Fahrkarten müssen einfach buchbar sein. Die Deutsche Bahn tut das Gegenteil davon und verärgert kommunale Verkehrsverbünde.
Für mehr öffentlichen Verkehr und damit mehr Klima- und Umweltschutz ist der einfache Zugang zu Bahnen und Bussen essenziell. Fahrkarten müssen möglichst einfach buchbar sein. Die verlustreiche Deutsche Bahn AG tut das Gegenteil davon, wenn der Staatskonzern nun kommunale Verkehrsverbünde mit teils drastisch erhöhten Provisionsforderungen und Kündigungen der bisherigen Vertriebsverträge verärgert. Als Folge könnten Kooperationen scheitern und wieder weniger Regio-Tickets im DB Navigator buchbar sein.
Sanierung der Bahn nicht auf Kosten der Fahrgäste
Hier kollidieren wie so oft seit der Bahnreform 1994 die betriebswirtschaftlichen Interessen der Aktiengesellschaft mit dem politischen Ziel, den öffentlichen Verkehr attraktiver und leistungsfähiger zu machen. Die Sanierung des DB-Konzerns ist überfällig, darf aber nicht auf Kosten der Fahrgäste gehen. Das Deutschland-Ticket zeigt, welche großen und auch international beachteten Erfolge möglich sind, wenn die vielen Beteiligten an einem Strang ziehen. Für Einzelbuchungen muss es ähnlich einfache Lösungen geben.
Der neue Verkehrsminister Schnieder sollte dem Staatskonzern auf die Finger klopfen. Denn es geht hier um mehr als die freie Vertragsgestaltung, die der klamme Konzern für sich reklamiert. Es geht ums Gemeinwohl, um attraktive und nachhaltige Mobilität. Der DB Navigator ist dafür ein geniales Instrument, man kann schon viele Fahrten sehr einfach digital buchen, ohne andere Apps zu benötigen. 35 Millionen Menschen nutzen das Portal bereits. Doch nur die DB AG bestimmt letztlich, welche Anbieter zu welchen Konditionen mitmachen dürfen.
Neuer Regierung sollte auf Vorschläge von Experten hören
Das ist kein guter Zustand und schadet den Verkehrs- und Klimazielen. Zumindest eine strengere Regulierung ist nötig, die Bundesnetzagentur und das Kartellamt könnten genauer hinschauen. Besser wäre, die marktbeherrschenden DB-Verkaufsportale als neutrale und gemeinnützige Vertriebsplattformen neu aufzustellen, um Buchungen aller Bahn- und Busangebote attraktiver und einfacher zu machen, zum Nutzen des gesamten Schienenverkehrs. Die neue Regierung sollte solch konstruktive Vorschläge von Experten aufgreifen.