Bahnhofsareal Backnang Bahnhofsumbau soll 14 Millionen Euro kosten

Von Martin Tschepe 

Symbolbild Foto: Pascal Thiel
Symbolbild Foto: Pascal Thiel

Der Güterschuppen auf dem Backnanger Bahnhofsareal wird abgerissen, das Busterminal neu gebaut und barrierefrei an die Gleise angebunden. Die Umbauarbeiten sollen 2018 beginnen und bis 2022 dauern.

Backnang - Seit vielen Jahren wird in Backnang über die Zukunft des alten Güterschuppensauf dem Bahnhofsareal gestritten. Abriss oder Erhalt? Und was tun mit dem Gebäude aus dem Jahr 1887, falls es denn stehen bleibt? Das waren die Frage, die der Gemeinderat jetzt beantwortet hat. Im Zuge einer auf 14 Millionen Euro taxierten Umgestaltung des gesamten Bahnhofsareals soll der Schuppen nun abgebrochen werden. Das hat das Kommunalparlament einstimmig beschlossen. Sogar die Stadträte von SPD und Grünen, die sich bis dato gewünscht hatten, der Schuppen sollte umgebaut und für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden, haben Ja gesagt zum ehrgeizigen Konzept der Verwaltung. Die Entscheidung ist ihnen nicht leicht gefallen, aber es hatte sich ja kein privater Investor gefunden für einen Umbau.

Auf dem Areal, auf dem der Schuppen noch steht, soll in den nächsten Jahren ein neuer Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) gebaut werden. Ferner ist geplant, alle Gleise des benachbarten Bahnhofs barrierefrei zu erschließen und an den ZOB anzubinden. Die Stadt gehe davon aus, dass sie rund die Hälfte der Kosten selbst wird tragen müssen, sagte Oberbürgermeister Frank Nopper. Die Kommune erwartet Zuschüsse vom Land und von der Bahn.

Carsharing-Standort mit Schnellladesäule für E-Fahrzeuge

Der alte Bahnhof inklusive Vorplatz werde städtebaulich aufgewertet und zu einer „Mobilitätsdrehscheibe“ umgestaltet, in ein „zeitgemäßes Tor zur Stadt“ verwandelt, heißt es in der Sitzungsvorlage des Stadtplanungsamts. Vorgesehen sind unter anderem vier neue Aufzügen sowie ein Stadtbalkon an der Hangkante zur Murr. Der alte ZOB soll im Rahmen des vom Verband Region Stuttgart ausgeschriebenen Projekts „Regionaler Mobilitätsschwerpunkt“ umgebaut werden. Geplant sind Park-and-Ride- sowie Kurzzeit-Parkplätze, ein Carsharing-Standort mit Schnellladesäule für Elektrofahrzeuge, einen E-Bike-Station, ein Fahrradparkhaus mit rund 100 Stellplätzen sowie Bussteige für Reisebusse. Im Zuge der Bauarbeiten, die nach vorsichtigen Schätzungen von 2018 bis 2022 dauern werden, soll der neue Bahnhof laut Auskunft des Planungsamts quas nebenbei zu einem „barrierefreien Bindeglied zwischen den Siedlungsbereichen nördlich und südlich der Bahnanlagen gestaltet werden“.

Der kostspielige Bahnhofsumbau sei überfällig, so der OB, denn heute gebe es weit mehr Zug- und Busverbindungen als Ende der 1980er-Jahre, als der jetzige ZOB gebaut wurde. Backnang sei 2012 – mit der Eröffnung der S-Bahnlinie S 4 nach Ludwigsburg – in den kleinen und erlauchten Kreis der Großen Kreisstädte mit zwei S-Bahnlinien aufgestiegen“. Nopper: „Wir sind geradezu eine S-Bahn-Stadt par excellence geworden.“ Zum Fahrplanwechsel 2017/2018 gehe zudem ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung: Nach Aussage der Deutschen Bahn AG sollen die IC-Fernzüge dann auf der Murrbahn im Zwei-Stunden-Takt fahren.

„Spielraum für die Zukunft“

Die Stadträte lobten die Pläne in den höchsten Tönen. Gerhard Ketterer (CDU) sprach von einen zukunftsträchtigen Lösung. Das derzeit etwas trist wirkende Areal werde „grün und modern“. Melanie Lang (Grüne) sprach von „Spielraum für die Zukunft“. Wolfgang Schwalbe (Unabhängige Bürgervereinigung) hat es eilig. Er fragte, wann der Schuppen denn endlich abgerissen werde. Der Stadtkämmerer Siegfried Janocha erklärte, dass die Stadt besser noch ein bisschen warten sollte – sobald das Bahnhofsareal ins Sanierungsprogramm aufgenommen sei, würden die Abbrucharbeiten nämlich mit 60 Prozent bezuschusst. Wer will, der kann sich also in den nächsten Monaten noch persönlich vom betagten Schuppen verabschieden.

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