Rüdiger Grube sieht sich mit seinem Sanierungskonzept „Zukunft Bahn“ auf dem richtigen Weg. Foto: dpa

Bahnchef Rüdiger Grube sieht „erste wirtschaftliche Erfolge“ und Verbesserungen für die Bahnkunden. Die Kennzahlen zeigen jedoch: Der größte Staatskonzern steckt tief in der Krise.

Berlin - Fahrgastrekord im Fernverkehr, steigender Konzerngewinn, leichtes Umsatzplus – diese Erfolgsmeldungen ließ Konzernchef Rüdiger Grube zur Vorlage der Halbjahresbilanz der Deutschen Bahn AG in Berlin verbreiten. Die Botschaft: Sein lange umstrittenes Sanierungskonzept „Zukunft Bahn“ greife. Es gebe „erste spürbare Verbesserungen“ für die Bahnkunden und „erste wirtschaftliche Erfolge“, betonte der 64-jährige Manager, der seinen Ende 2017 auslaufenden Vertrag gerne verlängert sehen würde.

Der 66-seitige Zwischenbericht taugt bei näherer Betrachtung allerdings kaum als Nachweis für die eifrig verbreiteten Erfolgsmeldungen. Die meisten Kennzahlen zeigen vielmehr, dass der größte deutsche Staatskonzern weiter tief in der Krise steckt. Voriges Jahr fuhr die DB einen Rekordverlust von 1,3 Milliarden Euro ein und wurde zum Sanierungsfall. Für 2016 will Finanzchef Richard Lutz unterm Strich zumindest wieder schwarze Zahlen schaffen, wie er betonte.

Ob das gelingt, wird sich zeigen. Zwar verbesserte sich das operative Ergebnis nach Zinsen und Steuern im Halbjahresvergleich von 391 auf 603 Millionen Euro. Doch für Überraschungen sind die DB-Bilanzstrategen immer gut. So stand schon im vorigen Jahr trotz des positiven Zwischenergebnisses am Ende ein Riesenverlust, weil Finanzchef Lutz mehr als vier Fünftel der veranschlagten zwei Milliarden Euro Sanierungskosten für „Zukunft Bahn“ sofort stark ertragsmindernd verbuchte.

Die Frachtbahn DB Cargo fährt seit fünf Jahren Verluste ein

So sollen in diesem Jahr nur noch rund 300 Millionen Euro Kosten bilanzwirksam für die Rotstiftaktion anfallen, die unter anderem den Abbau mehrerer tausend Jobs und die Schließung zahlreicher Verladestellen bei Europas größter Frachtbahn DB Cargo vorsieht. Hier fährt der Konzern seit fünf Jahren Verluste ein, nicht zuletzt wegen Managementfehlern. Im ersten Halbjahr sank die Verkehrsleistung weiter, der Verlust nach Zinsen betrug 83 Millionen Euro.

Mit dem subventionierten Regionalverkehr, wo der Ex-Monopolist immer mehr lukrative Verkehrsaufträge bei Neuausschreibungen an Wettbewerber verliert, bröckelt zudem die wichtigste Ertragssäule. Die Verkehrsleistung sank ebenfalls um mehr als 3 Prozent, der Segmentgewinn von 324 auf noch 307 Millionen Euro.

Auch im Fernverkehr, den der Konzern auf eigenes Risiko fährt, schrumpfte der Segmentgewinn um von 56 auf 53 Millionen Euro. Mit fast 67 Millionen Fahrgästen, einem Plus von fast 11 Prozent, kann Grube zwar einen Passagierrekord feiern. Doch im harten Kampf mit billigen Fernbussen kann die Bahn weiterhin nur durch viele 19- und 29 Euro-Tickets für ICE und IC bestehen, die kaum kostendeckend sind.

Der DB-Umsatz liegt im ersten Halbjahr bei rund 20 Milliarden Euro

Insgesamt betrug der DB-Umsatz im ersten Halbjahr rund 20 Milliarden Euro und legte nur leicht zu. Fürs Gesamtjahr wird mit 41 Milliarden ein geringes Plus erwartet. In ihren Erfolgsmeldungen stellt die DB-Spitze das „bereinigte Ebit“ in den Vordergrund, das um 13 Prozent auf rund eine Milliarde Euro kletterte und fürs Gesamtjahr unverändert mit 1,8 Milliarden Euro prognostiziert wird. Die Aussagekraft dieser Zahl ist aber begrenzt, da Zins- und Steueraufwand fehlen und im komplexen DB-Zahlenwerk zudem Ergebnisse ausgegliedert sind, die nicht in die Gewinn- und Verlustrechnung eingehen und nur im sogenannten „Konzern-Gesamtergebnis“ ausgewiesen werden.

Konkret heißt das, dass vom operativen Ergebnis (Ebit) allein fast 400 Millionen Euro Zinsen abgehen, die der Konzern für seinen immensen Schuldenberg zahlen muss. Die Netto-Finanzschulden betragen inzwischen knapp 18,2 Milliarden Euro und sind damit nochmals um 668 Millionen Euro gestiegen. Finanzchef Lutz erwartet in diesem Jahr noch einen Anstieg „auf maximal 19 Milliarden“. Der Staatskonzern will sich mit drei Milliarden Euro über Anleihen verschulden, davon seien 1,6 Milliarden Euro schon realisiert.

Eher beiläufig räumt Lutz dabei ein, dass die operativen Einnahmen in diesem Jahr nicht mehr ausreichen werden, um die – bereits im ersten Halbjahr deutlich niedrigeren – Nettoinvestitionen ins Netz und neue Züge sowie die Dividende an den Bund von 850 Millionen Euro zu finanzieren. Die Dividende sehe man aber nicht kritisch, da das Geld für den Bund wieder von dort ins Schienennetz zurückfließe.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: