Im Trend: Immer mehr Menschen steigen auf den Fernbus um Foto: dpa

Kampfpreise locken immer mehr Reisende in Fernbusse. Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) machte Stichproben und ermittelte an den Haltestellen in Stuttgart und am Flughafen 1209 Personen, die in einem Tageszeitraum abfuhren.

Stuttgart - Pro Woche bieten die Fernbusunternehmen ab Stuttgart mehr als 900 Fahrten auf innerdeutschen Strecken an. Das belegen Zahlen vom August – und die Tendenz war und ist steigend. Grenzüberschreitende Strecken sind noch nicht berücksichtigt. Das hat der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) jetzt seinem Aufsichtsrat berichtet – und diverse Details aus einer Befragung der Fernbusfahrgäste.

Eine der Konsequenzen ist, dass die von der Politik in Stuttgart angeregte Kombifahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr und den Fernbus eher nicht kommen wird. Sehr viel mehr Kunden könnte der VVS bei den Nutzern der Fernbusse mit einem Kombiticket nämlich kaum holen. Bereits jetzt pendelt jeder Dritte von vier Fahrgästen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, vor allem mit der S-Bahn, zwischen Wohnung und Busbahnhof.

Die Busbetreiber werden sich auch kaum dafür erwärmen. Denn nicht selten locken sie ihre Kunden mit Tickets zum Preis von etwa acht Euro. Mit einem Kombizuschlag würde der Preis die magische Grenze von zehn Euro überschreiten. Daher sind die Chancen für ein Kombiticket, wie im Regionalparlament und im Stuttgarter Gemeinderat angeregt, eher gering. Gleichwohl sei man zu Gesprächen mit den Fernbusunternehmen bereit, erklärte der VVS.

Auf den Zahn gefühlt hatte der Verbund den Fernbuskunden überall dort in Stuttgart, wo Fernbusse halten. Nachdem am Mittleren Schlossgarten der Fernomnibusbahnhof (FOB) dem Bahnprojekt Stuttgart 21 zum Opfer gefallen ist, sind das momentan vier Stellen. Eine ist der Flughafen, wo der neue Stuttgarter FOB in Bau ist und künftig als Stuttgart Airport Busterminal (SAB) firmieren soll, wo aber auch jetzt schon Fernbusse stoppen. Die anderen Stellen sind die provisorischen FOB in Zuffenhausen und Obertürkheim. Außerdem der Bahnhof in Stuttgart-Vaihingen, den Fernbusanbieter selbst ausgewählt hatten.

Pro Haltestelle wurde an je einem Werktag gezählt. Insgesamt ermittelte man 1209 abfahrende Businsassen. 1120 Personen wurden befragt. Die Umsteiger zwischen Fernbussen blieben unberücksichtigt. Die meisten Befragten kamen aus Stuttgart selbst. In Vaihingen waren das 71,9 Prozent, am niedrigsten war die Quote am Flughafen mit 41,7 Prozent. In Obertürkheim war Esslingen der zweitwichtigste Herkunftsort der Fahrgäste, in Zuffenhausen die Stadt Ludwigsburg. In Zuffenhausen fuhren am Stichtag 32 Busse ab – fast so viele wie beim Ortstermin der Beobachter am Flughafen (34 Busse). Aber auch die Haltestelle Zuffenhausen soll es nicht mehr geben, wenn der neue FOB am Flughafen fertig ist. Dann sollen am Airport alle Fernbusse gebündelt werden. In ihrem Bericht ließen die VVS-Chefs allerdings Zweifel aufblitzen, ob diese Bündelung akzeptiert wird: Der Wunsch nach stadtnäheren Haltestellen werde vermutlich auch dann vorgetragen werden, wenn der Busterminal am Flughafen in Betrieb genommen ist, heißt es in dem Papier.

Es bleibt nicht beim Vortrag von Wünschen. Die Gangart wird härter. Das Unternehmen Mein Fernbus hat im Mai eine Klage angestrengt, weil die Stadt eine neue Linienkonzession mit dem Argument verweigerte, der Busbahnhof Vaihingen sei ausgereizt. Die Linienbusse des Nahverkehrs dürften nicht behindert werden. Irgendwann soll darüber am Verwaltungsgericht Karlsruhe verhandelt werden. In Karlsruhe deshalb, weil die dortige Stadtverwaltung für die Genehmigung einer neuen Linie mit Startpunkt Karlsruhe zuständig ist. Die Karlsruher Stadtverwaltung hat die Argumente aus dem Stuttgarter Rathaus übernommen.

Am Flughafen soll der Busbahnhof Ende 2015 in Betrieb gehen, doch manche Anbieter haben für Stopps an den anderen Busbahnhöfen noch bis 2020 Lizenzen. Außerdem besteht die Gefahr, dass Busbetreiber sich irgendwo in Deutschland neue Linien genehmigen lassen, die zwar nach Stuttgart führen, aber nicht an den Flughafen.

Die CDU hat die Herausforderung offenbar erkannt. In einem Antrag warf sie jetzt die Frage auf, wie die Verwaltung einen drohenden Wildwuchs von Haltestellen vermeiden will und wie es um ihre Kontakte zu den Busbetreibern steht. Schon früher hatte die CDU ein aktives ordnungspolitisches Vorgehen gefordert. Die Verwaltung bleibt bisher dabei, dass es nur einen FOB geben soll – am Flughafen. Dort gebe es Sanitäreinrichtungen und Wartemöglichkeiten. Ein direkter Umstieg auf die S-Bahn sei dort möglich.

In Zuffenhausen und Obertürkheim steht man im Wort, dass die Nutzung endet, wenn der neue zentrale Busbahnhof am Flughafen fertig ist. In Zuffenhausen kommen sich schon heute Linien- und Fernbusse in die Quere, und im Bezirksrathaus beklagt man „sanitäre Probleme“.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: