Jürgen Stegmaiers Kiosk zur Schnellen Schiene kann man durch einen Lamellenvorhang betreten. Foto: Ines Rudel/Ines Rudel

Die Bahnhofskioske auf der Filderebene unterscheiden sich nicht nur durch ihre Größe und ihr Sortiment. Auch die Beurteilung der Geschäfte durch ihre Inhaber fällt unterschiedlich aus.

Es steht mit einem „K“ am Anfang und einem weiteren am Ende an der Fassade geschrieben, also kann es keinen Zweifel geben: Obwohl der größte Bahnhofskiosk auf der Filderebene eher wie ein kleines Kaufhaus wirkt, handelt es sich bei diesem Geschäft um einen Kiosk. Im Smart-Kiosk am Bahnhof von Filderstadt-Bernhausen gibt es neben dem traditionellen Tabak- und Getränkesortiment beispielsweise Kopfhörer der Marke Urbanista und eine stattliche Auswahl an Bongs und Kaffeetassen. Draußen wird in großen Lettern darauf hingewiesen, dass „Barankauf“ von Gold, Silber und Zinn angeboten wird, drinnen werden im offenbar auf kleine Mädchen als Endverbraucherinnen ausgerichteten Rosa-Lila-Regal unter anderem Freundschaftsbücher und Haarbürsten mit Einhörnern darauf präsentiert. „Ich probiere gerne was Neues aus, und wenn es läuft, dann nehme ich es in meinen Kiosk rein“, sagt Cihan Hayta, der den Laden betreibt, in dem man an Wochenenden von 5 Uhr bis 22 Uhr (und am Wochenende nur unwesentlich kürzer) rund um die Selberdrück-Kaffeestation in der Mitte die unterschiedlichsten Lebenswelten erkunden kann. Er sagt, es liefe gut.

 

S-Bahn-Ausfälle beeinträchtigen das Geschäft

Eine etwas andere Art der Kaffeestation hat Ioannis Papadimitriou vor seinem Extrawurst Imbiss & Kiosk am S-Bahnhof Echterdingen aufgebaut: In einem weitgehend blickdichten dunklen Zelt, das von Glasplatten eingefasst wird, trinken mittags an kleinen Tischchen Menschen außer Kaffee auch Bier und rauchen dazu. Am Lachen, das nach draußen dringt, erkennt man, dass es sich bei den Zeltgästen überwiegend um Männer handelt. Im Frühling verliert dieser Getränke-Außenbereich die Anmutung einer Polarstation, denn dann baut Ioannis Papadimitriou das Zelt ab, das er im Spätherbst wieder aufbaut. Die Glasplatten allerdings bleiben stehen, denn sonst würde es zu sehr ziehen, sagt der Inhaber. Außerdem würde es durch das fünfeckige Bahnhofs-Vordach hindurch regnen.

Auch sonst ist Ioannis Papadimitriou „nicht so ganz zufrieden“. Er führt das klassische Tabak- und Getränkesortiment, dazu Kaugummi und Lotto. „Aber die Leute sparen, egal an was und egal wo“, sagt er. Die Baustellen und die S-Bahn-Ausfälle hätten seinem Geschäft in der letzten Zeit besonders zugesetzt, denn sein Kiosk sei abhängig von Leuten, die den Bahnhof aufsuchen, um ihn mit öffentlichen Verkehrsmitteln wieder zu verlassen. Man kann seinen Echterdinger Kiosk – anders als das Minikaufhaus am Bahnhof in Bernhausen – nicht betreten und darin herumspazieren. Man kann nur im klassischen Kiosk-Stil die Ware von außen betrachten.

Der Fahrkartenverkauf ist eingebrochen

Am Bahnhof von Leinfelden betreibt Jürgen Stegmaier eine Art Synthese aus dem Reinspazier-Minikaufhaus in Bernhausen und dem Draufguck-Klassik-Kiosk in Echterdingen: Seinen Laden, der den Namen Kiosk zur schnellen Schiene trägt, kann man zwar durch einen Lamellenvorhang betreten, aber groß herumspazieren kann man darin nicht, sondern allenfalls den Stehtisch in der Mitte ansteuern, wo am frühen Nachmittag ein Mann ein Weizenbier trinkt. Oder nach hinten gehen, zur Wand, wo die Fahrpläne hängen: Außer Zigaretten und Getränken gibt es Brezeln und Fahrkarten, aber vor allem dieser Geschäftszweig ist der Grund, weshalb Stegmaier sein Kiosk-Geschäft als „Auf und Ab“ bezeichnet. Verantwortlich dafür seien „neue Richtlinien, die uns das Leben schwer machen“.

Konkret bedeutet das: Seit das Deutschlandticket existiert, sei der Fahrkartenverkauf im Kiosk zur schnellen Schiene „um 40 Prozent eingebrochen“. Dafür ist Jürgen Stegmaier ein anderes Problem bisher erspart geblieben: Wenngleich das Dach über seinem Leinfeldener Kiosk wie ein kleiner Bruder der Echterdinger Variante wirkt – nur mit drei Ecken statt mit fünf – versichert er, dass es durch dieses Dach nicht regne.