Der Bärensee im Jahr 2013: Noch können sich die Blätter der Bäume großflächig auf dem Wasser spiegeln. Foto: privat/privat

Der Bärensee ist ein Naturdenkmal. Doch der Zustand des Wassers ist kritisch, wohl auch, weil sich die gelbe Teichrose auf dem See massiv ausbreitet. Der örtliche Anglerverein spricht von einem ökologischen Desaster. Die Stadt weist die Vorwürfe zurück.

Filderstadt - Malerisch und ruhig liegt der Bärensee inmitten der Rams­klinge zwischen Stetten und Plattenhardt. Der See ist ein Ort zum Runterkommen. Viele Radfahrer und Spaziergänger genießen das. Doch das Bild ist trügerisch. Denn um den See steht es alles andere als gut. Oder, um es mit den Worten von Edwin Nowak zu sagen: „Wir haben hier ein ökologisches Desaster“.

Nowak ist erster Vorsitzender des Anglervereins Bärensee. Vor fast 50 Jahren hat sich eine Gruppe von Naturfreunden zusammengeschlossen und bei der Stadt den See gepachtet. Der Verein ist gemeinnützig und, so steht es in der Satzung, zur Hege und Pflege des Fischbestandes zuständig – ja sogar verpflichtet. Genau das ist laut Nowak derzeit aber nicht umsetzbar. Wie konnte es dazu kommen?

Das Schlamassel beginnt im Jahr 2008. Da der Bärensee 1970 künstlich angelegt wurde, müsse er, ähnlich wie bei einem Aquarium, hin und wieder gereinigt werden. „An der südlichen Seite grenzt der See an einen Wald“, sagt Nowak. Dadurch falle relativ viel Laub ins Wasser. Dieses wiederum setzt sich auf dem Grund des Sees ab und wird über die Jahre zu Schlamm. Gemeinsam mit der Stadt wurde vereinbart, dass der See entschlammt werden soll. Professionell von einem Unternehmen, das mit einer sogenannten Moorraupe den Schlamm wegschaufelt. Davor wurden alle Fische aus dem Bärensee geangelt und der See abgesenkt. Nowak und sein Anglerverein waren zufrieden. „Doch plötzlich stand die Raupe still“, erinnert sich Nowak. Mitten in der Aktion wurde abgebrochen. Dabei war gerade mal ein Drittel des Sees gereinigt.

See wurde auf Altablagerungen angelegt

Warum nicht zu Ende gebaggert wurde, ist dem Verein bis heute ein Rätsel. Susanne Schreiber, noch nicht mal seit einem Jahr Baubürgermeisterin in Filderstadt, hat die Theorie, dass „bei dem Einsatz der Raupe dass Risiko zu hoch ist, dass die unter dem See liegenden Altlagerungen beschädigt werden könnten.“ Es bestehe die Gefahr, dass die Versiegelung aufgebrochen werde und giftige Gase austreten. Das städtische Umweltreferat gibt an, dass es wohl bewusst nicht die ganze Fläche entschlammt habe. Um Lebewesen, die sich dort eingenistet hätten, nicht zu zerstören.

Frank Weissert, Schriftführer des Anglervereins, widerspricht dieser Aussage vehement: „Das ist nicht plausibel.“ Und weiter: Die Versiegelung der Altablagerung solle laut Zeitzeugen eine zwei Meter hohe Schicht aus Lehm sein. „Die kann von einer Raupe nicht derart beschädigt werden, als dass dadurch giftige Gase austreten“, so Weissert.

Gelbe Teichrose belagert nun den See

Mittlerweile ist aber, und darüber sind sich beide Parteien einig, der Schlamm nicht mehr das Hauptproblem. Sondern ein Vorfall, der sich – laut Theorie des Anglervereins – während der See vom Schlamm befreit wurde – so zugetragen haben soll: Die Moorraupe müsse aus Versehen die Rhizome der unter Naturschutz stehenden gelben Teichrose gestreift haben. Daraufhin konnte diese sich auf dem Grund des Sees verteilen und unkontrolliert vermehren. Das Problem: Die Pflanze bedeckt weite Teile der Wasseroberfläche und der Naturschutz verhindert, dass sie einfach entfernt werden darf. „Dadurch können Unterwasserpflanzen nicht mehr wachsen“, erklärt Nowak. Diese seien aber dringend notwendig, um den See mit Sau­erstoff zu versorgen. Die Folge: dramatischer Sauerstoffmangel. „Der Bärensee hatte noch nie sehr hohe Werte, aber im Zusammenhang mit den anderen Faktoren wie der niedrigen Wassertiefe und einem sauerstoffarmen Zufluss wurde es gefährlich“, erklärt Nowak. Zwar hat der Anglerverein die Teichrose einst angelegt. Ausgebreitet habe sie sich aber in den 40 Jahren zuvor nicht.

Tierquälerei muss verhindert werden

Weil die Angler die Risiken vorhergesehen haben, sind sie seit 2012 regelmäßig bei der Stadt vorstellig geworden, um auf die Gefahr eines möglichen Fischsterbens hin­zuweisen. Ohne Erfolg. Laut Umweltreferat habe der Verein wechselhafte Forderungen gestellt. Mal sei der Schlamm Schuld, mal die Teichrose. Man könne nicht vorschnell reagieren. Es brauche ein Konzept mit verschiedenen Maß­nahmen. Im Januar 2017 war der Bärensee dann tot. Sämtliche Fische starben. Bürgermeisterin Schrei­ber, die seit Anfang 2019 im Amt ist, lenkt ein: „Die Kommunikation in der Vergangenheit war sicherlich nicht die Beste“.

Der See ist immer noch in einem kritischen Zustand. Und der Anglerverein widerspricht der Aussage des Umweltreferats gegenüber unserer Zeitung, dass alle Fische aus dem See geangelt werden sollen. „Das ist nicht möglich“, so Nowak. Deshalb müsse man schnell eine Lösung finden, sonst grenze die Situation an Tierquälerei. Theoretisch müsse dafür im ersten Schritt laut Verein ein Teil der gelben Teichrose entfernt werden. Das sei laut Anglerverein kein großer Aufwand. Dem stimmt Schreiber zu. Sie gibt aber zu bedenken, dass die Pflanze unter Naturschutz stehe und eine Rücknahme fachkundig begleitet werden müsse. Das gehe nicht „einfach so“. Deshalb haben Stadt und Anglerverein jeweils einen Gutachter bestellt, die gemeinsam einen Bericht über den Bärensee vorlegen wollen. Die daraus folgenden Maßnahmen sind noch nicht öffentlich. Schreibers Ziel ist, dass der See im Herbst 2020 saniert wird.

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