Nilgänse stehen im Ruf, sich – vor allem, wenn es an einem See eng zugeht – anderen Tierarten gegenüber aggressiv zu verhalten. Foto: Sandra Hintermayr

An den Seen unterhalb des Bärenschlössles in Stuttgart machen sich Nilgänse breit. Die Vögel haben den Ruf, andere Tiere teils vehement zu vertreiben. Wie wirkt sich das auf die Fauna der Bärenseen aus?

Stuttgart-West/Büsnau - Seit ein paar Jahren sind sie auch an den Stuttgarter Bärenseen anzutreffen: Nilgänse. Unter Naturschützern sind die tierischen Einwanderer nicht sehr beliebt. Sie haben den Ruf, sich gegenüber anderen Wasservögeln teils aggressiv zu verhalten. Es kann sein, dass sie andere Tierarten verdrängen.

Bärensee, Neuer See und Pfaffensee sind Heimat zahlreicher Tiere. Neben Stockenten und Blesshühnern sind an den Gewässern unterhalb des Bärenschlössles auch Amphibien und Reptilien zu Hause. In den Uferbereichen leben Ringelnattern, und die Schildkröten, die sich auf den Baumstämmen im Wasser sonnen, sind ein gewohntes Bild. Bei ihnen handelt es sich vornehmlich um Rotwangen- und Gelbbauch-Schildkröten, sie wurden dort vermutlich ausgesetzt. Ebenso wie die Nilgänse scheinen sie an den Bärenseen gute Lebensbedingungen zu finden.

Ein Anwohner aus dem Dachswald berichtet unserer Zeitung, dass er oft an den sogenannten Parkseen spazieren geht. Die Nilgänse beäugt er kritisch. Er befürchtet, dass sie andere Wassertiere an den Seen verdrängen könnten. „Ob es auch Auswirkungen auf die Ringelnatter-Population im Totholz-Bereich an den Seen hat, wird sich zeigen“, sagt der Mann.

Ringelnattern hätten wenig zu befürchten

Die Stuttgarter Stadtverwaltung erklärt dazu, dass Gänse sich generell gegenüber den meisten anderen Vogelarten „neutral, gleichgültig und desinteressiert“ verhielten. „Verhaltensausnahmen treten bei Nahrungskonkurrenz, geringem Abstand oder bei der Verteidigung des Nachwuchses auf“, teilt Pressesprecherin Ann-Katrin Keicher mit. Damit unterschieden sich Gänse kaum von anderen Wasservogelarten wie dem Höckerschwan, dem Blesshuhn oder dem Haubentaucher, die ähnliche Verhaltensmuster zeigten. „Auf Gewässern gibt es offenbar eine ‚Hackordnung‘, die von der Körpergröße bestimmt wird“, sagt Keicher. Als größere Art stehen Gänse offenbar weiter oben in dieser Hackordnung als beispielsweise Blesshühner.

Ringelnattern, teilt die Stadt mit, hätten von den Nilgänsen wenig zu befürchten: „Gänse sind Vegetarier. Gleichzeitig sind Ringelnattern auch recht wehrhafte Tiere, vor allem, wenn sie bedroht werden“, sagt Keicher.

Stadt: Eine Bejagung in städtischem Raum sei fast unmöglich

Wie sich die Nilganspopulation auf die heimische Tierwelt auswirkt, wird sich mit den Jahren zeigen. Prinzipiell, sagt die Stadt, unterliege die Nilgans dem Jagdrecht. Für die Jagd gelten allerdings strenge Regeln. „Eine Bejagung im städtischen und besiedelten Raum ist fast unmöglich“, sagt Keicher. „Ein Abfangen wäre dann die geeignetere Möglichkeit.“

Eine Umsiedlung der Gänse scheint jedoch schwierig zu sein. Denn zwischenzeitlich sind die Gänse in fast allen Seen und Teichen im gesamten Stuttgarter Umland anzutreffen. Bei einer Umsiedlung der Nilgänse von den Bärenseen würde sich dort sehr schnell eine neue Population ansiedeln, sagt die Pressesprecherin. Oder aber die vertriebenen Gänse kommen wieder zurück.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: