Besonders störend empfinden die Anwohner den durch Güterzüge verursachten Lärm. Foto: dpa

Gemütlich im Garten sitzen und sich unterhalten: das geht die meiste Zeit nicht bei Holger Flaig und Bettina Kloß. Die beiden wohnen in einem Haus an der Terrotstraße in Bad Cannstatt – direkt an der Bahnlinie der Remstalstrecke. Gemeinsam mit Nachbarn haben sie eine Initiative gegen Bahnlärm gegründet und fordern Schallschutzmaßnahmen.

Bad Cannstatt - Nicht nur tagsüber, auch nachts ist das Leid groß, vor allem die Güterzüge bringen Holger Flaig und Bettina Kloß um ihren Schlaf. „Wir haben uns gedacht, gemeinsam kämpft es sich leichter“, sagt Flaig. Daher habe man sich im vergangenen Jahr mit mehreren Nachbarn zu einer Initiative zusammengeschlossen, um endlich den Lärmschutz voranzubringen. Im Zeitraum vom 30. Juni bis 2. Juli 2015 haben sie einen Lärm-Aktions-Koffer des Verkehrsclub Deutschland (VCD) ausgeliehen und selbst Lärmpegelmessungen vorgenommen.

Die Züge sind mitunter lauter als ein Presslufthammer

Die Ergebnisse, die das Gerät lieferte, sind unerfreulich: Innerhalb von 48 Stunden wurde der Pegel von 80 Dezibel an die 150-mal überschritten. Zum Vergleich: 80 Dezibel sind in etwa so laut wie ein Presslufthammer; die Glocken der benachbarten Stephanuskirche erreichen als Spitzenwert 65 Dezibel. „In Einzelfällen wurden 90 Dezibel erreicht, auch nachts“, sagt Holger Flaig. „Die Lärmbelastung ist enorm. Es ist unerträglich.“ Er sei selbst überrascht gewesen, wie oft der Pegel überschritten worden sei. In seinem eigenen Haus gebe es immerhin Schallschutzfenster. „Aber im Garten muss man die Unterhaltung unterbrechen, bis der Zug vorbeigefahren ist“, verdeutlicht er.

Laut dem Lärmschutzplan aus dem Jahr 2008/09 sei man auf der Priorisierungsstufe 2 eingeordnet, berichtet Flaig. Es könne noch dauern, bis man an der Reihe sei, dass Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. In einer Sitzung des Bezirksbeirats berichteten die Lärmgeplagten daher von ihren Problemen und baten um Hilfe. „Es ist unser Wunsch, dass die Bezirksbeiräte sich an die Bahn wenden und sich dafür einsetzen, dass wir in der Priorisierung höher gestuft werden, sodass Schallschutzmaßnahmen umgesetzt werden.“ Welche, darüber könne noch diskutiert werden. Den Plan der Bahn, bis 2020 auf leisere Güterzüge umzustellen, hält Flaig für nicht realistisch.

Bericht im Bezirksbeirat gefordert

Die Volksvertreter jedenfalls haben auf den Hilferuf reagiert: Die Fraktion SÖS-Linke-Plus hat im Nachgang einen Antrag zum Thema gestellt. Dieser steht in der nächsten Sitzung des Gremiums am 2. Juni auf der Tagesordnung. Die Ausführungen der Initiative gegen Bahnlärm Bad Cannstatt hätten deutlich gemacht, dass es entlang der Remstalstrecke bisher keine Verbesserung der Lärmsituation gebe, heißt es in dem Antrag. Sogar ganz im Gegenteil sei durch die Messungen deutlich geworden, dass die Belastungen noch größer geworden seien. Man beantrage daher einen Bericht im Bezirksbeirat.

Unter anderem fordern die Lokalpolitiker in ihrem Antrag Antworten auf die Frage, wie hoch das tägliche Verkehrsaufkommen von Personenzügen sowie Güterzügen pro Stunde auf der Remstalstrecke ist. Zudem wollen sie wissen, wie viele Züge in der Zeit von 22 Uhr nachts bis 6 Uhr früh dort verkehren und wie hoch der Anteil von leiseren Güterzügen mit Flüsterbremse ist. Im Jahr 2011 sei dort eine Schienenschmieranlage eingebaut worden, die wieder zurückgebaut wurde, heißt es weiter in dem Antrag. „Welche Ergebnisse/Erkenntnisse hat diese Anlage gebracht und warum wurde sie wieder abgeschaltet?“, wollen die Bezirksbeiräte wissen. Darüber hinaus wollen sie erfahren, welche Maßnahmen die Bahn plant, um die Anwohner „vor dem gesundheitsschädlichen Lärm zu schützen“ und wann diese umgesetzt werden.

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