Als kahl und trostlos bezeichnen viele den Esslinger Bahnhofplatz. Die Stadt will ihn jetzt schöner gestalten. Foto: Roberto Bulgrin

Esslingen will den Bahnhofplatz aufwerten. Doch Altlasten, komplexe Verkehrsbeziehungen und hohe Kosten machen das Vorhaben kompliziert. Zunächst ist mehr Grün geplant.

Der Bahnhofplatz soll schöner werden. Statt eines reinen Transitraums soll das Entree der Stadt künftig auch ein Ort zum Verweilen sein. In einem ersten Schritt sollen möglichst bald drei neue Baumbeete samt Sitzbänken entstehen. Damit soll der Ort, an dem viele Besucherinnen und Besucher der Stadt ankommen, ansprechender gestaltet werden – und zwar rechtzeitig zum Stadtjubiläum im kommenden Jahr.

 

Schon lange wird von verschiedenen Seiten auf dem für viele trostlos wirkenden Platz mehr Grün und mehr Aufenthaltsqualität gefordert. Doch die Umgestaltung ist nicht einfach. Zum einen, weil im Untergrund Altlasten eines früheren Gaswerks an dieser Stelle schlummern, die durch eine Entsiegelung freigelegt werden könnten. Zum anderen, weil auf dem Bahnhofplatz als Mobilitätsdrehscheibe vielfältige Verkehrsbeziehungen aufeinandertreffen, die es zu berücksichtigen gilt. Hinzu kommt das Thema Klimawandelanpassung, das ebenfalls bei den Planungen eine Rolle spielt.

Arbeitsgruppe legt Programm zur Umgestaltung vor

Unter Federführung des Esslinger Stadtplanungsamtes hat eine ämter- und stabsstellenübergreifende Arbeitsgruppe in den vergangenen zwei Jahren ein Maßnahmenprogramm für die Umgestaltung des Bahnhofplatzes erarbeitet. Beteiligt daran waren unter anderem auch Verkehrsträger wie die Deutsche Bahn, der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen oder angesichts der geplanten Verlängerung der Stadtbahn U7 auch die Stuttgarter Straßenbahn AG (SSB). Insgesamt drei Fachbüros waren damit beauftragt, Gestaltungsideen für den Bahnhofplatz und sein Umfeld zu entwickeln.

Viele Ideen, aber wenig Geld in der Stadtkasse

Entstanden ist dabei ein Maßnahmenprogramm, das neben der Begrünung auch die Optimierung des Leitsystems auf dem Bahnhofplatz vorsieht, außerdem eine Aufwertung von Bahnhof samt Unterführung, einen Trinkbrunnen sowie Aktionsflächen für das Stadtjubiläum. Langfristig sollen auch ein Lichtkonzept, eine Belebung des Platzes durch die verstärkte Nutzung der Erdgeschossflächen und eine bessere Anbindung an die Bahnhofstraße realisiert werden. Auch eine bessere Verbindung von Weststadt und Innenstadt über den Bahnhofplatz wird diskutiert, ebenso eine mögliche Verlagerung oder optische Aufwertung des Toilettengebäudes.

Zunächst sollen nun aber die drei Baumbeete entstehen. Der aktuelle Entwurf sieht dafür sogenannte Vegetationsinseln in amorpher Grundform vor. In nach unten abgedichteten Pflanzgefäßen mit Stahleinfassung sollen neun zusätzliche Bäume gepflanzt werden. Der Überlauf von Sickerwasser erfolgt über das städtische Kanalsystem. Ein Ausschwemmen von Schadstoffen in das Grundwasser wird dadurch laut Stadtverwaltung ausgeschlossen. Um den Aufwand für die Stadt zu minimieren, soll eine automatische Bewässerungsanlage eingebaut werden. Die Sitzbänke sollen aus Douglasienholz gefertigt sein. Die Stadt rechnet mit rund 250 000 Euro für das Projekt.

Amorphe Baumbeete mit Sitzbänken plant die Stadt Esslingen auf dem Bahnhofplatz. Foto: Stadt Esslingen

Angesichts der angespannten Haushaltslage ist derzeit unklar, ob weitere Vorhaben zur Aufwertung des Bahnhofplatzes bis zum Stadtjubiläum im kommenden Jahr umgesetzt werden können. Falls die nötigen Mittel dafür zur Verfügung gestellt werden können, möchte die Stadt einen Trinkbrunnen am Standort des historischen Drachenbrunnens, also im südwestlichen Bereich des Platzes nahe der Einmündung der Zufahrt zum ZOB von der Berliner Straße aus, errichten. Zudem soll möglichst vor dem Stadtjubiläum die Fahrradabstellanlage in der Bahnhofsunterführung aufgewertet werden.

Umgestaltung des Esslinger Bahnhofplatzes gilt als kompliziert

Axel Fricke, der Leiter des Stadtplanungsamts, betonte bei der Präsentation der Pläne für den Bahnhofplatz in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK): „Die Umgestaltung des Bahnhofplatzes ist insgesamt nicht unkompliziert.“ Denn hier kämen sehr viele verschiedene Funktionen und damit auch sehr unterschiedliche Interessen zusammen, die es als Ganzes zu betrachten gelte. Man wolle dieses Projekt bis zum Stadtjubiläum aufs Gleis bringen, habe einige Vorhaben jedoch aus Kostengründen vorerst zurückgestellt. Nun gehe es zunächst um eine kurzfristige Aufwertung, sagte Axel Fricke.

Auf dem Esslinger Bahnhofplatz sollen drei Baumbeete entstehen. Foto: Stadt Esslingen/Lange

Der Vorschlag kam im Ausschuss mehrheitlich gut an. So erklärte etwa Andreas Fritz (Grüne): „Der Bahnhofplatz ist bisher klimatechnisch eine Katastrophe, aber jetzt gibt es einige gute Ideen.“ Auch der CDU-Rat Herbert Schrade zeigte sich zufrieden mit den Plänen – wenngleich das Vorhaben sehr teuer sei. Während SPD-Rat Daniel Scharpf und Andreas Klöpfer (WIR/Sportplätze erhalten) Zustimmung signalisierten, kündigte Michael Weinmann (Freie Wähler) Enthaltung an: Angesichts der schwierigen Finanzlage sei ein solch teures Projekt in der Innenstadt den Menschen in anderen Stadtteilen schwer zu vermitteln. Jürgen Häußler (AfD) kritisierte ebenfalls die hohen Kosten, erklärte das Vorhaben aber dennoch für sinnvoll, damit die „gepflasterte Wüste“ am Bahnhofplatz aufgewertet werde.

Pläne für die Zukunft

Unterführung
Nicht nur der Bahnhofplatz, sondern auch die Unterführung am Esslinger Bahnhof soll ansprechender gestaltet werden. In einem ersten Schritt will die Stadt möglichst bald im Bereich der Radabstellanlagen die Trennwände mit Glasbausteinen sowie die angrenzenden vorderen Radabstellanlagen entfernen, um den Bereich offener und freundlicher zu gestalten.

Trinkbrunnen
Das Geld für die Einrichtung eines Trinkbrunnens auf dem Bahnhofplatz ist noch nicht im Haushalt eingeplant. Daher ist noch unklar, wann das Projekt umgesetzt werden kann. Denkbar wäre laut Stadt ein Brunnen in der Nähe des Toilettenhäuschens, da dort bereits Trinkwasserleitungen vorhanden seien.