Was steckt organisatorisch hinter dem Schienenersatzverkehr? Und wie viele Busse rollen bei der Sperrung zwischen Fellbach und Bad Cannstatt?
Am Montag war Tag eins der Vollsperrung zwischen Fellbach (Rems-Murr-Kreis) und Bad Cannstatt – in den Stoßzeiten ging es entsprechend eng zu. Drei Wochen lang dauern die Bauarbeiten, das wird Fahrgästen einiges abverlangen. Wir haben bei der Bahn nachgefragt, was an Organisation hinter der Vollsperrung steckt. „Um das Schienennetz in der Region zu modernisieren und zu digitalisieren und den Sanierungsstau aufzulösen, muss es Baustellen geben“, macht ein Bahnsprecher deutlich und bittet um Verständnis für die Einschränkungen. Diese treffen Pendler in der Region immer wieder geballt.
„Bereits 2024 gab es deutlich mehr Baustellen als gewöhnlich. Die Einschränkungen im S-Bahn-Fahrplan aufgrund von Baustellen waren dabei fünfmal höher als noch zwei Jahre zuvor“, sagt der Bahnsprecher. Mit dem Unternehmen Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB) aus dem DB-Geschäftsfeld Regio Straße arbeite die S-Bahn Stuttgart eng zusammen und könne deren Kompetenz in der Organisation von Busverkehren effizient nutzen. Das Portfolio vervollständige weitere DB-interne Partner sowie regionale Buspartner. Die Busse im Ersatzverkehr sind in einem beeindruckenden Umfang unterwegs.
Rund 1,75 Millionen Kilometer sind Ersatzbusse 2024 gerollt
„Alle Busse, die 2024 in der Region als Ersatz für S-Bahnen gefahren sind, haben insgesamt rund 1,75 Millionen Kilometer zurückgelegt. Das ist eine Strecke, die vergleichbar mehr als 43 Mal um den Äquator reicht“, verdeutlicht der Bahnsprecher das Ausmaß.
Auch für die Sperrung der Strecke Bad Cannstatt-Fellbach bis 21. Dezember habe die RAB den Ersatzverkehr mit Hilfe vieler Busunternehmen organisiert. Aus dem DB-Geschäftsfeld Regio Straße unterstützten zusätzlich die Unternehmen Friedrich Müller Omnibus (FMO) und Südwestbus (RVS), die bereits bei vielen Ersatzverkehren für die S-Bahn Stuttgart in der Region eingesetzt wurden. Hinzu kämen vier regionale Buspartner und mit der Firma Dannenmann auch ein lokales Unternehmen. Die Busunternehmen würden erhielten ausführliche Vorgaben. Darunter seien Qualitätskriterien, zu denen auch die Streckenkenntnisse des Fahrpersonals gehöre. Die Busfahrer würden in der Regel geschult, unter anderem mit Probefahrten.
Insgesamt kämen bis zu 70 Busse zum Einsatz. Darin eingeschlossen seien die zusätzlichen Busse, die bei VfB-Heimspielen rollen und jene für die Ersatzbuslinie XEV von Arverio.
Eine der Herausforderungen sei die Haltestelle Dammstraße in Waiblingen. Hier fahren drei Ersatzverkehrlinien ab. Damit der Umstieg gut erkennbar sei, setze die S-Bahn Stuttgart eine Farblogik ein. Das habe sich als Hilfestellung für Fahrgäste bewährt.
• Buslinie XEV Direkt-/Expressbusse Stuttgart–Waiblingen (hellblau)
• Buslinie S2X Direkt-/Expressbusse Stuttgart-Bad Cannstatt–Waiblingen (grün)
• Buslinie S2E Stuttgart-Bad Cannstatt–Waiblingen (rot)
Darüber hinaus werde das Angebot der Ersatzverkehre mit den ÖPNV-Beteiligten der Region abgestimmt – insbesondere auch beim Verkehrsverbund Stuttgart (VVS). „Daraus haben sich unter anderem in Fellbach unterschiedliche Haltestellen der Buslinie S2E in Richtung Bad Cannstatt (ZOB, Bussteig 2) und Waiblingen (Schaflandstraße) ergeben“, teilt der Bahnsprecher auf Nachfrage mit. Grund dafür sei, dass die Fahrgäste wegen des hohen Aufkommens getrennt werden sollten.
Für den Digitalen Knoten Stuttgart seien im Bereich von Bad Cannstatt weitere Arbeiten im Kabeltiefbau und an der Leit- und Sicherungstechnik notwendig, die nicht unter dem „rollenden Rad“ ausgeführt werden könnten, sondern nur, wenn die Strecke für den kompletten Zugverkehr gesperrt sei. Die Sperrung der Strecke Bad Cannstatt-Fellbach endet am Sonntag, 21. Dezember, 4 Uhr. Der Schienenersatzverkehr ist in der VVS-App eingepflegt. Informationen auch unter www.s-bahn-stuttgart.de.