Der Platz wird autofrei, bekommt eine Stadtsofa genannte Bankreihe, einen Mineralbrunnen und einheitliches Pflaster. Foto: Stadt Göppingen

Die Debatte hat viel Zeit gekostet, umso schneller geht die Stadt nun an die Umsetzung: Am Freitag ist der Spatenstich für die Tiefgarage und den neuen Bahnhofsvorplatz.

Göppingen - Es ist nicht so, dass alle Sorgen aus der Welt wären. Dennoch sieht die Mehrheit der Göppinger Stadträte eine große Chance im Bau der neuen Tiefgarage und der Umgestaltung des Bahnhofsplatzes. Schließlich soll beides die Initialzündung für zahlreiche Investitionen – auch von privater Seite – werden, die der Südstadt ein ansprechenderes Gesicht geben sollen. Das Großprojekt beginnt an diesem Freitag um 10 Uhr mit dem offiziellen Spatenstich für die Tiefgarage. Die Tiefgarage soll in 15 Monaten fertig sein, für das Gesamtprojekt sind zweieinhalb Jahre Bauzeit veranschlagt.

Die Stadträte sorgen sich vor allem darüber, ob die kalkulierten Kosten von 3,3 Millionen Euro für die Tiefgarage und geschätzten 4,4 Millionen für den Platz eingehalten werden können. Kopfzerbrechen bereitet manchen auch die Frage, ob das Verkehrskonzept aufgeht, das die Stadt zurzeit entwickelt.

Verkehrskonzept soll Innenstadt entlasten

Autofahrer, die künftig vom Bahnhof in Richtung Osten fahren, werden wie bisher die Bahnhofstraße und die Gartenstraße nutzen. Wer aber in Richtung Westen möchte, muss nach dem aktuellen Verkehrskonzept dann keinen Bogen mehr durch die Innenstadt über Bahnhof- und Garten-, Schützenstraße und Geislinger Straße fahren. Stattdessen geht es direkt von der Tiefgaragenausfahrt in der südwestlichen Ecke des Bahnhofsplatzes in die Freihofstraße, die bisher als Einbahnstraße nur zum Bahnhof führt, aber nicht von dort weg. Außerdem können Autofahrer auch direkt in die Kanalstraße fahren, die etwas nach Süden verlegt und bis zum Bahnhof verlängert wird, und in Richtung Jebenhäuser Brücke fahren.

Weil auf dem Bahnhofsplatz künftig keine Autos mehr parken dürfen, gibt es entlang der Bahnhofstraße acht sogenannte Kiss and Ride Plätze. Dort können Autofahrer kurz stoppen und Mitfahrer absetzen, die zum Zug möchten. Weitere vier Kiss and Ride Plätze sind in der Freihofstraße geplant. Reisende können ihre Autos künftig in der Tiefgarage unterbringen.

Mineralbrunnen neben dem Bahnhof

Einige Stadträte haben Zweifel an dem Konzept: Zum einen fragen sie sich, ob die Freihofstraße tatsächlich breit genug ist, um den Verkehr in zwei Fahrtrichtungen aufzunehmen. Zum anderen befürchten sie, dass die Kiss and Ride Plätze nicht ausreichen. Weil Autofahrer nicht mehr kurz auf dem Bahnhofsplatz halten könnten, um Bahnreisende abzusetzen, würden diese womöglich einfach auf der Straße halten und Staus verursachen.

Auch das Konzept für den Bahnhofsplatz ist noch im Werden – ohnehin muss zunächst die Tiefgarage fertig werden. Der Gemeinderat soll an diesem Donnerstag den Vorplänen zustimmen, das Bauamt würde diese dann weiter vorantreiben. Das Konzept fußt auf dem Entwurf der Architektin Ulrike Böhm, die einen Gestaltungswettbewerb der Stadt gewonnen hat. Der Platz soll durch ein neues Pflaster ein einheitliches Gepräge bekommen. In der Mitte stehen einige Bäume. Eine Reihe von Bänken, Stadtsofa genannt, laden Passanten zum Verweilen ein. Ein gläsernes Dach an der Bahnhofsfront soll Reisende vor Regen schützen. Die Einfahrt zur Tiefgarage verläuft parallel zur Bahnhofstraße und ist von Bäumen gesäumt. Dort befindet sich auch ein Aufzug.

Neu ist ein Mineralbrunnen an der südöstlichen Ecke des Platzes. Die Idee stammt vom Baubürgermeister Helmut Renftle und kam sowohl bei der Architektin als auch bei den Stadträten gut an. Schließlich, so die einhellige Meinung, sei Göppingen für sein Sauerwasser bekannt.

Die am Freitag beginnenden Bauarbeiten werden den Verkehr in der Bahnhofstraße nach Auskunft der Stadt nicht beeinflussen. Allerdings sei mit Einschränkungen bei den Parkplätzen auf dem Bahnhofsplatz und bei der Zufahrt zu den Parkplätzen westlich vom Bahnhof zu rechnen. Der Zugang zum Bahnhof und der Platz für die Taxis sei aber gesichert

Zuschüsse vom Land

Viel Geld
Die Kosten für den Bau der Tiefgarage sind mit 3,3 Millionen Euro kalkuliert. Der Umbau des Bahnhofsvorplatzes wird Schätzungen zufolge 4,4 Millionen Euro verschlingen. Die weitere Konkretisierung der Pläne schlägt mit rund 545 000 Euro zu Buche. Weil es sich um ein Sanierungsgebiet handelt, gibt es Zuschüsse vom Land. Wie hoch diese am Ende sein werden, ist aber noch offen.

Alter Steg
Der Gemeinderat hat in der vergangenen Woche zugestimmt, die seit Jahren geschlossene Unterführung unter den Gleisen am Bahnhof zuzuschütten. Die Bauarbeiten, die rund 190 000 Euro kosten, sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Im kommenden Jahr soll dann die alte, ebenfalls längst geschlossene Brücke abgerissen werden, die von der Unterführung über die Fils zur Jahnstraße führte. Denn schon seit Jahren gibt es den sogenannten Filssteg zwischen Jahnstraße und Bahnhof, der dank seiner Aufzüge barrierefrei über die Gleise und den Fluss führt.

Pro: Nutzen größer als Kosten

Göppingen - Die Chancen stehen gut, dass der neue Platz samt der Tiefgarage ein Erfolg wird, findet Karen Schnebeck: Jetzt geht es also richtig los, mit der Sanierung des Bahnhofsvorplatzes und dem Bau der Tiefgarage. Seit Jahren wird über das Großprojekt debattiert, schließlich gab es viele Probleme zu lösen. Eine der größten Sorgen ist zurecht nach wie vor die Frage, ob sich der von der Stadt kalkulierte Kostenrahmen halten lässt. Schließlich wäre die neue Tiefgarage nicht das erste städtische Projekt, das am Ende deutlich teurer würde.

Doch trotz aller Sorgen und Befürchtungen ist es gut, dass die Pläne jetzt endlich umgesetzt werden. Es wird Zeit, dass das Bahnhofsumfeld aufgewertet wird und der Bahnhofsplatz sein Schmuddelimage los wird. Wie groß der Beitrag eines ansprechenden Bahnhofsumfeldes zum Erfolg einer Stadt sein kann, lässt sich in Esslingen besichtigen. Dort hat die Neugestaltung mitsamt einer neuen Verkehrsführung zahlreiche Investitionen von Geschäftsleuten nach sich gezogen. Das Gebiet, durch das Passanten früher mit eingezogenen Köpfen eilten, ist mittlerweile zu einem Aufenthaltsort für viele Bürger geworden, die sich dort in den Cafés treffen.

Die Neugestaltung in Göppingen hat zwar nicht ganz so große Ausmaße. Doch auf das Umfeld dürfte sie sich ähnlich auswirken. Ohne ausreichend Parkplätze aber würde dieser Effekt gleich wieder zunichte gemacht werden. Und das kann keiner wollen. Kosten hin oder her.

Kontra: Ebenso teuer wie unnötig

Göppingen - Die veranschlagten 3,3 Millionen Euro reichen hinten und vorne nicht, um die Tiefgarage zu finanzieren, hält Andreas Pfüger dagegen: Keine Frage: der Göppinger Bahnhofsvorplatz ist alles andere als ein Schmuckstück. Nichts spricht also dagegen, dem „Eingangstor zur Hohenstaufenstadt“, für das sich jahrzehntelang kein Verantwortlicher wirklich interessiert hat, ein „neues Gesicht“ zu geben. Anatomisch gesehen ist das „Gesicht“ allerdings oben und deshalb hat der Bau einer Tiefgarage mit der notwendigen Verschönerung des Areals und einer Aufwertung des Stadtbilds erst einmal gar nichts zu tun. Und was die künftige Erreichbarkeit des Bahnhofs angeht: nun ja, man wird sehen.

Der Parkbunker ist mittlerweile beschlossene Sache. Nachdem die Zahlen so lange kleingerechnet worden waren, bis der Kosten-Nutzen-Faktor irgendwie stimmte, gaben die Gemeinderäte, die mit ihrer Entscheidung – wie üblich – „Bauchweh“ hatten, dem Vorhaben am Ende – wie üblich – grünes Licht. Und jetzt geht’s plötzlich ruckzuck. Während Stuttgart seinen halben Bahnhof tiefer legt, versenkt Göppingen zwar nur die Parkplätze, aber auch hier ist bereits programmiert, dass der Kostenrahmen von 3,3 Millionen Euro hinten und vorne nicht langen wird.

So richtig Sinn macht die Bahnhofsgarage ja ohnehin erst, wenn in nächster Nähe das „Rathaus II“ gebaut wird. Der Beschluss für dieses Projekt steht zwar noch aus, wird aber – wie üblich – dem Schema „Bauchweh“ und „Zustimmung“ folgen.

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