Die beiden Westbahn-Geschäftsführer Thomas Posch (links) und Marco Ramsbacher sind sichtlich zufrieden nach Ankunft der Premierenfahrt in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Leif /Piechowski

Die österreichische Westbahn, die von Dezember an Stuttgart umsteigefrei mit Wien verbindet, hat bei einer Sonderfahrt ihr Angebot vorgestellt – und Kritik an den Rahmenbedingungen für neue Anbieter geübt.

Der Zustand des deutschen Schienennetzes sei „alles andere als wettbewerbsförderlich. Zudem bezahlen wir in Deutschland für die Trassen ein Vielfaches dessen, was in Österreich fällig wird“. Marco Ramsbacher, der Geschäftsführer der privaten österreichischen Westbahn, hat die Premierenfahrt nach Stuttgart am Dienstag genutzt, um die Rahmenbedingungen darzulegen, unter denen der Schienenverkehr in Deutschland wachsen soll.

 

Kostenlose Schnupperfahrt

Trotz dieser Widrigkeiten überwog bei der Fahrt von München nach Stuttgart und retour, bei der die Westbahn Interessierte kostenlos mitgenommen hat, aber die Vorfreude. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, sagte Ramsbacher. Die Erweiterung des Streckennetzes – die Westbahn fährt seit 2022 zwischen Wien und München – nach Stuttgart soll kein Testballon sein, den man nach Belieben wieder platzen lässt. Von Dezember an geht es zweimal täglich von Stuttgart nach Wien.

Dagegen sprächen schon die Buchungen für das neue Angebot, die online seit September möglich sind. „Da liegen wir über den Erwartungen“, sagte der Co-Geschäftsführer Thomas Posch. Man habe die Umsatzerwartung für den Dezember bereits nach oben korrigiert, sagte er bei einer Pressekonferenz im fahrenden Zug. Ohne konkrete Zahlen zu nennen, verglich Posch die Situation mit der Einführung neuer Angebote nach München und Innsbruck. Auch damals habe man über Plan gelegen.

In rund sechseinhalb Stunden nach Wien

Vom Fahrplanwechsel am 15. Dezember an bietet die Westbahn zwei umsteigefreie Verbindungen zwischen Stuttgart und Wien und in der Gegenrichtung an. Abfahrt in Stuttgart ist um 7.12 und 15.12 Uhr, am Wiener Westbahnhof starten die Züge um 8.08 und um 16.08 Uhr. Die Fahrzeit beträgt jeweils rund sechseinhalb Stunden.

Tickets werden vor allem online vertrieben. Rabatte gibt es für Fahrgäste mit Deutschland-Ticket oder mit der Bahncard der Konkurrenz Deutsche Bahn. Posch räumte aber ein, dass bei der Buchung früh dran sein muss, wer die günstigsten Kartenpreise haben möchte. Dass die Deutsche Bahn es bis zur Premierenfahrt am Dienstag nicht hinbekommen hat, die neuen Direktverbindungen auch im Auskunstsystem „DB Navigator“ anzuzeigen, führte Posch auf „Unvermögen“ zurück und nicht auf gewollte Diskriminierung.

Weiterhin auf Personalsuche

In Konkurrenz mit den arrivierten Anbietern steht die Westbahn nicht nur im Werben um Fahrgäste, sondern auch im Kampf um die Köpfe. „Wir suchen noch Lokführer und Stewards“, sagte Marco Ramsbacher. Auf der Premierenfahrt verließ man sich aufs angestammte Personal. Im Führerstand des Zugs saß David Land, der die Schulungsabteilung der Westbahn leitet. Eine kleine Premiere gab es dabei zwischen Ulm und Stuttgart: auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke erreichte ein Westbahn-Zug erstmals Tempo 200 in Deutschland.