Bärbel Winkler erklärt, welche Merkmale und Methoden typisch für Fake News sind. Foto: Gottfried Stoppel

Bärbel Winkler aus Fellbach engagiert sich seit Jahren für den Umwelt- und Naturschutz. Bei der Volkshochschule Unteres Remstal zeigt sie in einem Kurs, wie jeder falsche Behauptungen über den Klimawandel entlarven kann.

Fellbach - Es ist eine Impfkampagne der besonderen Art – eine, die ohne Spritzen und Pikser auskommt. „Aber wir streben durchaus Herdenimmunität an“, sagt Bärbel Winkler und lacht. Nein, es geht nicht um die Corona-Pandemie, aber um ein Phänomen, das ebenfalls gefährlich und rund um den Globus zu beobachten ist: die Verbreitung falscher Fakten zum Klimawandel. Dagegen kämpft die 57-jährige Fellbacherin, die sagt, sie habe sich immer für den Umweltschutz interessiert, mit anderen Ehrenamtlichen auf der ganzen Welt an.

Sie schreibt Artikel, hält Vorträge und übersetzt Beiträge ins Deutsche, die auf der Internetseite „Skeptical Science“ des Australiers John Cook erschienen sind. Die Seite listet die gut 200 häufigsten Argumente von Leugnern des durch den Menschen verursachten Klimawandels auf – und widerlegt sie.

Doch angesichts der Unmenge an Fake News, die täglich neu in Umlauf gebracht werden, kann das Widerlegen falscher Behauptungen nur eines der Gegenmittel sein. Bärbel Winkler und ihre Mitstreiter in aller Welt wollen daher ihre Mitmenschen auch dazu befähigen, falsche Informationen selbst zu erkennen – durch eine „Schutzimpfung fürs Gehirn“. Das Prinzip dabei: man setzt Menschen einer kleinen Dosis Falschinformationen aus – und erklärt ihnen dann anhand dieser die Methoden und Merkmale, die typisch für Fake News sind. So werden Menschen mit etwas Übung widerstandsfähiger gegen solche Manipulationsversuche.

Das Prinzip ist immer das gleiche

Eine Gelegenheit, sich das Handwerkszeug zum Aufspüren von Falschinformationen anzueignen, ist der Vortrag „Fake News über den Klimawandel erkennen und entlarven“, den Bärbel Winkler am 16. April bei der Volkshochschule Unteres Remstal in Fellbach anbietet. Anhand praktischer Übungen kann dabei auch jeder testen, wie es funktioniert. „Das Prinzip von Fake News ist immer das gleiche“, sagt Bärbel Winkler: „Das ist wie bei einem Zaubertrick. Wenn man ihn einmal erklärt bekommen hat, fällt man nicht mehr so leicht darauf herein.“

Bärbel Winkler nennt als typische Merkmale der Fake News zum Beispiel die „aufgeblähte Minderheit“ und „falsche Experten“. Beide Merkmale finde man beispielsweise bei der Oregon Petition, erklärt die Fellbacherin, für die der Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ des einstigen US-Vizepräsidenten und Umweltschützers Al Gore der Auslöser war, sich so richtig in das Thema globale Erwärmung einzuarbeiten.

Falsche Experten und aufgeblähte Minderheiten

Die Oregon Petition richtet sich gegen das Kyoto-Protokoll, das die beteiligten Staaten verpflichtet, den Ausstoß klimaschädlicher Gase zu senken. Die Unterzeichner der Oregon Petition bezweifeln eine durch den Menschen mitverursachte Klimaerwärmung. Rund 32 000 Hochschulabsolventen der Naturwissenschaften haben die Erklärung unterzeichnet. Das klinge zunächst beeindruckend, sagt Bärbel Winkler, tatsächlich aber handele es sich nur um rund 0,3 Prozent aller US-Hochschulabsolventen dieser Sparte, von denen es fast elf Millionen gebe. Und ein Blick in die Liste offenbare kaum kompetente Experten, sprich Klimaforscher, sondern ein buntes Sammelsurium aus Mathematikern, Physikern, Raumfahrt- und Elektroingenieuren. Auch ein Mitglied der Pop-Band Spice Girls sei unter den Unterzeichnern.

„Wenn man den Leuten das erklärt, haben Fake News zwar immer noch Einfluss, aber keinen so großen mehr“, sagt Bärbel Winkler. Noch hilfreicher sei es aber, wenn mehr Menschen eigenständig Fake News erkennen könnten, denn desto eher lasse sich deren Verbreitung verhindern.

Ist der Kampf gegen Falschmeldungen nicht einer gegen Windmühlen? Natürlich sei das ein Kampf ohne Aussicht auf ein Ende, sagt Bärbel Winkler, die in der IT-Branche arbeitet und ihr zeitintensives Engagement gegen Fake News als „eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung“ bezeichnet: „Immer mal wieder zweifelt man schon. Aber jeder, den man davor schützt, reinzufallen, ist es wert. Und nichts tun ist keine Option, denn dann gewinnen die.“

Mehr aus dem Volkshochschulprogramm

Vortrag:
Bärbel Winklers Kurs bei der Volkshochschule ist am Freitag, 16. April, von 19 bis 21 Uhr. Die Teilnahme kostet neun Euro. Falls es die Lage erlaubt, ist die Volkshochschule Fellbach in der Eisenbahnstraße der Treffpunkt für die Präsenzveranstaltung, sonst läuft der Vortrag im Online-Format.

Kochwerkstatt:
Ob Zitronentarte oder Slow Food: bei den Online-Back- und Kochkursen werkelt jeder und jede daheim in der Küche, begleitet von der Kursleitung.

Großbritannien:
Neuigkeiten live aus Liverpool bietet Chris Keelan. Der Englischlehrer stellt für seinen Kurs Medienberichte mit aktuellen Nachrichten zusammen.

Outdoor
: Kräuterwanderungen, botanische Spaziergänge, eine Tour entlang der Rems, begleitet von einer Gewässerführerin, Wanderungen zu heimischen Orchideen oder in die Steinzeit – für alle, die es nach draußen zieht, gibt es viele Exkursionen zu Zielen im Rems-Murr-Kreis.

Geschichte:
Als Neustadt noch „Bad Neustädtle“ war – Kristina Kraemer beleuchtet bei einem Spaziergang die Geschichte des Kurbads.

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