Der viele Regen tut auch den Mammutbäumen in der Wilhelma gut. Doch besonders alte Bäume brauchen auch besonders viel Feuchtigkeit, am besten über mehrere Jahre hinweg. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Dieses Jahr hat es so viel geregnet wie lange nicht. Den Bäumen in der Wilhelma und in den Parks hilft das, sagt die Parkpflege-Chefin Katja Siegmann. Auch wenn momentan alles grünt und blüht – die Experten bereiten sich auf trockenere Zeiten vor.

Das viele Wasser vom Himmel lässt die Bäume in der Wilhelma und auch in den Parks des Landes vitaler dastehen. Doch nicht nur das. „Wir mussten bisher noch nicht zuwässern“, sagt Katja Siegmann. Sie ist als Fachbereichsleitung der Parkpflege für 340 Hektar Grünflächen des Landes zuständig, mit 12 000 Bäumen auf Stuttgarter Gemarkung samt der Wilhelma. „Der Regen tut den Bäumen super gut. Auch den Mammutbäumen.“ Sie hätten in den vergangenen Jahren unter der Trockenheit gelitten, deshalb seien dort Feuchtigkeitssensoren installiert worden, berichtet Siegmann. Solche Sensoren haben neuerdings auch die Magnolien im Maurischen Garten.

 

Junge Bäume reagieren sofort positiv auf den Regen

Allgemein reagierten junge Bäume sofort auf den vielen Regen, die alten Bäume eher zeitverzögert: „Man sieht bei den älteren Exemplaren den Trockenstress der letzten Jahre an den toten Ästen“, berichtet Siegmann. In diesem Jahr sind die Blätter der Bäume im Zoo und in den Parks saftig grün und größer. Dadurch könnten sie mehr Photosynthese betreiben und für mehr Sauerstoff sorgen. „Es ist alles üppig grün, groß und saftig“, freut sich Siegmann. Wer durch die Wilhelma geht, kann das bestätigen.

Auch den klimaresistenten Pflanzen, die im zoologisch-botanischen Garten im Frühjahr frisch gepflanzt worden, hilft der Regen, denn: In den ersten zwei Jahren müssen sie ausreichend gewässert werden, damit sie Wurzeln bilden können. Auch in den neuen Dauerbeeten mussten die Gärtner in den vergangenen Wochen nicht gießen. Im April waren in die ehemaligen Wechselbeete, die es in der Wilhelma seit rund 60 Jahren gibt, insgesamt rund 4000 stressresistente Exemplare gesetzt worden, die künftig dem Klimawandel besser trotzen sollen.

Klimaresistente Pflanzen müssen 20 Jahre halten

Doch auch wenn es jetzt viel geregnet hat, heißt das ja nicht, dass das so bleibt. Deshalb habe die klimaresistente Bepflanzung ihren Sinn, denn: „Sie sollte 20 Jahre halten, und da werden auch wieder trockene Jahre dabei sein“, sagt Siegmann. Ziel ist, dass die Pflanzung nicht total ausfällt, sondern dass die klimaresistenten Exemplare überleben. Auch bei den heimischen Aussaaten zeige sich, dass sie trockene Zeiten gut überstehen. Sie säen sich immer wieder aus. In der Wilhelma sind die wilden Blühpflanzen im Norden des zoologisch-botanischen Gartens gut ausgeprägt, etwa in der Nähe des asiatischen Schaubauernhofs.

Auch wenn die jüngeren Bäume vom Regen profitieren, so ist die Lage bei den älteren Bäumen einen andere: Für einen Baum im Alter von 150 Jahren sei ein Jahr sehr relativ: „Es müssten mehrere Jahre in Folge hohe Niederschläge geben“, sagt Siegmann. Sie betreut mit rund 75 Beschäftigten neben der Wilhelma, den Rosensteinpark, die Universität Stuttgart, den Schlossgarten, den Schlossplatz, das Schloss Solitude, das Staatsministerium und die Grabkapelle in Rotenberg sowie 120 Einzelobjekte. Siegmann registriert auch in den Stuttgarter Parkanlagen, die sie betreut, üppigen Wuchs, Allerdings gebe es im Schlossgarten auch tote Bäume und im Rosensteinpark seien alle Berg- und Spitzahorne ausgefallen, außerdem Robinien und Hainbuchen. Auch hier zeigen sich die Auswirkungen langer Trockenperioden und der heißen Sommer der letzten Jahre. Im Rosensteinpark werde das Totholz stehen gelassen, es nutze der Biodiversität und damit auch dem streng geschützten Juchtenkäfer und dem Rosenkäfer.

Tote Bäume im Schlosspark und im Rosensteinpark