch um einen Ausblick. Und der fällt nicht nur trist aus, sondern ist zusätzlich mit einigen Unwägbarkeiten verbunden. „Es kann nur ein Einblick in den derzeitigen Arbeitsstand ohne Anspruch auf Vollständigkeit gegeben werden, der sich jederzeit noch ändern kann“, heißt es in dem Papier der Region.
Bereits in den verbleibenden Monaten bis zum Jahresende müssen sich Fahrgäste der S-Bahn demnach abermals auf zahlreiche Einschränkungen einstellen. So fährt die S3 am 18. und 19. Oktober sowie vom 22. bis 30. November nicht zwischen Backnang und Waiblingen. Der schon in der Vergangenheit stark von den Bauarbeiten beeinträchtigte Streckenabschnitt zwischen Bad Cannstatt und Waiblingen ist vom 1. bis 21. Dezember gesperrt.
Wieder trifft es den Abschnitt Bad Cannstatt – Waiblingen
Wie sehr damit ein wunder Punkt getroffen wird, lässt sich daran ablesen, dass die Region in ihrem Papier an dieser Stelle auf eine Pressemitteilung der Bahn aus dem Jahr 2023 verweist. In der hatte es nach dem Ende einer ähnlich gelagerten Sperrung der Strecke geheißen, dass es eine „längere Phase, in der gar kein Zug mehr fährt“ nicht mehr geben werde. Diese Aussage wird nicht nur durch die Dezember-Sperrung konterkariert. Bereits von Ende Februar 2026 an wird die Strecke abermals für vier Wochen komplett gesperrt. Ist das überstanden, ist vom 30. Mai 2026 an die Strecke zwischen Waiblingen und Schorndorf, auf der neben Intercitys und Regionalzügen auch die S2 unterwegs ist, eine Woche lang gesperrt.
Auch auf dem zentralen S-Bahnabschnitt, der sogenannten Stammstrecke zwischen Hauptbahnhof und Vaihingen, wird weiter gearbeitet. Am zweiten und am dritten Wochenende im November 2025 geht zwischen Vaihingen und der Schwabstraße nichts. Und die sommerliche Vollsperrung der Stammstrecke, die 2026 zum dann bereits sechsten Mal stattfindet, wird länger dauern als in der Vergangenheit. Hatte die Bahn sich bislang in der Regel an den gut sechswöchigen Sommerferien der Schulen orientiert, sei nun die Sperrung „vom 20. Juli bis 11. September 2026 mit einer Länge von acht Wochen geplant“.
Zentraler S-Bahnabschnitt 2027 für 13 Wochen gesperrt
Aber selbst das nimmt sich noch überschaubar aus im Vergleich zu dem, was im Jahr 2027 dräut. Dann werde während einer 13-wöchigen Stammstreckensperrung der Anschluss des neuen S-Bahnabschnitts samt dem Halt an der Mittnachtstraße an die bestehenden Strecken beim Nord- und beim Hauptbahnhof sowie im Bereich Bad Cannstatt hergestellt. Weil zu diesem Zeitpunkt die Gäubahn – Stand jetzt soll deren Betrieb Anfang März 2027 enden – nicht mehr als Umleitungsstrecke zur Verfügung steht, wird „neben dem Busersatzverkehr die Einrichtung einer zusätzlichen Stadtbahnverbindung der SSB zwischen Hauptbahnhof und Vaihingen geprüft.“