Der Ausbau der Gäubahn wird seit Jahren gefordert. Foto: dpa/Felix Kästle

Der Bund und die Bahn haben sich bei der sogenannten Kostenabgrenzung geeinigt. Damit können die Planungen beginnen. Noch bedarf es aber der Zustimmung aller Stuttgart-21-Partner.

Stuttgart - Der Bau des sogenannten Gäubahntunnels auf den Fildern rückt näher. Bund und Bahn haben sich auf die sogenannte Kostenabgrenzung geeinigt. Dabei geht es, vereinfacht gesagt, um die Frage, wo die durch die Projektpartner von Stuttgart 21 finanzierte Infrastruktur endet und wo der vom Bund bezahlte Gäubahntunnel beginnt. Die etwa elf Kilometer lange unterirdische Strecke verknüpft die Bahnstrecke Stuttgart–Zürich mit dem Manfred-Rommel-Flughafen und würde einen am Airport geplanten Ausbau der S-Bahn-Station für die Gäubahnzüge ersetzen. „Mit der nun geschaffenen Klarheit zur Kostenabgrenzung liegen die wesentlichen Voraussetzungen für eine zügige Planungsaufnahme des neuen Gäubahntunnels vor. Das ist eine gute Nachricht für Baden-Württemberg und die Schiene“, sagt Steffen Bilger (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. „Jetzt bedarf es noch der Zustimmung der Partner des Projekts Stuttgart 21. Dann ist der Weg frei für die Umsetzung des neuen Konzepts der Gäubahn“, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums.

 

Kritik an dem Vorhaben

Bahninfrastrukturvorstand Ronald Pofalla hatte in der Vergangenheit stets darauf hingewiesen, dass der Gäubahntunnel nur dann einen Teil von Stuttgart 21 ersetzen könne, wenn drei Voraussetzungen gegeben sind: Die Wirtschaftlichkeit müsse gegeben, die Finanzierung geklärt sein und die Abgrenzung zu Stuttgart 21 sauber erfolgen können. Eine von Steffen Bilger im März präsentierte Studie bescheinigte dem Vorhaben die Wirtschaftlichkeit. Kritik gab es allerdings daran, dass das neue Konzept vorsah, Züge des Fernverkehrs nicht mehr in Böblingen halten zu lassen und in Singen an der Station Landesgartenschau statt am Bahnhof zu halten.

Auslöser der Neuplanung war der Deutschlandtakt, ein Fahrplankonstrukt, bei dem Züge besser aufeinander abgestimmt werden, um Reisezeiten zu verkürzen. Dazu muss massiv auch in die Gäubahn investiert werden. Vorgesehen sind 2,1 Milliarden Euro. Wie genau die nun gefundene Kostenabgrenzung aussieht, geht aus der Mitteilung des Verkehrsministeriums nicht hervor. Für den Gäubahntunnel selbst wird wohl knapp eine Milliarde Euro fällig. Die dadurch obsolet werdenden Teile von Stuttgart 21 waren grob auf 200 bis 300 Millionen Euro beziffert. Die Differenz müsste der Bund stemmen.

Furcht um S-Bahn-Takt

Die bisherige Planung für die Führung der Gäubahnzüge zum Flughafen stand in der Kritik. Zum einen würden sie auf dem Abschnitt zwischen Rohr und dem Airport dieselben Gleise nutzen wie die S-Bahn und damit deren Takt gefährden. Zudem müsste für den Bau eines zusätzlichen Gleises in der S-Bahn-Station am Flughafen der Flughafen und Filderstadt für ein Jahr vom S-Bahn-Netz abgehängt werden. Dies könne „mit der Tunnellösung nun komplett vermieden werden. Fern- und Regionalverkehr werden wesentlich beschleunigt, während die bisherige S-Bahn-Strecke zum Flughafen auch weiterhin der S-Bahn vorbehalten bleibt“, heißt es beim Bundesverkehrsministerium.

Im grün-schwarzen Koalitionsvertrag auf Landesebene wird der „Ausbau der Gäubahn zwischen Stuttgart und Singen mit dem langen Gäubahntunnel zum Flughafen“ unterstützt. Es dürften aber keine Zusatzkosten für das Land entstehen.