Am Bahnhofsvorplatz wird ein „Mobility Hub“ eingerichtet. Der Gemeinderat Ehningen gibt einstimmig grünes Licht dazu.
Englische Redewendungen halten mehr und mehr Einzug in den Sprachschatz der deutschen Alltagssprache. So auch das neudeutsche „Mobility Hub“. Darunter darf man ein Angebot vorzugsweise an Bahnhofsvorplätzen verstehen, das sämtliche Dienstleistungen zum Teilen oder Entleihen von Fortbewegungsmitteln der E-Mobilität an einem Ort bündelt. Bis nach den Sommerferien, mit Start spätestens am 1. Oktober, will die Deutsche Bahn am Bahnhof Ehningen einen solchen Mobility Hub als Stützpunkt fürs Car-Sharing, für E-Bikes oder E-Scooter errichten. Die erste Drehscheibe dieser Art in der Region wurde von der Bahn im November letzten Jahres am Bahnhof von Stuttgart-Vaihingen geschaffen – das Anschauungsobjekt ist aus dem Landkreis Böblingen bequem zu erreichen mit der S1.
Grünes Licht für den Mobility Hub bekam die Bahn am Dienstag mit einem einstimmigen Votum im Gemeinderat, der diesmal statt des abwesenden Bürgermeisters von Uta Stachon geleitet wurde. „Wir wollen dieser Mobilitätsform eine Chance geben“, fasste die 1. stellvertretende Bürgermeisterin aus der Fraktion der Freien Wähler die Stimmung treffend zusammen.
Wilde Abstellplätze verhindern
Diskutiert wurde dennoch. Dabei ging es vorrangig um den genauen Standort des Mobility Hub sowie die Themen Ordnung und Sicherheit im Zusammenhang mit den später von externen Anbietern zu entleihenden Elektrorollern. „Die Fahrzeuge fahren rum“, hat CDU-Rat Rainer Klein besonders in Sindelfingen beobachtet, dass die modernen Lifestyle-Fortbewegungsgeräte oftmals als Hindernisse auf Geh- und Radwegen wild abgestellt werden. „Das will ich in Ehningen nicht haben.“ Genau dem trägt das per Online-Schalte vorgestellte Bahnkonzept explizit Rechnung. Denn zu dessen vier Komponenten gehört neben der Bedarfsanalyse unter den täglich rund 5000 nach Ehningen einpendelnden Personen sowie der Errichtung und Bewirtschaftung des Mobility Hubs auch die digitale Hinterlegung des Abstellplatzes: In Kooperation mit den Sharing-Anbietern soll auf diese Weise ein falsches Parken oder Im-Weg-Stehen zumindest am Bahnhof verunmöglicht werden. Eine Vorrichtung, die also für die auch von anderen Gemeinderäten gewünschte Ordnung sorgen soll.
Weitere Hubs könnten folgen
Fraktionskollege Manuel Benda dagegen bat darum, den vorgesehenen Standort auf dem bisherigen Kurzeitpark- und Taxistandplatz noch einmal zu überdenken, um nicht Mobilitätsangebote gegeneinander auszuspielen. Darüber hinaus beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, das Thema E-Scooter weiter zu verfolgen und Vereinbarungen mit interessierten Betreibern in einer der nächsten Sitzungen vorzustellen.
Wenn es funktioniert, könnten möglicherweise auch weitere „Hubs“ an anderer Stelle in Ehningen zum möglichst geordneten und damit auch für die Allgemeinheit gefahrlosen Abstellen der Fahrzeuge entstehen. Die Kosten hierfür von 8000 bis 40 000 Euro je Stützpunkt plus laufender Betrieb wären dann allerdings im Unterschied zur jetzt genehmigten Einrichtung am Bahnhof von der Gemeinde selbst zu tragen.
Mehrheitlich beschloss das Gremium außerdem, den Fahrbelag in der Bahnhofstraße auf Höhe des Bahnhofes und in der Schlossstraße im Bereich der Turn- und Festhalle zu erneuern und wie bisher optisch mit einem hellen Farbton hervorzuheben.
Pflasterbelag sorgt für Stolperfallen
Wegen Senkungen und Schäden wird das vorhandene, den Belastungen offenbar nicht gewachsene Pflaster durch Asphalt ersetzt. Die Maßnahme liegt laut Kostenschätzung bei rund 220 000 Euro und soll noch im Jahr 2022 umgesetzt werden. Ein weitergehender Antrag der Grünen, die gesetzlichen Voraussetzungen zur Einrichtung einer Spielstraße in der Schlossstraße zu prüfen und möglicherweise durch den Einbau von Barrieren neu zu gestalten, fiel bei Stimmengleichheit und einer Enthaltung knapp durch.