Erste Hilfe für die Trauerweide: Am Dienstag protestierten etwa 25 Bürger und setzten sich mit Flugblättern und Transparenten für den Erhalt des alten Baumes ein. Foto: Georg Friedel

Etwa 25 Personen setzten sich gegen den Abriss der Trauerweide in Feuerbach ein. Zuvor hatte ein Vertreter der DB im Bezirksbeirat verkündet, dass der Baum im Zuge der Bauarbeiten für Stuttgart 21 gefällt werden müsse.

Feuerbach - Die Deutsche Bahn plant nun doch, die Trauerweide beim Bahnhof Feuerbach zu fällen. Dies gab der DB-Ingenieur und Projektabschnittsleiter Sebastian Glöckner in der vergangenen Sitzung des örtlichen Bezirksbeirats bekannt. Im Oktober 2013 hatte die Deutsche Bahn noch eine völlig anders lautende Presseerklärung herausgegeben: Entgegen den ursprünglichen Planungen könne die stadtbildprägende Trauerweide am Feuerbacher Bahnhof stehen bleiben, sagte der damalige Projektsprecher Wolfgang Dietrich in der Presseinformation. Im Zuge der Stuttgart-21-Baustelle beim Bahnhof Feuerbach müsse weniger als ursprünglich geplant in den Grünbereich eingegriffen werden.

In der vergangenen Bezirksbeiratssitzung ruderte Glöckner nun umgehend wieder zurück: „Wir schaffen es trotz aller Anstrengungen nicht, die Trauerweide zu erhalten. Wir werden sie fällen müssen“, sagte er. Letztendlich werde der Baumstandort zwingend als Baustelleneinrichtungsfläche benötigt. Der Platz an der Stelle sei per se sehr gering. „Das Projekt Haltepunkt Feuerbach ist hoch komplex und bedarf auf Grund der technischen Herausforderungen immer wieder Anpassungen in allen Bereichen“, sagte der DB-Ingenieur.

DB-Pläne stoßen auf Widerstand

Doch diese „Anpassung“ weckt nun den Widerstand und die Protestbereitschaft der Parkschützer und Mitglieder der Initiative „Feuerbach für K 21“: Gestern früh um 7 Uhr trafen sich rund 25 Personen zu einem Frühstück und einer Protestaktion an der Trauerweide: „Wenn Bauen Bewährtes zerstört, ist etwas verkehrt! Baustopp sofort!“ und „Schluss mit Stadt- und Naturzerstörung“ war auf großen Transparenten beim Eingang in die Personenunterführung Kremser Straße zu lesen. Die Mitglieder der Initiative verteilten Flugblätter mit der Überschrift „Rettet die Feuerbacher Trauerweide“ an die Passanten und Pendler: „Laut Info der Bahn sollen hier Hochkräne aufgestellt werden. Ob dies aus sicherheitstechnischen Gründen überhaupt zulässig ist, bezweifeln wir“, argumentieren die Gegner der Baumfällung.

Für Andreas Eder hat die Weide „heimatstiftenden Charakter“. Im eigens für die Aktion eingerichteten Café Salix diskutierten die Kopfbahnhof-Befürworter das weitere Vorgehen. Eine längerfristige Aktion und Mahnwache für den Baum sei angedacht: „Aber wir wissen nicht, ob wir das zeitlich hinkriegen“, sagte Parkschützerin Susanne Bödecker. Geplant sei allerdings am kommenden Samstag ein Informationsstand vor dem Café an der Stuttgarter Straße 104. Hans-Eberhard Dietrich von der Feuerbacher Initiative fordert, dass die Bahn-Ingenieure ihr Vorgehen nochmals überdenken: „Es muss doch machbar sein, die Baustellen so zu planen, dass die Weide erhalten bleibt.“

Stadt sucht das Gespräch mit der Deutschen Bahn

Der Feuerbacher SÖS-Bezirksbeirat Roland Saur kritisierte, dass die Bahn hier auf städtischer Fläche einfach festlegen könne, dass ein Baum gefällt werde: „Wer setzt sich bei der Stadt eigentlich für den Erhalt der Trauerweide ein?“, fragt Saur. Bei Alice Kaiser, der städtischen Bürgerbeauftragten für Stuttgart 21, gingen in den vergangenen Tagen E-Mails mit ähnlichen Fragen und Kritikpunkten ein. Bezirksvorsteherin Andrea Klöber hat sich ebenfalls an die Bürgerbeauftragte mit der Bitte gewandt, nach einer Lösung für den Erhalt des Baumes zu suchen. „Wir werden mit der Bahn in Kontakt treten und ein Gespräch darüber führen, ob es möglicherweise doch noch eine Möglichkeit gibt, die Trauerweide zu erhalten“, sagt Kaiser.

Sollte die Silberweide tatsächlich gefällt werden, wäre dies ein herber Verlust, meint auch Bernhard Kirchmaier vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt. Die Fläche gehöre eigentlich der Stadt, werde aber von der Bahn als Baustelleneinrichtungsfläche genutzt. Kirchmaier schätzt das Alter des Baumes auf etwa 70 bis 80 Jahre.

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