Die Reaktivierung stillgelegter Eisenbahnstrecken – auch in der Region Stuttgart – wird weiter untersucht. Das Land hat nun jene Trassen benannt, für die es eine Machbarkeitsstudie mitfinanzieren will.
Rollen bald wieder auf längst stillgelegten Bahnstrecken im Land Züge und liefern damit einen Beitrag zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr? Das Land unterstützt Kreise, Städte und Gemeinden, die an solchen ehemaligen Trassen liegen. Das Verkehrsministerium finanziert große Teile der vor einer Wiederinbetriebnahme notwendigen Machbarkeitsstudien. Am Ende eines mehrstufigen Prozesses sind nun 20 Strecken identifiziert, deren Reaktivierung konkreter untersucht werden soll.
Anlieger bemühen sich um Zuschüsse
Bis Ende vergangenen Jahres hatten Anliegergemeinden, -kreise und Verbände Zeit, sich beim Land um die Förderung zu bewerben, die bis zu 75 Prozent der Kosten für die Machbarkeitsstudie ausmacht. In der Region kommt etwa die Strecke zwischen Kirchheim/Teck und Weilheim/Teck zum Zuge, die benachbarte Strecke von Göppingen und Bad Boll sowie der nie realisierte Lückenschluss zwischen diesen beiden Strecken im Albvorland. Auch die Verbindung zwischen Kornwestheim und Untertürkheim, die sogenannte Schusterbahn, soll untersucht werden. Dort rollen zwar heute schon reichliche Güterzüge und vereinzelt auch Personenzüge. Aber das Angebot ist weit davon entfernt, einen regelmäßigen Takt zu bieten. Insgesamt gibt das Land 1,6 Millionen Euro an Zuschüssen für die Untersuchungen aus.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Großes Interesse an stillgelegten Gleisen
Eine positive Machbarkeitsstudie ist allerdings nur der erste Schritt in Richtung Wiederinbetriebnahme. Danach muss nachgewiesen werden, dass der Nutzen die Kosten übersteigt. Aber selbst dann muss es nicht unbedingt schnell damit gehen, dass Züge auf den wieder hergerichteten Gleisen fahren. Die Bahnstrecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen zeigt, dass auch an sich rentabel zu betreibende Verbindungen nicht so ohne weiteres wieder in Betrieb genommen werden können. Deutlich weiter ist hingegen der mittlerweile Hermann-Hesse-Bahn genannte westliche Abschnitt der württembergischen Schwarzwaldbahn zwischen Weil der Stadt und Calw. Dort laufen die Arbeiten, mit einer Wiederaufnahme des Betriebs wird für Ende 2023 gerechnet.
Langwierige Auswahlverfahren
Auch die nun vom Land abgeschlossene Auswahl der Strecken zeigt, welch langen Atem es bei den Reaktivierungsbemühungen braucht. Im April 2019 hatte das Verkehrsministerium 75 Strecken zusammengetragen, die von Anliegergemeinden zur Reaktivierung vorgeschlagen wurden. Nach Prüfung blieben davon gut 40 übrig, die bis Oktober 2020 in vier verschiedene Potenzialklassen einsortiert wurden. Für eine Förderung angemeldet werden konnten nur Strecken aus den drei ersten Kategorien.