Die S-Bahn fährt zurzeit seltener, es sind aber noch Plätze frei - der Bahnstreik lässt die Passagiere schon vorab Alternativen organisieren Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Staus auf Autobahnen und Einfallstraßen, in denen auch Stadtbahnen stehen: Pendler mussten wegen des Lokführerstreiks am Donnerstag viel Geduld mitbringen. Die wenigen S-Bahnen dagegen fuhren pünktlich.

Stuttgart - Die Bahnsteige am Hauptbahnhof sind am Donnerstagmorgen spärlich besucht. Fern- und Regionalzüge, die nur alle ein bis vier Stunden fahren, bringen viel weniger Fahrgäste als sonst. Ähnlich verhält es sich mit der S-Bahn, die im Notfahrplan nur im Stundentakt fährt anstatt im 15-Minuten-Takt wie üblich.

Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL, der bis Montag um 4 Uhr andauern soll, bringt noch eine Erkenntnis. „Die ­Kunden wissen von dem Streik und sind vorbereitet“, begründet ein Bahn-Sprecher die relativ entspannte Situation. Offenbar nutzen viele andere Verkehrsmittel. „Abgesehen von der S 1, auf der einige Züge sehr voll sind, gibt es durchaus noch Platz“, so der Sprecher. Ähnlich ist es in den Regionalzügen etwa von Tübingen her, die weniger besetzt sind als sonst. Das Fazit des Sprechers: „Man kann mit den Zügen seine Reise planen.“ Allerdings muss man vorher unter www.bahn.de, www.vvs.de oder telefonisch unter 08 00 / 99 66 33 prüfen, wann die ­S-Bahn fährt, will man nicht allzu lange auf den nächsten Anschluss warten.

Anders sieht es bei der Stadtbahn aus. Weil viele Pendler mit dem Auto Anschluss ans SSB-Netz suchen, geht es laut einer Unternehmenssprecherin vor allem in der U 1 und U 2 eng zu. Weil die S 3 von Backnang zurzeit in Bad Cannstatt endet, stürmen viele Fahrgäste am Wilhelmsplatz die Stadtbahnen. Das wird auch dadurch nicht wesentlich besser, dass drei zusätzliche Bahnen im Einsatz sind. „Sie können mit einem System, das täglich mehr als 500 000 Fahrgäste transportiert, nicht ein anderes kompensieren, das weitere 380 000 hätte“, sagt sie.

Ein anderes Problem, das den Stadtbahnen im Berufsverkehr Verspätungen von bis zu 20 Minuten einbringt, sind die Staus auf den Einfallstraßen. Weil die Blechkolonnen etwa auf der B 10 und B 27 auch Gleise blockieren, müssen Stadtbahnfahrer immer wieder warten, bis es weitergeht. Ab 9.30 Uhr entspannt sich die Situation – bis zur Stoßzeit am Nachmittag.

Dies betrifft auch die Straßen: Nicht nur auf der B 10 zwischen Obertürkheim und Rosensteinbrücke oder auf der B 27 auf den Fildern stockt es, auch auf den Autobahnen geht zeitweise wenig: vor allem auf der A 81 zwischen Ilsfeld (Kreis Heilbronn) und Feuerbach, wo sich die Autos am Morgen rund 30 Kilometer lang stauen. Mittendrin viele Taxis und Mietwagen. „Wir arbeiten hier alle in der Maximalbesetzung“, sagt ein Mitarbeiter einer Mietwagenfirma am Flughafen und meint auch die Kollegen aller Konkurrenten. Obwohl viele Autos zusätzlich herangeschafft werden, kann er Laufkundschaft nicht bedienen. „Bei uns muss man 24 Stunden vorher reservieren“, sagt er. So lange muss man auf ein Taxi nicht warten, sagt Murat Arslan von der Taxi-Zentrale Stuttgart. Wenn eines der 750 Taxis in der Stadt normalerweise nach zehn Minuten komme, dauere es nun vielleicht 20. „Da muss man etwas Geduld mitbringen“, sagt Arslan, „die Nachfrage ist eben deutlich höher.“ Und die Taxifahrer stünden auch im Stau.

An diesem Freitag vielleicht auch mit einigen blinden Passagieren. Die Nikolauspflege veranstaltet von 10 bis 17 Uhr im Treffpunkt Rotebühlplatz die Fachmesse „Besser sehen!“ für Blinde und Sehbehinderte aus ganz Baden-Württemberg. Sprecherin Stefanie Krug bangt um eine vierstellige Besucherzahl und schimpft: „Sie alle sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, der Streik schließt blinde und sehbehinderte Menschen von ihren Teilhabemöglichkeiten aus.“