Diese Ansicht bekommen Passanten und Pendler am Bahnhof Feuerbach sonst nicht. Foto: Buhl

Die Bahn hatte am Wochenende die Baustelle am Bahnhof Feuerbach für die Besucher geöffnet. Besichtigt werden konnte auch die neue Personenunterführung. Sie ist 50 Meter lang und sechs Meter breit und soll ab 2019 die beiden bestehenden Durchgänge zur Siemensstraße ersetzen.

Feuerbach - Über eine provisorische hölzerne Treppe gelangen die Besucher in die künftige Rettungszufahrt. Die Wände und der Boden sind aus kahlem Beton, hier und da stehen lange Stangen aus Stahl hervor. Die Decke ist ebenfalls provisorisch und besteht aus einer Behelfsbrücke, über die mit lautem Rattern die Stuttgarter S-Bahn fährt. Wer zwischen all den Stahl hindurchschaut, kann den Unterbau des S-Bahn-Zuges erkennen.

Es ist ein Anblick, den Passanten und Pendler am Bahnhof Feuerbach sonst nicht bekommen. Seit Jahren schon wird hier im Rahmen des Bahnprojekts Stuttgart 21 gebaut – im Prinzip krempelt die Bahn den gesamten „Haltepunkt Feuerbach“ um. Damit Anwohner und Interessierte sehen und verstehen können, was genau Bagger, Kräne und Bohrer hier entstehen lassen, hat der Verein Bahnprojekt Stuttgart-Ulm an diesem Samstag zum Tag der offenen Baustelle geladen. Dazu gehört auch die Begehung der Rettungszufahrt für den neuen Fernverkehrstunnel.

Bauen bei vollem Betrieb

„Es ist alles sehr komplex und kleinteilig hier, manchmal kann man den Eindruck haben, es werde gar nicht gearbeitet“, sagt Rainer Matheisl, Teamleiter im Projektmanagement bei der Deutschen Bahn. Matheisl ist beim Tag der offenen Baustelle unterwegs, um den Menschen das Projekt am Feuerbacher Bahnhof zu erklären. Er sagt: „Wir scherzen manchmal, das hier sei wie bauen auf einer Briefmarke.“

Lediglich zwei größere Areale nimmt die Baustelle ein, deshalb müssten Materiallieferungen immer direkt verarbeitet werden, sagt Rainer Matheisl. „Das alles machen wir, um die Einschränkungen für die Bahnreisenden am geringsten zu halten“, ergänzt Florian Bitzer, der bei der Bahn für die Zusammenarbeit mit den Projektbeteiligten zuständig ist. Außerdem baue man bei vollem Zugbetrieb. Dass es dennoch zu Hindernissen für Zugreisende kommt, sei jedoch nicht zu vermeiden. „Deshalb gibt es den Tag heute“, sagt Tanja Sehner vom Verein Bahnprojekt Stuttgart-Ulm. „Unsere Erfahrung ist, dass das Verständnis für Einschränkungen wächst, wenn die Leute verstehen, wie sie zustande kommen.“ Den nächsten großen Eingriff werde es vom 14. bis 17. September geben. Wegen des Baus eines Tunneldeckels würden in dieser Zeit keine Züge in Feuerbach halten, auch der Fern- und Regionalverkehr müsse umgeleitet werden.

Die neue Unterführung ist erstmals für Besucher geöffnet

Für die Besucher ist erstmals die neue Unterführung geöffnet. Sie ist 50 Meter lang und sechs Meter breit und wird ab 2019 die beiden bestehenden Durchgänge zur Siemensstraße ersetzen. „Man darf sich nicht wundern, warum man hier etwas bergab läuft“, sagt Rainer Matheisl. Für den Zugang zum neuen Tunnel müssten die Gleise des Fernverkehrs bereits hier abgesenkt werden – deshalb sei auch die Unterführung etwas tiefer gelegt worden.

Auch Bezirksvorsteherin Andrea Klöber ist zum ersten Mal in der Unterführung. Ihr ist wichtig, dass es weiter einen Geh- und Radweg in der Unterführung in der Borsigstraße gibt. „Den brauchen wir als Verbindung zwischen Feuerbach Mitte/West und Feuerbach Ost.“ Da die Bahn diesen wiederherstellen wird, ist Klöber zufrieden. „Die Leute kennen die Wege, haben sich damit abgefunden“, sagt sie. Früher sei der Bahnhof alles andere als ideal gewesen, künftig werde es eine deutliche Verbesserung geben.

Abgesehen von der Erhöhung des Bahnsteiges an Gleis 1 gibt es noch einen Wunsch aus der Bevölkerung, dem die Bahn noch nicht entsprochen hat. Ruth Maier vom Bürgerverein Feuerbach wünscht sich ein Fahrraddepot an der Stelle vor dem Bahnhof, wo früher das Gepäck eingeladen wurde. „Hier kommen unter der Woche viele Pendler mit dem Fahrrad, doch gibt es kaum Abstellmöglichkeiten.“ Und das teure E-Bike wolle man auch nicht unbedingt draußen stehen lassen.

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